Mediterrane und Submediterrane Nadelgehölze als Straßenbäume in Berlin

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Klimabäume
1. Regionen in Europa mit analogen Klimabedingungen zu Deutschland 2071bis 2080. Abb.: Bergmann et al 2009, 36

Für Straßenbäume gilt es in Zukunft neue Konzepte zu finden, die im Zuge des Klimawandel bestehen können. Nadelgehölze wurden dabei in vielen Fällen nicht bei der Artenauswahl beachtet, wobei sie einen wichtigen Beitrag zum Stadtbild leisten können. Inwiefern Arten aus dem mediterranen und submediterranen Raum dabei eine Rolle spielen können und klimatisch geeignet wären, soll der folgende Artikel behandeln.

Straßenbäume sind ein zentraler Bestandteil des Stadtbilds. Sie tragen zur Atmosphäre der Straßen bei und sind besonders in Zeiten des Klimawandels wichtig für das Klima der Stadt. Viele heimische Baumarten sind jedoch nicht an den Klimawandel angepasst. Hitze und Trockenheit setzen ihnen zu, sodass diese zum Teil absterben und ersetzt werden müssen. Durch das sich ändernde Klima werden Straßen für Bäume zudem immer mehr zu Extremstandorten, sodass die Suche nach Straßenbäumen in Regionen ansetzen sollte, die natürlicherweise ähnlich extreme Standorte aufweisen. Ein Ansatzpunkt dafür ist der submediterrane Raum, in dem Trockenheit und Hitze wie im mediterranen Raum herrschen, aber auch Temperaturen unter 0 Grad Celsius zur Normalität gehören.

Der überwiegende Teil der Straßenbäume sind Laubbäume. Nadelbäume wurden bisher für die Verwendung im Straßenraum wenig beachtet. Dabei sind sie insbesondere im Sinne der Vielfalt unserer Stadträume nicht zu unterschätzen. Ihr oftmals markanter Habitus und das ganzjährige Nadelwerk könnten interessante Atmosphären schaffen. Die heimischen Nadelgehölze sind mit wenigen Ausnahmen für den Straßenraum nicht geeignet, da ihnen eine Anpassung an Hitze und Sommertrockenheit fehlt. Nadelgehölze wärmerer Zonen hingegen bieten genau diese Eigenschaften, müssen aber natürlich frostresistent sein.

Klima

In den allermeisten Fällen unterscheidet sich der natürliche Standort einer Baumart stark von den Bedingungen im Straßenraum. Diese sind durch Faktoren wie Bodenverdichtung und -versiegelung, Nährstoffmangel sowie Hitze- und Trockenstress negativ beeinflusst. Gerade auch die Auswirkungen des Klimawandels machen den Straßenraum immer mehr zu einem Extremstandort. Als gesicherte Annahmen gelten ein Anstieg der Jahresmitteltemperatur und eine Zunahme von Hitzeperioden (vgl. Essl & Rabitsch 2013, 7). Gleichzeitig nehmen Frosttage ab und die Vegetationsperiode verlängert sich. Auch die Häufigkeit und Intensität von Starkwetterereignissen verändert sich: Man geht davon aus, dass sie vermehrt im Winter auftreten (vgl. Maraun 2013, 61), ein Trend, der in den vergangenen Jahren bestätigt werden konnte.

Die in Abbildung 1 dargestellte Modellierung zeigt, dass für die Jahre 2071 bis 2080 in weiten Teilen Deutschlands ein Klima erwartet wird, das dem jetzigen Klima folgender Regionen ähnelt: große Teile Frankreichs (außer die Küstenregionen), Nordspanien, Mittel- und Norditalien bis zu Regionen in Bulgarien/Türkei am Schwarzen Meer. Andere Simulationen legen nahe, dass die Veränderungen in Berlin so stark sein werden, dass das Klima dem Neapels (vgl. Kopf et al. 2008, 15) oder Pamplonas (vgl. Rohat et al. 2017, 436) ähneln wird. Für den Straßenraum bedeutet das, dass wir in einer ohnehin schon für das Pflanzenwachstum schwierigen Situation mit weiteren limitierenden Faktoren rechnen müssen: (längere) Trockenheitsperioden im Sommer sowie grundsätzlich unberechenbare und intensivere Starkwetterereignisse.

Aktuell befindet sich Berlin in der Winterhärtezone 7b (-12,3 bis -14,9 °C). Schon Mitte des 21. Jahrhunderts - Ende des 21. Jahrhunderts allemal - kann für Berlin die Winterhärtezone 8 (-6,7 bis -12,2 °C) angenommen werden. Die Winterhärte ist neben den Ansprüchen an Boden und Wasserverfügbarkeit eines der Kernmerkmale bei der Gehölzverwendung. Eine derartige klimatische Veränderung hat gravierende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der heimischen Flora (vgl. Pompe et al. 2011, 22ff.). Sie bietet aber auch neue Möglichkeiten der Pflanzenverwendung im urbanen Raum.

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Nadelbäume für das zukünftige Berliner Klima

Das Mittelmeergebiet unterscheidet sich klimatisch in vielen Faktoren von dem mitteleuropäischen Klima. Während in Mitteleuropa ein niederschlagsreicher Sommer und ein Winter mit wenigen Frostperioden vorherrschen, spielen im mediterranen Raum Winterfröste keine Rolle. Der Extremfaktor in mediterranen Zonen ist nicht der Kältestress, sondern die hochsommerlichen Dürreperioden. Der Winter bleibt dabei humid und mild. In der submediterranen Zone ist die Sommertrockenheit weniger ausgeprägt und es kann im Winter zu längeren Frösten kommen. Die dort vorkommenden Arten müssen sowohl an Trockenheit und Hitze, als auch an Frost angepasst sein. Daher sind die Florenreiche des submediterranen und des mitteleuropäischen Raumes eng miteinander verzahnt (vgl. Frey & Lösch 2010, 31).

Als submediterrane und mediterrane Nadelgehölze werden dabei solche verstanden, die aus der Florenregion des Mittelmeers sowie angrenzender extrazonaler Gebirgslagen stammen.

Nadelbäume dominieren die boreale Klimazone. Im mediterranen Raum machen Nadelgehölze eher einen geringeren Anteil an der Vegetation aus. Sie besiedeln dort Extremstandorte im Gebirge und an der Küste, werden forstlich gefördert (es gibt Monokulturen aus Nadelbäumen z. B. aus Pinus halepensis wie bei uns aus Kiefern und Fichten) und sind aber auch als Zierbaum aufgrund ihres markanten Erscheinungsbilds häufig kultiviert (wie Pinus pinea und die Cedrus-Arten). Nadelbäume gibt es im Mittelmeerraum innerhalb der Gattungen Abies, Cedrus, Cupressus, Juniperus, Pinus und Tetraclinis. Die geografische Größe des Mittelmeerraums ergibt dabei Unterschiede in den Niederschlagswerten und dem Temperaturverlauf. Dies liegt an den zahlreichen Gebirgen sowie dem atlantischen Einfluss im Westen und dem kontinentalen Einfluss im Osten (vgl. Bärtels 1997, 8). Die oft disjunkten Areale und das Vorkommen in unterschiedlichen Höhenstufen führt bei einzelnen Arten zu einer großen genetischen Varianz, sodass je nach Herkunft auch eine unterschiedliche Frostverträglichkeit bestehen kann.

Ob mediterrane und submediterrane Nadelgehölze im Berliner Straßenraum verwendbar sind oder sein werden, lässt sich an mehreren Parametern abschätzen. Ihre natürliche Verbreitung, ihre Winterhärtezone (WHZ), ihre Trockenheitstoleranz und ihre Winterhärte in Deutschland können Faktoren sein, die einen Überblick über eine klimatische Eignung im Berliner Stadtklima geben.


Pinus

Der Querschnitt in Abb. 05 (Sommer) vergleicht den Wuchs eines Laubbaumes und einer Kiefernart. Im Sommer spenden Blätter und Nadeln gleichermaßen Schatten und transpirieren Wasser. Kiefernarten werden zum Teil sehr hohe Bäume. Im Alter entwickeln sie ihre asymmetrische und schirmförmige Krone. Die gelbgrünen Nadeln von Kiefern fallen erst nach mehreren Jahren ab (vgl. Bärtels 2014, 519-531). Das garantiert nicht nur einen grünen Aspekt im Winter, sondern reduziert auch abfallendes Laub im Herbst. Auch die charakteristischen rotbraunen Zapfen bleiben über mehrere Jahre am Baum (vgl. Pietzerka & Roloff 2017, 9). Pinus nigra ssp. laricio fällt vor allem durch eine attraktive graue Rinde auf. Die Nadeln sind stumpfer und weniger steif (vgl. Bärtels 2014, 492).

Als bekannteste Art des Mittelmeerraums könnte Pinus pinea einen mediterranen Charakter in weite Straßenzüge bringen, wobei sie zur Zeit in Deutschland nicht frosthart ist.

Abies

Die betrachteten, breit kegelförmigen Arten der Gattung Abies (Abb. 06) besitzen oft ein sattes bis dunkles Nadelkleid. Die Nadeln bleiben auch hier über mehrere Jahre am Baum. Die teilweise stark harzenden Knospen haben einen charaktervollen Geruch, können aber den umliegenden Bereich stark verschmutzen. Besonders Sorten wie Abies pinsapo 'Kelleriis' mit schönen blaugrünen Nadeln können im Straßenraum besondere Akzente setzen (vgl. Bärtels 2014, 41-50).

Cupressus

Der Querschnitt in Abb. 7 zeigt die Sorte Cupressus sempervirens 'Stricta'. Der bis zu 20 Meter hohe, säulenförmige Baum (vgl. ebd., 258) legt sich perfekt in den Straßenraum ein.

Cedrus

Der vierte Straßenquerschnitt (Abb. 08) zeigt den Habitus einer Zeder. Die betrachteten Zedernarten und -sorten wachsen in jungen Jahren kegelförmig und erreichen erst im Alter ihre weit ausladende Krone. Die blaugrünen Nadeln der Zedern heben sich farblich stark von der Belaubung von herkömmlichen Straßenbäumen ab und schaffen Abwechslung. Die Nadeln der Sorten Cedrus atlantica 'Glauca' und Cedrus deodara 'Karl Fuchs' weisen eine besondere, graublaue Farbe auf. Die Krone von Cedrus libani var. stenocama hat eine schmalere und schlankere Krone als die Art selbst (vgl. ebd., 162-165). Insgesamt sollte bei der Gattung Cedrus bedacht werden, dass sie eine stattliche Größe im Alter erreichen können. Sie können daher nur in breiten Straßenzügen Verwendung finden.

Die raumbildende und identitätsstiftende Rolle von Straßenbäumen können Nadelgehölze das ganze Jahr über übernehmen. Die resultierenden Formen, Strukturen und Farben schaffen dabei neue Atmosphären, welche durch herkömmliche (Laub-)Straßenbäume nicht möglich wären. Bereits punktuell eingesetzte Nadelbäume können interessante Akzente setzen. Vor allem ist der grüne Aspekt im Winter anzumerken, wodurch einem grauen Straßenbild vorgebeugt werden kann.

Ausgehend von ihrem Habitus und ihren besonderen Merkmalen können submediterrane und mediterrane Nadelgehölze attraktive Bäume sein, die den Straßenraum bereichern. Vor allem die Arten Abies pinsapo 'Kelleriis', Cedrus atlantica 'Glauca', Cedrus deodara 'Karl Fuchs', Cedrus libani var. stenocama, Cupressus sempervirens 'Stricta', Pinus nigra spp. laricio und Pinus pinea besitzen dabei Eigenschaften, die sie für eine solche Verwendung spannend machen.

Fazit und Ausblick

Die große Vielfalt der Nadelgehölze bietet an, sie nicht grundsätzlich von der Verwendung im Straßenraum auszuschließen. Es konnte festgestellt werden, dass dabei einige Arten aus dem Mittelmeerraum durchaus schon in Berlin verwendet werden können. Betrachtet man die Auswirkungen des Klimawandels und die Prognose für die Zukunft, erweitert sich das verfügbare Sortiment noch einmal beträchtlich.

Durch ihre Erscheinung konnten die Arten Abies pinsapo 'Kelleriis', Cedrus atlantica 'Glauca', Cedrus deodara 'Karl Fuchs', Cedrus libani var. stenocama, Cupressus sempervirens 'Stricta', Pinus nigra ssp. laricio und Pinus pinea als besonders spannend für eine Verwendung im Straßenraum identifiziert werden. Dabei sind, wie in Tabelle 1 beschrieben, die Arten Abies pinsapo 'Kelleriis', Cedrus libani var. stenocama, Cedrus deodara 'Karl Fuchs', Cedrus atlantica 'Glauca' und Pinus nigra spp. laricio auch klimatisch als geeignet eingestuft.

Mit der Verschiebung des Berliner Klimas hin zu einer WHZ 8 könnten in Zukunft auch noch andere Arten in Betracht gezogen werden. Dazu gehören etwa Pinus pinea und Cupressus sempervirens 'Stricta', die durch ihre Eigenschaften eine Bereicherung für den Straßenraum wären, aktuell jedoch nicht ausreichend winterhart sind.

An Straßenbäume werden neben der klimatischen Eignung und ihrer Wirkung noch weiter Ansprüche gestellt. Sie benötigen einen gewissen Habitus, damit in Bezug auf das Lichtraumprofil und die generelle Straßenbreite eine Verkehrssicherheit gegeben bleibt. Auch die Salztoleranz und das Wurzelverhalten spielen eine wichtige Rolle.

Vor allem Zedern stellen hohe Bodenansprüche an ihren Standort und benötigen einen großen Wurzelraum und sind daher nur für breite Straßenräume geeignet. Die Rauchhärte und die Verträglichkeit gegenüber Bodenverdichtung sollten auch bei einer Verwendung der aufgezeigten Arten beachtet werden.

Die angeführten Untersuchungen zur klimatischen Eignung der Nadelgehölze sind nicht ausschließlich auf den Berliner Straßenraum anwendbar. Sie sind in anderen Städten nach den jeweiligen standörtlichen Bedingungen erneut zu prüfen. Außerdem lassen sich die Arten noch durch andere mediterrane Zonen der Erde erweitern, die neben dem Mittelmeerraum auch in Kalifornien, Australien, Südafrika und Chile zu finden sind.


Literaturverzeichnis

- Bärtels, A. (1997a): Farbatlas Mediterrane Pflanzen. Ulmer Verlag, Stuttgart.

- Bärtels, A. (1997b): Nadelgehölze für die Stadt. In: Gartenpraxis 08|1997, Eugen Ulmer KG, Stuttgart.

- Bärtels, A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze. Ulmer Verlag, o.O.

- Bergmann, J., Pompe, S., Ohlemüller, R., Freiberg, M., Klotz, S., Kühn, I. (2009): Klimaanaloge Regionen in Europa als Quelle neuer Artenpools für Deutschland - Test eines neuen methodischen Ansatzes. In: Korn, H., Schliep, R., Stadler, J. (2009): Biodiversität und Klima - Vernetzung der Akteure in Deutschland IV. BfN-Skripten, 246, 35-37, Bonn.

- Essl, F. & Rabitsch, W. (Hrsg.) (2013): Biodiversität und Klimawandel. Springer Spektrum, Berlin Heidelberg.

- Frey, W. & Lösch, R. (2010): Geobotanik - Pflanze und Vegetation in Raum und Zeit. Spektrum Verlag, Heidelberg.

- Kopf, S., Ha-Duong, M., Hallegatte, S. (2008): Using maps of city analogues to display and interpret climate change scenarios and their uncertainty. In: Natural Hazards and Earth System Sciences (NAT HAZARD EARTH SYS), European Geosciences Union.

- Maraun (2013). In: Essl, F. & Rabitsch, W. (Hrsg.) (2013): Biodiversität und Klimawandel. Springer Spektrum, Berlin Heidelberg.

- Rohat, G., Goyette, S., Flacke, J. (2017): Characterization of European cities' climate shift - an exploratory study based on climate analogues. In: International Journal of Climate Change Strategies and Management Vol. 10 No. 3|2018, Emerald Publishing Limited.

- Roloff, A. & Gillner, S. (2010): Die KlimaArtenMatrix für Stadtbaumarten (KLAM-Stadt). In: Stiftung Die Grüne Stadt (Hrsg.): Stadtklimatologie und Grün. Düsseldorf.

- Pietzarka, U. & Roloff, A. (2017): Verwendung von Nadelbäumen in der Stadt - zu wenige oder zu viele? In: ProBaum 04|2017, Patzer Verlag GmbH u. CO. KG., Berlin.

- Pompe, S., Berger, S., Bergmann, J., Badeck, F., Lübbert, J., Klotz, S., Rehse, A., Söhlke, G., Sattler, S., Walther, G., Kühn, I. (2011): Modellierung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Flora und Vegetation in Deutschland. BfN-Skripten, 304, 1-193, Bonn.

Autorin

Prof. Dr. Norbert Kühn
Autor

Technische Universität Berlin

Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung

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