Kommentar

Ohne Gesundheit ist alles nichts

von

Prof. Dr.-Ing. Jörg-Ulrich Forner, Beuth Hochschule für Technik Berlin, FG Bautechnik, Bauabwicklung und Projektmanagement. Foto: Privat

Laut WHO (1946) bezeichnet "Gesundheit" den "Zustand von vollständig körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden", und ist damit nicht nur die "bloße Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen". Das neuere Salutogenese-Modell sieht in Gesundheit eher einen Prozess. Der Club of Rome (1968) und die Studie "Grenzen des Wachstums" (St. Gallen, 1974) erkannten die fünf großen Herausforderungen der globalisierten Welt: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung des Lebensraumes.

Umweltbedingte, aber menschgemachte Stressfaktoren werden zunehmen und nichtübertragbare Krankheitsbilder (stark auch im psychosozialen Bereich) vervielfachen. Das 21. Jahrhundert wird in den Industrienationen das Jahrhundert der Gesunderhaltung und -werdung sein. Das gegenwärtige bundesdeutsche Gesundheitssystem ist darauf momentan nicht valide eingestellt. Es findet aktuell ein Paradigmenwechsel vom "disease management" zum "health management" statt, von Pharma 1.0 zu Pharma 3.0, das heißt, akut-stationäre Vorrichtungen werden reduziert zugunsten von ambulanten bis häuslichen Angeboten, samt der Auslagerung von Präventivangeboten: Vorsorge statt Heilung.

Dabei stehen nachweislich ökosystemar wirkende Grüne Infrastruktur und gesellschaftliche Gesundheit in linear kausalem Zusammenhang. Multikodierte Freiraumangebote können die Entwicklung und Ausbildung gesellschaftlicher bis individueller health competence dauerhaft durch integrative Konzeptionierung von grüner und blauer sowie weißer Infrastruktur für gesellschaftliche Resilienz lebenswerter Städte unterstützen.

Noch besteht Zeit, sich darauf einzustellen, die Ausbildung zu adaptieren, den "Existent Body of Knowledge" zu kultivieren und die erforderlichen (planungs-)rechtlichen Grundlagen zu schaffen. Es gilt auch zu prüfen, wo sich Resilienz gegenüber Nachhaltigkeit durchsetzen soll. Es ist dabei vielleicht gar kein Zufall, dass es das "Vitamin G" nicht gibt. Die Landschaftsarchitektur kann diesen Mangel professionell durch nachhaltige Grün-Blau-Weiß-Konzepte decken. Prof. Dr. Jörg-Ulrich Forner

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 07/2019 .

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