Leserbrief

Nachdem in den 1950er-Jahren die Grünflächen vereinzelt und planlos im ganzen Stadtgebiet verteilt waren, wurden in den 60er- bis 80er-Jahren die Grünflächen als zusammenhängendes System geplant. Abb.: Stadt Cottbus

Leserbrief zum Beitrag "An den Rändern der Städte" von Carlo W. Becker und Lena Flamm, 12/2015 STADT + GRÜN, S. 13ff.

Anknüpfend an obige Ausführungen, die sich in der Feststellung konzentrieren: "Die Ränder der Städte sind heterogen und hybrid, meist weder Stadt noch Landschaft..., es fehlen übergeordnete Raumgerüste an den Stadträndern" soll hier am Beispiel der Stadt Cottbus, die seit 1974 verfolgte und vielfach verwirklichte In-Szene-Setzung von Stadträndern dargestellt werden.

Aufbauend auf dem Grundsatz: Gebaut werden darf nur dort, wo weder feuchte Böden, Wiesen, Schlenken noch beste Ackerböden und Mischwald vorhanden sind, ergab sich für Cottbus ein relativ verständlicher Flächennutzungsplan. Mein Universitätslehrer Georg Pniower betonte immer wieder, dass der Landschaftsarchitekt bei Bauvorhaben als erster vor Ort sein muss, um obige Ausweisungen von Flächen grob zu skizzieren. In der durch den riesigen Braun-kohlenabbau wachsenden Stadt mit dem Ziel von 60 000 auf fast 200 000 Einwohnern, sieben Großkraftwerken die von über 15 Tagebauen gefüttert werden sollten, bestanden gute Voraussetzungen für obige Forderungen sich Gehör zu verschaffen. Der Anblick riesiger devastierter Landschaften begünstigte vermutlich unsere städtebaulichen Forderungen. Im Generalbebauungs- und Generalverkehrsplan wurden die sich damit ergebenden Bedingungen fixiert. Sie sollten dazu dienen, neben zusammenhängenden Grünflächen, die alle Grünflächenarten (Parks, Sportplätzen, Friedhöfen und auch Kleingartenkolonien) zusammenfassen und damit genug Masse einbrachten, um die Stadt gliedernde Freiräume zu erzielen. Es wurde die Auffassung vertreten, dass kompakte Grünflächen besser ihre zusätzliche Aufgabe erfüllen, spürbare Zäsuren innerhalb der Bauflächen zu schaffen, wie auch besser der Durchlüftung und Abkühlung sommerlicher Hitze gerecht zu werden, als reine Grünverbindungen. Diese sind zusätzliche angenehme Verbindungen der Hauptfußgängerströme.

Abb.: Stadt Cottbus

Außerdem wurde größter Wert darauf gelegt, dass einprägsame Stadtbildansichten entstehen können, mit denen man sich identifizieren kann. Dem sog. Grünplaner schwebten die alten Stadtansichten des kaufmännischen Bürgertums vor Augen, in denen der Stolz jener damaligen Menschen auf ihre Stadt wachsen konnte.

Bei den heutigen Stadtgrößen sind solche Stadtansichten wie sie die MERIANschen Grafiken einst waren zwar in dieser Form nicht mehr möglich, jedoch in Teilbereichen. Die großen Bauvorhaben so zu lenken, dass sie Schauseiten zu den großen Grünräumen schaffen, wurde als ein bedeutendes Element zur Schaffung neuer Stadtansichten betrachtet und konnte zu den Sachsendorfer Wiesen und den Madlower Wiesen ideal verwirklicht werden. Die großen offenen Wiesenflächen schaffen Distanz und damit schöne Stadtbilder. In ähnlicher Form wurde zum innerstädtischen Grünring und zu Fluss- und Bachläufen verfahren.

Fixiert wurden diese als "stabile Bebauungsränder" im Generalbebauungsplan. Wir halten dies für eine gute Regelung, die das Ausfransen der Bebauung, das so oft hässliche Ansichten aus der Feldflur heraus mit sich bringt, zum Teil verhindern kann. Im Falle Cottbus muss gesagt werden, dass durch die meisten Arbeitskräfte schluckenden Kraftwerke und Kohlegruben wenig neue Industriebauten auf dem Stadtteritorium notwendig waren.

Prof. e.h. Helmut Rippl, Garten- und Landschaftsarchitekt, Cottbus

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 05/2016 .

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