Nach 37 Jahren in der Kulturstiftung DessauWörlitz in den Ruhestand

Gartendirektor Ludwig Trauzettel

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Historische Parks und Gärten
1 Ludwig Trauzettel auf der Gondel im Wörlitzer Park. Foto: Michael Rohde, August 2011

Ludwig Trauzettel ist im Januar 2017 von der Kulturstiftung DessauWörlitz höchst verdienstvoll in den Ruhestand verabschiedet worden. Seine Erfahrungen und sein Rat sind weiter gefragt, auf internationalen Kongressen wie auch in Gremien, Vereinen und Arbeitskreisen.

Das Gartenreich DessauWörlitz gehört seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO: Es ist ein "herausragendes Beispiel für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der Aufklärung in einer Landschaftsgestaltung, die Kunst, Erziehung und Wirtschaft harmonisch miteinander verbindet". Von 142 Quadratkilometer Fläche im Gartenreich betreute Trauzettel über 37 Jahre hindurch mehr als 210 Hektar intensiv gestaltete Gartenflächen. Neben den bedeutenden Wörlitzer Anlagen gehören Oranienbaum, Luisium, Schlossgarten Kühnau, Mosigkau und der Sieglitzer Berg dazu.

Die unter der Leitung von Trauzettel seit 1981 durchgeführten gartendenkmalpflegerischen Arbeiten im Gartenreich DessauWörlitz wurden 1997 mit dem Carlo Scarpa Preis der Benetton Stiftung (Treviso, Italien) ausgezeichnet.

Ludwig Trauzettel, Sohn von Hannelore und Helmut Trauzettel, Architekt und Professor der TU Dresden, gebürtig in Weimar, zog mit seiner Familie schon bald nach Dresden, um nach seiner Schulausbildung eine Lehre zum Baumschulgärtner zu absolvieren. Nach dem Studium der Landschaftsarchitektur an der TU Dresden folgten rund fünf Jahre praktische Projektierungen der städtischen Grünplanung als Abteilungsleiter in Stralsund.

Mit 30 Jahren wurde Ludwig Trauzettel Gartendirektor der damaligen "Staatlichen Schlösser und Gärten Wörlitz, Oranienbaum und Luisium". Diese Institution war aus der 1918 von Erbprinz Joachim Ernst von Anhalt-Dessau (1901-1947), Nachfahre des Gartenreichgründers Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817), außergewöhnlich gegründeten Stiftung hervorgegangen. Wie andere nach dem Ende der konstitutionellen Monarchie in Deutschland gegründeten Staatlichen Schlösserverwaltungen hat sie den Auftrag der Bewahrung, Forschung und Vermittlung.

Frühester Vorgänger Trauzettels war der Ostpreuße Hans Hallervorden (1872-1968), der als Gartendirektor von 1920 bis 1938 und 1946 bis 1948 erste Restaurierungsmaßnahmen durchführte und durch sein mutiges Eingreifen die Wörlitzer Synagoge vor der Zerstörung rettete.

Die Leitung der Gärten führte Kurt Lein (1911-2003) fort, zunächst als Gartentechniker, 1951 als Garteninspektor und von 1955 bis 1981 als Gartendirektor. Trauzettel war bereits seit Januar 1979 sein Mitarbeiter und leitete vom Juli 1981 bis zum Januar 2017 die Gärten des DessauWörlitzer Gartenreichs. Die Tätigkeiten Leins gewährleisteten zwar eine kontinuierliche Weiterarbeit, die allerdings auf eine dendrologische Ausrichtung der Gehölzartenauswahl in der Pflege der Gärten ausgerichtet war. Das führte letztlich zu einer Verunklärung der ursprünglichen Gartenräume der Entstehungszeit des 18. Jahrhunderts.

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Der freigestellte Sichtenfächer an der Goldenen Urne im September 1985 … Foto: Ludwig Trauzettel
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… und im Mai 1989 mit Blick auf die Synagoge und die St.-Petri-Kirche mit Bibelturm. Foto: Ludwig Trauzettel

Ludwig Trauzettel veränderte die Pflegestrategie, indem er bis 1983 eine "Denkmalpflegerische Rahmenzielstellung zur Erhaltung und Wiederherstellung des Denkmalensembles Wörlitz" erarbeitete. Dies geschah mit Hilfe des zuständigen und fachlich beratenden Landesinstitutes für Denkmalpflege in Halle. Unterstützt und gefördert wurde die Arbeit durch das 1975 - das Europäische "Jahr des Denkmalschutzes" - gegründete "Institut für Denkmalpflege" in Berlin, die Fachbehörde des Ministeriums für Kultur der DDR. Namentlich Hugo Namslauer (1922-1999), zu der Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter und Detlef Karg (geb. 1945), damals als Oberkonservator am Institut, standen Trauzettel zur Seite und bestätigten die vorgelegte Zielstellung.

Sie schrieb die "Wiederherstellung der ursprünglichen Raumdisposition mit den charakteristischen Sichtachsen, Raumgefügen, Einzelbildern und Gartenszenen" als denkmalpflegerische Aufgaben fest. Als Grundlage diente die Erforschung der Geschichte der Anlagen wie "Beschreibungen, Stiche, Pläne etc.". Es galt, Restaurierungsziele des künstlerischen Abschlusses um 1800 mit vielfältigen Maßnahmen zu definieren. Für die Wörlitzer Anlagen mussten jeweilige Entwicklungsabschnitte in den einzelnen Gartenteilen erarbeitet und mit späteren Ergänzungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert verglichen werden. Dieser Ansatz, unter anderem Restaurierungsziele nicht nur auf eine Zeitschicht des späten 18. Jahrhunderts zu beschränken, steht exemplarisch für die theoretische Methodik in der Gartendenkmalpflege, die sich seit den 1970er-Jahren in den Schlösser- und Fachverwaltungen der DDR vorbildlich für ganz Deutschland und Europa entwickelten.

Schon im Winter 1982-1983 begannen die ersten praktischen Umsetzungen. Nachpflanzungen in spezifischer Gehölzartenauswahl sollten möglichst der Entstehungszeit entsprechen. Willkürlich eingebrachte Pflanzungen aus späterer Zeit waren ersatzlos zu entfernen. So konnte schrittweise wieder ein annähernd authentisches Erscheinungsbild erlebbar und vermittelt werden. Die Restaurierungsarbeiten begannen in Schochs Garten der Wörlitzer Anlagen, später auch in den anderen Gärten der Kulturstiftung DessauWörlitz. Alle praktischen Maßnahmen der Gartenrestaurierung mussten - fachlich gut gerüstet, jedoch mit reduzierten Mitteln - damals mit den betriebseigenen Pflegekräften realisiert werden: . . . "zur technischen Ausstattung gehörten [. . . ] ein 20 Jahre alter Traktor, zwei ältere Kettensägen polnischer Herkunft und zwei Pferdegespanne. [. . . ] Die jährlich avisierten 180.000 Mark für 154Hektar Parklandschaft mit 71 Bauten und Gartenarchitekturen wurden niemals wirklich zur Verfügung gestellt", so Trauzettel. Er wurde für diese Arbeiten, insbesondere im Umgang mit Gehölzen, Pflanzungen und Freistellung ursprünglicher, räumlich sensibel gefasster Sichten, unter anderem durch Harri Günther (geb. 1928), Gartendirektor der damaligen "Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci" unterstützt. Günther erlernte den Gärtnerberuf in Dessau und befasste sich auch später noch vielfach publizistisch mit Hofgärtnern wie Eyserbeck, Neumark oder Schoch wie auch mit der Pflanzenverwendung oder schrieb über Pflegegrundsätze.

Schon 1982 wurde Trauzettel Mitbegründer und Leiter des Zentralen Fachausschusses "Denkmale der Garten- und Landschaftsgestaltung" der Gesellschaft für Denkmalpflege des Kulturbundes der DDR. Dies war ein Gesprächspodium aller gartendenkmalpflegerisch tätigen Mitarbeiter der Gartenverwaltungen und Landesinstitute für Denkmalpflege, unter dessen Dach sich ebenfalls die Arbeitskreise "Historische Friedhöfe" sowie der "Orangeriebetreuer" gründeten. Hier fand sich ein Podium für ihre gemeinsame praktische Arbeit. So wurden Tagungen, Fortbildungen und Publikationen ermöglicht und organisiert. Trauzettel selbst hat sein praktisches wie auch theoretisch fundiertes Wissen frühzeitig veröffentlicht, beispielsweise über "Belastungen für die Denkmalpflege durch den Tourismus" (1983), "Zur Bedeutung [. . . ] der zeitgenössischen Plandarstellungen" (1984), "Die Wörlitzer Anlagen und der Beginn ihrer Rekonstruktion" (1985, mit späteren Überarbeitungen) oder "Wegweiser durch die Wörlitzer Anlagen" (1986 als ersten Parkführer). 1986 organisierte Trauzettel eine Tagung zum 250. Geburtstag Friedrich Wilhelms Freiherr von Erdmannsdorff, dem bedeutendsten Vertreter des deutschen Frühklassizismus (Schloss Wörlitz) und Lehrer Karl Friedrich Schinkels. 1995 folgte das (1996 publizierte) internationale Symposion zu "Sir William Chambers und den Englisch-chinesischen Garten in Europa".

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Die Elbe-Aue am Venustempel in Wörlitz 2013 mit Hochwasser … Foto: Ludwig Trauzettel
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… und im Jahr 2014. Foto: Ludwig Trauzettel

Nach dem Fall der deutsch-deutschen Grenze sah sich Trauzettel mit Personalabbau konfrontiert: "1947 betreute ein Mitarbeiter der Gartenabteilung 1,47 Hektar, 1986 waren es 2,54 Hektar und 2003 hatte eine Arbeitskraft gar 5,78 Hektar zu betreuen!" Auch behördliche Zwänge des Naturschutzes, der Forstwirtschaft oder des Hochwasserschutzes hatte in Teilbereichen "durchaus die Vernichtung von bedeutenden kulturellen Werten und von gewachsener historischer Substanz" zur Folge. Ferner beklagte Trauzettel das veränderte "Verhältnis der Besucher zu Kulturwerten, deren Verständnis, die Achtung vor der gepflegten historischen Substanz und das Verhalten in den Parkanlagen. [. . . ] Ortsfremde Nutzung, Picknick, Radfahren, Graffiti oder gar Vandalismus". Auf der anderen Seite konnten durch die Förderungen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Projekte zur Reduzierung von Umweltbelastungen (Vockerode) durchgeführt werden. Durch hinreichend finanziellen Ausgleich konnten ferner drohende größere Schäden der Jahrhundert-Hochwasser an der Elbe 2002 und 2013 durch beispielgebende, präventive Schutzmaßnahmen an den historischen Deichen in Grenzen gehalten werden.

Ludwig Trauzettel hat die Richtung für die fachgerechte Fortführung der Bewahrung im Weltkulturerbe vorgezeichnet und manifestiert. Inzwischen ist Trauzettels Nachfolge mit Michael Keller in sehr gute Hände gelangt. Der gebürtige Leipziger bringt mit einer Gärtnerlehre, Studium der Landschaftsarchitektur (TU Dresden) wie auch mit gartendenkmalpflegerischen Arbeiten (u.a. Stadtpark Rotehorn Magdeburg) gute Voraussetzungen mit. Keller forscht im Übrigen seit längerer Zeit über das Wirken von Gottlieb Schoch (1853-1905), Nachfahre der berühmten Wörlitzer Gärtner und Gartendirektor in Magdeburg.

Wir wünschen Ludwig Trauzettel - auch im Namen der Fachgruppe Gärten der AG Deutscher Schlösserverwaltungen - alles Gute!

Prof. Dr. Michael Rohde
Autor

Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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