Reflektionen zum Verhältnis Mensch-Natur in der Stadt

Post-Corona und Klimawandel

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Coronavirus Grünflächen
Abb. 1: Bäume als Kernelemente von Orten menschlicher Erholung in Städten. Das Bild zeigt eine aktive Baumverjüngung durch das Pflanzen von Jungbäumen. Foto: Dagmar Haase

Die seit fast zwei Jahren andauernde Corona-Pandemie hat zum grundsätzlichen Überdenken vieler Lebensbereiche in unseren westlichen demokratischen Wohlfahrtsgesellschaften geführt, so auch bezüglich des Mensch-Natur-Verhältnisses in der Stadt. Zum einen kommt das Virus mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Natur. Urbanisierung zwingt nichtmenschliche Lebensgemeinschaften in immer kleinere Räume und so finden gefährliche Viren keine Wirte und Zwischenwirte in diesem immer kleiner werdenden Lebensraum mehr und suchen die Nähe der Stadt. Zum anderen war urbane Natur einer der wichtigsten Fluchtpunkte in unseren europäischen Städten während der verschiedenen Shutdowns und Lockdowns in den letzten beiden Jahren.

Viele Stadtbewohner haben sich den täglichen Spaziergang mittlerweile zur Gewohnheit gemacht und die Wartelisten für eine Kleingartenscholle sind sehr lang. Gleichzeitig bleibt der Klimawandel, Hitze bis hin zur Dürre, ein treuer Begleiter unserer Stadtnatur völlig unabhängig vom pandemischen Geschehen oder einem Shutdown. Wie hat die Pandemie vor dem Hintergrund des Klimawandels das Mensch-Natur-Verhältnis in unseren Großstädten beeinflusst, ja gar verändert? Und welche Schlüsse kann oder muss man daraus ziehen für das Verhältnis Gesellschaft-Natur in der Stadt?

Dieser Beitrag will mit ein paar Reflektionen zum komplexen Gegenstand Stadtmensch-Natur-Pandemie-Klimawandel zum Nachdenken anregen.

Städtische Grünflächen

In erster Linie Wälder, urbane Parkanlagen, Gärten, Auen aber auch viele Einzelbäume entlang von Straßen sind Schlüsselelemente dessen, was wir unter Natur in Städten verstehen, und Teil dessen, was wir im planerischen Sinne als urbane grüne Infrastruktur definieren (Pauleit et al. 2019a und b). Insbesondere urbane Wälder, Stadtbäume und große Parkanlagen gehören zu Städten seit ihrer Entstehung, sie sind Teil des "grau-grünen Kontinuums" (Davis und Lafortezza 2017). Baumbestandene Grünflächen strukturieren den städtischen Raum, sie bieten Orientierung im dichten urbanen Umfeld und sorgen gleichzeitig für Ästhetik und Erholung (Haase 2021). Wälder und Parks gehören zu den persistenten Komponenten der grünen Infrastruktur in Städten; gerade die Starkbäume dort können ein beträchtliches Alter von bis zu 150 Jahren erreichen (Konijnendijk et al. 2006).

Wälder, Bäume in öffentlichen Parks oder Gärten, Alleen aber auch Friedhöfe erbringen eine Vielzahl von Ökosystemleistungen für den Menschen direkt auf der Grünfläche selbst aber auch in einiger Entfernung noch: Sie kühlen die Luft (Andersson et al. 2020), sie produzieren Sauerstoff (Weber et al. 2014), sie nehmen CO2 auf und speichern es (Richter et al. 2020). In Bezug auf nicht-menschliche Stadtbewohner beherbergen baumbestandene Grünflächen Tausende Insekten, Kleinsäuger und Vogelarten und sind somit Horte der Biodiversität (Haase et al. 2014, Wirth et al. 2021; siehe Abb. 1, welche eine typische baumgeprägte öffentliche Parklandschaft in der Stadt Leipzig zeigt).

Viele Studien zu Stadtwäldern und Stadtbäumen haben wichtige Einblicke in die biophysikalische Natur von Bäumen und Wäldern in Bezug auf Stoff- und Energieflüsse geliefert (Konijnendijk 2003). Die Beschattungs- und Abkühlungseffekte bei hohen Tages- und Nachttemperaturen in Städten wurden anhand von Fernerkundungsdaten und Messdaten für aktuelle Hitzewellen (Kabisch et al. 2021), aber auch für langfristige Nachbarschaftseffekte aufgezeigt (Andersson et al., 2020; Wu et al., 2021).

Selbst die öffentliche Gesundheitspolitik in Städten stützt sich auf städtische Wälder und Bäume, wenn es darum geht, Strategien gegen sommerliche Hitzewellen und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, vor allem das Herz-Kreislauf-System, zu entwickeln (Kabisch et al., 2017 und 2021). Bäume werden zudem mehr und mehr als Mediatoren von psychischen Gesundheitsproblemen und als Elemente natürlicher Therapien eingesetzt, um urbanen Stress auszugleichen und leichte Formen von Depressionen zu dämpfen (Adli et al. 2017).

Stadtplanung stützt sich auf Wälder und Stadtbäume

Auch die Stadtplanung stützt sich bei der Planung von nachhaltigeren und vor allem klimaanpassungsfähigeren Städten auf Wälder und Stadtbäume (Gill et al. 2007, Pauleit et al. 2018a). Aber nicht erst seit der Zunahme von Hitzewellen sind Bäume ein wichtiges Werkzeug der Stadtplanung und des architektonischen Designs in der Stadt (Konijnendijk 1999): Bäume sind zentrale Elemente im 3D-Erscheinungsbild unserer Städte, also nicht nur in Naturlandschaften, in denen sie natürlicherweise wachsen. Bäume prägen das Bild unserer Städte weltweit. Gleichzeitig teilen Bäume in vielen Städten Europas das Schicksal, im besten Alter abgeholzt und durch Gebäude oder Straßen ersetzt zu werden oder unter dürftigen Bedingungen wie gering mächtigen Böden, menschlichem Vandalismus oder Schädlingen zu leiden (Hilbert et al. 2019).

Covid-Pandemie

Während der COVID-19-Pandemie stießen städtische Wälder und Bäume auf bis dahin noch nicht gekanntes Interesse, da die Menschen in Europa auf ihre Wohnungen beschränkt waren und der Weg nach draußen, sei es in ihre Nachbarschaft oder in einen nahegelegenen Park für viele der einzige Zufluchtsort an frischer Luft war und gleichzeitig ein Ort, wo man anderen Menschen auf Distanz begegnen konnte, um totaler Isolation vorzubeugen (Haase 2021, da Schio et al. 2020 und 2021).

Von Stadtbewohnern quer durch Europa wurde festgestellt, dass Grünflächen für Stadtbürger aller Altersgruppen im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie deutlich wichtiger und attraktiver wurden (Barton et al. 2020). Während der verschiedenen Pandemiephasen seit Frühjahr 2020 hat die Bedeutung von Stadtwäldern und Stadtbäumen für das Leben der Menschen in Städten ganz allgemein zugenommen (Ugolini et al. 2021).

Die Studie von Ugolini et al. (2021) erklärt zugleich, dass das Fehlen täglicher Outdoor-Aktivitäten während des sehr strengen Lockdowns in Italien ein wesentlicher Grund gewesen ist, ". . . die Bedeutung von Grünflächen für geselliges Beisammensein, Sport und Naturbeobachtung zu stärken". Grüne Klassenzimmer im Freien erlangten in Pandemiezeiten als ergänzende "sichere Räume" im Vergleich zu den aerosolgefährdeten Innenbereichen der Schulen und anderer öffentlicher Bereiche große Aufmerksamkeit (https://www.greenschoolyards.org/covid19-media-library).

Eine europaweite Studie konnte zeigen, dass der Kontakt mit Natur die negativen Auswirkungen von Shutdown/Lockdown-Bedingungen auf die psychische Gesundheit "puffert" und ausbalancieren kann (Pouso et al. 2021). Gleichzeitig könnten Shutdowns und Lockdowns eingeleitet haben, was Nathan und Overman (2020) als "eine Großstadtflucht" bezeichnen, da innerstädtische Büroflächen weitgehend aufgegeben wurden und die vollständige Rückkehr aller Büroangestellten unwahrscheinlich ist. Die Gründe liegen in der Kosteneffizienz und der Flexibilität der Arbeit im Homeoffice.

Beide Studien geben zumindest Anlass zu Spekulationen darüber, ob städtische Grünflächen, einschließlich der Stadtwälder und der Stadtbäume, als wichtige naturbasierte Lösungen im Hinblick auf eine neue, post-pandemische städtische Masterplanung zur Aufwertung oder Neugestaltung von Teilen unserer (Innen-)Städte angesehen werden sollten und in den Zentren ähnlich hoch frequent auftreten werden wie bisher Bürogebäude.


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Rolle der Biodiversität

Die Rolle der Biodiversität. Zu Beginn dieses Artikels wurden Stadtwälder und Stadtbäume als Hort der Biodiversität bezeichnet. Dieses Argument, das die Multifuktionalität der Natur in Städten aufzeigt, ist durchaus ambivalent bezüglich der räumlichen Nähe zwischen Mensch und waldreicher Natur in Städten. Einerseits sind Bäume der Schlüssel für das menschliche Wohlbefinden und die Interaktion mit der Natur in Städten (Pauleit et al. 2019a, b). Andererseits brauchen auch alle nichtmenschlichen Arten in städtischen Ökosystemen ungestörte Räume, um zu überleben und um komplexe Nahrungsketten bilden zu können (Grimm et al. 2000).

Die jüngste COVID-19-Pandemie hat ihren Ursprung in einer Region in Zentralchina, in der die rasche Urbanisierung zu einer dramatischen Verringerung ungestörter Naturräume sowie zu einem allgemeinen Artenverlust in den verbleibenden Ökosystemen führte (Wu et al. 2017). Menschen und Viren kamen sich näher, und es standen weniger tierische Wirtsorganismen zur Verfügung, worin schlussendlich die Ursache für Viruserkrankungen in Stadtnähe oder innerhalb von Städten bei Kontakt mit Wildnis liegt, nicht nur im Falle von SARS-COV-2, sondern beispielsweise auch von Ebola in Westafrika.

Neben der Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen wird leider auch diese Art von Mensch-Natur-Interaktion heute durch unsere Städte und ihre urbanisierte Umgebung induziert. Darüber hinaus ermöglicht der Klimawandel, insbesondere heißere Sommer und wärmere Winter, eine verstärkte Migration von Vektorträgern aus tropischen in nichttropische Regionen und umgekehrt (Wu et al., 2017). Für damit verbundene Sprünge von zoonotischen Wirten auf den Menschen und die Ausbreitung entsprechender Pandemien sind Städte anfälliger, in denen Mensch und Natur nahe beieinander leben und welche oft von einer periurbanen Natur umgeben sind, deren Biodiversität entweder ausgerottet wurde oder sich in einem schlechten Zustand befindet (Mackenstedt et al., 2015).

Alles scheinbar sehr paradox: Welche Schlüsse lassen sich ziehen?

Im Folgenden reflektiert dieser Beitrag nicht nur die direkten Folgen der Corona-Pandemie und des Klimawandels für das Mensch-Natur-Verhältnis in Städten. Vielmehr bietet er Denkalternativen für die oben beschriebenen scheinbaren Paradoxien an: Eine einfach Antwort auf die oben genannten Frage wie die Pandemie das Mensch-Natur-Verhältnis verändert hat und welche Rolle der Klimawandel dazu noch für unsere Stadtwälder und -bäume hat, gibt es nicht. Aber man kann komplementäre Denkansätze entwickeln, welche am Ende alle zu Denkalternativen beitragen und damit dann Idee für die Stadtnatur von morgen sind: Im Folgenden geht es um die Triade von Hybridität, Sukzession und Flexibilität.

Hybridität

Um beides, Mensch-Natur-Interaktionen und ungestörte Räume für Ökosysteme in der Stadt zu ermöglichen, sind in postpandemischen Zeiten hybride Konzepte (White et al. 2016) erforderlich. Städte müssen in Räume verwandelt werden, in denen die StadtbewohnerInnen und Natur nah beieinander, aber auch "über Distanz verbunden" sind. Das heißt, wir brauchen einerseits eine gestaltete urbane grüne Infrastruktur, in der Menschen Erholung, Glück und körperliche Aktivität erleben können (Rall et al. 2017 für Berlin und Fischer et al. 2018 für europäische Städte). Andererseits müssen wir auch ausreichend große Bereiche unberührter Sukzessionsräume zur Verfügung stellen, in denen Floren und Faunen ungestörte Lebens- und Reproduktionsräume vorfinden. Dort können sie gefährliche Vektoren einfangen und damit das Krankheitsrisiko durch Zoonosen senken (Keesing et al. 2008). Das heißt also, wir brauchen in unseren zukünftigen Städten ein Miteinander von grüner Infrastruktur und urbaner Natur, vor allem auch urbane Wälder, aber nicht alles am selben Ort.

Sukzession

Städte der Zukunft brauchen Räume wie unbewirtschaftete und unbebaute Brachflächen, in denen urbane sukzessive Wildnis entstehen und wachsen kann. Hier kann die Stadtnatur experimentieren, eine ortsspezifische Vielfalt entwickeln (Baldock et al. 2019) und "lernen", sich an die Bedingungen anzupassen, die Städte bieten und denen Stadtnatur schlicht ausgesetzt ist: teilweise karge Böden, schwermetallangereicherte aber oft nährstoffreiche Standorte, gepaart mit Hitzewellen und extremen Phasen von Trockenheit sowie einer Fragmentierung von Habitaten (McDonald et al. 2019). Verschiedene Floren entstehen auf Brachflächen, darunter auch Bäume, sie wachsen sukzessiv weiter, Tiere nutzen diese Habitate und so bilden sich spezifische Nischen für Biozönosen in und um Städte: neuartige Ökosysteme (Collier 2015, Hobbs et al. 2006).

Diese Nischen unterscheiden sich von Offenlandökosystemen, da sie widerstandsfähiger gegenüber "städtischen Einflüssen" sind, einschließlich Abweichungen und Extreme der biophysikalischen Bedingungen in Städten (Abb. 7 zeigt ein Beispiel für spontanes Birken- und Robinienwachstum in einer Periode von Oberboden- und Unterbodentrockenheit während Abb. 4 und 5 das Absterben alter und neu gepflanzter Parkbäume, Kastanien, zeigen). Aber eine sukzessive Entwicklung braucht Zeit. Die Akzeptanz solcher spezifischer "Wildnisräume" (Boivin et al. 2016) bedeutet, unser Verständnis von dem, was wir gemeinhin "naturbasierte Lösungen" nennen, zu verschieben in Richtung "welche Lösung (Antwort) die Natur bieten würde" (Ignatieva et al. 2020). Urbane Wildnis kann Vektorsprünge auf den Menschen aktiv verhindern, da genügend nicht-menschliche (Zwischen-)Wirte zur Verfügung stehen.

Flexibilität für aktives Unterlassen

Diese Akzeptanz von Wildnis in Städten erfordert allerdings aus Sicht des Stadtwaldmanagements und der Stadtplanung das aktive Unterlassen aller Pflegemaßnahmen als auch deren komplette Wiederbebauung. Einzelne Stadtbewohner werden die Flächen besuchen und zum Beispiel dort abhängen (Püffel et al. 2016; Draus et al. 2020), aber wenige. Die Ermöglichung von Wildnis in Städten, wie oben vorgeschlagen, erfordert eine Änderung oder besser eine Erweiterung der vorherrschenden Denkmuster in Stadtplanung und im Flächenmanagement. Die Planung muss das "Unterlassen" als gleichwertiges Werkzeug zu Co-Design, Co-Entwicklung und "Co-Creation" aktiv einbeziehen (Jagt et al. 2018). Flexibles Unterlassen verwandelt Freiräume in ein Mosaik aus klassischem urbanem Grün-Infrastrukturdesign und Wildnis und ermöglicht als eine Art "Natur-Gesellschafts-basierte Lösung" (NSBS) eine Antwort auf urbane Herausforderungen wie vektorgetriebene Pandemien und den Klimawandel.

"Natur-Gesellschafts-basierten Lösungen (NSBS)"

Wie lässt sich nun die Idee der "Natur-Gesellschafts-basierten Lösungen (NSBS)" auf urbane Wälder und baumgeprägte Grünflächen sowie Straßenbäume anwenden, was der Ausgangspunkt dieser Post-Corona-Reflektion war?

In unseren Städten des 21. Jahrhunderts in Zeiten des Klimawandels brauchen wir sowohl baumbestandene Parks als auch Wälder und Straßenbäume. Wir brauchen Grenzbiotope und Säume zwischen Wäldern und Wohngebieten. Und wir brauchen Sukzessionsbrachen. Und wir brauchen ein urban canopy mit einer hohen Konnektivität (Andersson et al. 2020).

Wir brauchen Aufklärungsarbeit, um Wissen und Argumente darüber zu verbreiten, was beide Arten von urbanen Wald, Stadtwald und Sukzessionswald auf Brachen, bedeuten und wofür sie gut sind, in Bezug auf Situationen wie eine Pandemie und auf den Klimawandel. In Bezug auf letzteren müssen wir das Baumwachstum auf Brachflächen untersuchen, um die potenzielle Entwicklung der Natur unter Bedingungen von Hitze und Trockenheit zu verstehen. Und um zu beobachten, welche Zeiträume für einen adaptiven Wandel berücksichtigt werden müssen.

Letzteres könnte dazu beitragen, die Landschaftsplanung in Städten ein Stück weit zu "revolutionieren", in dem man viel mehr ungestörte Natur komplementär zur gestalteten Natur aktiv zugelassen würde und somit verschiedene Fluchtpunkte für Stadtbürger und Tiere in Zeiten generieren. Dazu brauchen wir Landschaftsplaner, Stadtförster und Investoren, die urbane Wälder und Bäume als 3D-Systeme äquivalent zur Gebäudearchitektur begreifen (Baldock et al. 2019). Das Ermöglichen von aktivem Unterlassen schließt ausdrücklich die Variable "Zeit" als einen grundlegenden Bestandteil jeder Natur-Gesellschafts-basierten Lösung ein.

Last but not least: Neue Konzepte brauchen neue Methoden. Um die Auswirkungen einer solchen kombinierten aktiven Gestaltung und handlungsfreien "Planung" der Natur in Städten besser zu verstehen, müssen wir in ein besseres biophysikalisches und interpretatives Monitoring investieren, um Erkenntnisse über die Wirksamkeit beider Ansätze zu gewinnen. Trait-Ökologie (Andersson et al., 2021) kann für die Natur/Wildnis-Komponente, das Assemblage-Denken (Ghoddousi und Page 2020) sowie die Akteur-Netzwerk-Theorie (Müller und Schurr 2015) für den Planungsteil angewendet werden, da diese Ansätze als vielversprechend angesehen werden.

Ergebnis

Zusammenfassend kann man vielleicht sagen, dass das neue Mensch-Natur-Verhältnis in der Stadt um das Co-habitational Distancing erweitert werden sollte. Mensch und Natur sollten sich auf eine neue Art der Distanz des Zusammenlebens einlassen, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Während der Pandemie haben wir gelernt, was Social Distancing bedeutet: Abstand halten, um die anderen zu schützen. Das war eine durchaus erfolgreiche Strategie, aber wir haben diese Strategie ausschließlich auf die menschliche Gesellschaft übertragen.

Der Idee One Health folgend, sollten wir die Idee der Distanzierung auf alle Lebewesen in unseren Städten ausweiten. Dies würde dazu beitragen, urbane Ökosysteme zu erhalten und ihre Gesundheit zu schützen, und damit auch unsere. Co-habitational Distancing bedeutet, Land für den gemeinsamen Bedarf zwischen Mensch und Natur zu teilen sowie anderes Land für individuelle Interessen und Bedürfnisse freizugeben.

In anderen Worten bedeutet das, Rechte nicht nur für Städter, sondern auch für die Natur zu garantieren. Die Pandemie hat die Doppelmoral deutlich gemacht, die wir in Bezug auf Mensch (Gesellschaften) und Natur (Ökosysteme) haben, in dem wir die Natur einseitig verbrauchen und "zurechtdesignen". Das bedeutet nicht zuletzt Zeit und Mühe zu investieren, um die Rechte der Natur nicht nur mittels der Einrichtung von Reservaten und Nationalparks, sondern auch im täglichen Zusammenleben in unseren Städten zu wahren.

Danksagung

Die Autorin möchte sich für die Unterstützung ihrer Arbeit bei folgenden internationalen und nationalen Projekten bedanken: ENABLE (2015-2016 BiodivERsA COFUND unter Projektträger DLR), CLEARING HOUSE (Grant Agreement n° 821242), Green City Lab Hue (FKZ 01LE1910A1), und Faktencheck Biodiversität (FEdA).


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Prof. Dr. Dagmar Haase
Autorin

Humboldt Universität zu Berlin

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