Umfrage zur nachhaltigen Sportfreianlagenplanung

Nachhaltigkeit ja - Mehrkosten nein

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Freizeitanlagen
Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten machen Sportfreianlagen nachhaltiger. Foto: Thieme-Hack

Aktuell ist eine Diversifizierung im Bereich des Sports - weg von traditionellen Sportangeboten hin zum Trendsport - zu beobachten. Die Ansprüche an Sportfreianlagen und deren Ausstattung werden von immer neuen kurzlebigen Sporttrends und sich verändernden Nutzergruppen formuliert. Dies führt dazu, dass der Bestand an Sportfreianlagen in Deutschland teilweise nicht mehr zu den Bedürfnissen der Nutzer passt (vgl. Neuerburg et al. 2010, S. 8). Dennoch werden regelkonforme Anlagen weiterhin benötigt (vgl. Ott 2009, S. 5-14). Zudem ist dieser stark sanierungsbedürftig (vgl. Neuerburg et al. 2010, S. 5). Auch die Fachliteratur zum Thema Sportstättenentwicklung macht deutlich, dass den sich stetig ändernden Ansprüche durch nachhaltige Sportfreianlagen begegnet werden muss, in die neben ökologischen Bauweisen auch ein ökonomisch nachhaltigeres Management sowie soziale Aspekte Eingang finden müssen (vgl. Neuerburg et al. 2010, S. 6,7; vgl. Ott 2009, S. 5-14).Im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Hochschule Osnabrück ist überprüft worden, ob Maßnahmen zur nachhaltigen Sportfreianlage die Anforderungen der Nutzer aufnehmen können und bei welchen Themen es eine Akzeptanz gibt.

Akzeptanz für nachhaltige Sportfreianlagen

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Die Grundlage für die Maßnahmen einer nachhaltigen Sportfreianlage bilden insbesondere die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Nachhaltigkeit von Sportanlagen im Freien", welches an der Hochschule Osnabrück zusammen mit einem Begleiterkreis erarbeitet wurde. Das Bewertungssystem nachhaltige Sportfreianlage entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes gefördert mit Mitteln der Forschungsinitiative Zukunft Bau des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Aktenzeichen: SWD-10.08.18.7-14.28). Das Forschungsprojekt ist in die Systematik des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundes eingegliedert. Es werden in 35 Kriterien-Steckbriefen sechs Qualitäten: Ökologie, Ökonomie, Sozial-funktionales, Technik, Prozess und Standort beschrieben.

Doch wie lassen sich Qualität und Umsetzung nachhaltiger Konzepte bei Sportfreianlagen kontrollieren und bewerten? In der Vergangenheit wurden lediglich Sportgroßveranstaltungen bezüglich ihrer Nachhaltigkeit bewertet und zertifiziert (vgl. Essig 2010). Als Beispiel sei hier Olympia 2012 in London genannt. Die Messung von Nachhaltigkeit bei Sportfreianlagen ist bisher mangels Methode und Zertifikat nicht möglich. Eine Möglichkeit der Bewertung ist eine Zertifizierung für nachhaltige Sportfreianlagen, ähnlich der Art wie sie bei Gebäuden Anwendung stattfindet. In Anlehnung an das Bewertungssystem für Außenanlagen des Bundes (BNB Außenanlagen) wurde an der Hochschule Osnabrück eine Systematik zur Bewertung von Sportfreianlagen entwickelt, (s. a. Katthage, Thieme-Hack 2017, Stadt+Grün, 05/2017, S. 36ff).

Aus der Bearbeitung des Projektes entstanden die Fragen rund um die Nutzerakzeptanz eines Bewertungssystems zur nachhaltigen Sportfreianlage.

  • Wie hoch ist die Akzeptanz für ein Zertifikat für nachhaltige Sportfreianlagen und sind die Vereine bereit für eine Zertifizierung zu zahlen?
  • Welche Indikatoren sind aus Sicht der Vereine praktikabel, schaffen eine gute Vergleichbarkeit und sind für eine Bewertung akzeptabel?
  • Mit welchen Aspekten und Indikatoren für Nachhaltigkeit würde ein Zertifikat leicht Zustimmung bei den Vereinen sammeln können und aus welchen würden Schwierigkeiten erwachsen?
  • Ebenso stellt sich die Frage, ob die Vereine bereit sind für eine nachhaltige Anlage Mehrkosten zu akzeptieren oder Nutzungseinschränkungen zu dulden.

Abschließend ist die Frage nach den unterschiedlichen Wahrnehmungen eines Nachhaltigkeits-Bewertungssystems und einzelner Maßnahmen dieses Systems in Abhängigkeit von Vereinsgröße und Sportart zu untersuchen.

Allein durch die Vereinsgröße ergeben sich viele Unterschiede - von kleinen Vereinen mit wenigen Mitgliedern bis hin zum Großverein mit mehreren Abteilungen. Es bleibt zu klären, ob dies zu unterschiedlichen Wahrnehmungen von Nachhaltigkeit oder einzelner Maßnahmen führt.

Mit Hilfe des Württembergischen Landessportbundes sowie dem Landessportbund Niedersachsen wurde eine Umfrage bei den Vereinen durchgeführt. Als Zielgruppe wurden Vorstände von Sportvereinen festgelegt, deren Trainingsschwerpunkt auf Sportfreianlagen liegt.

Im Folgenden sind die Ergebnisse der Umfrage dargestellt. Zur besseren Vergleichbarkeit der Akzeptanz, wurden die Antwortmöglichkeiten nach Schulnoten von eins bis vier eingeteilt.

Grundhaltung der Vereine/Nutzer

Etwa zwei Drittel der Vereine (68 %) begrüßen die Einführung eines Zertifikats für nachhaltige Sportfreianlagen. Die Vereine sehen die Vorteile einer nachhaltigen Sportfreianlage vor allem in einer Imageverbesserung. Ein gesteigerter ökologischer Mehrwert, Kosteneinsparungen und bewusstere Entscheidungen sind weitere genannte Vorteile in den Umfrageergebnissen. Große Vereine mit mehr als 1000 Mitgliedern erwarteten von einer nachhaltigen Sportfreianlage eine bessere Planung, Kosteneinsparungen und bewusstere Entscheidungen.

Die Kosten für eine Zertifizierung sind von den Vereinen aufgrund der eigenen Haushaltslage kritisch bewertet worden. Etwa zwei Drittel wünschen sich ein kostenloses Zertifikat. Ein Fünftel akzeptiert Kosten von 100 Euro. Vor allem Vereine, die keine Mehrkosten für eine nachhaltige Anlage akzeptieren, sprechen sich für ein kostenloses Zertifikat aus. Bei Vereinen die Mehrkosten akzeptieren, ist ein Drittel bereit, 100 Euro für ein Zertifikat auszugeben.

Indikatoren für Akzeptanz

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich einige Maßnahmen und Indikatoren, die besonders hohe Akzeptanz aufwiesen oder auf starke Ablehnung gestoßen sind. Sollten Biotope, Vermeidung von Raumaufhellung und die Öffnung der Sportfreianlagen zu jeder Zeit integrale Bestandteile einer Zertifizierung sein, so wird dessen Akzeptanz mit Blick auf die Angaben der befragten Vereine schwierig. Gleiches gilt für alle Maßnahmen rund um Großspielfelder. Diese haben fast ausschließlich Vereine mit Fußballabteilung beantwortet, jedoch sind deren Angaben eher ablehnend.

Indikatoren mit hoher Akzeptanz sind: Mitwirkung bei der Planung, Spielangebote, Eigenleistungen bei Pflege und Instandhaltung sowie Bewegungsmelder zur Steuerung der Wegebeleuchtung. Zusätzlich ließen sich innerhalb der Umfrage noch drei Gruppen mit differenzierten Ansprüchen identifizieren. Diese Gruppen resultieren aus den unterschiedlichen Vereinsgrößen, die zu deutlichen Unterschieden in der Akzepanz der vorgeschlagenen Maßnahmen führen:

In der Gruppe von Vereinen mit über 1000 Mitgliedern konnten neben den in der Tabelle 1 dargestellten Indikatoren noch weitere Faktoren identifiziert werden. Die Erwartungen an eine nachhaltige Sportfreianlage liegen bei bewussteren Entscheidungen in Planung und Bau sowie Kosteneinsparungen. Zudem wurde in dieser Gruppe die räumliche Trennung von Angeboten für den Sportverein und den Individualsport deutlich besser akzeptiert als in den anderen Gruppen.

Auswirkungen auf das Zertifikat

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Mehrzahl der Vereine einem Zertifikat positiv gegenübersteht. Hierfür sind je nach Vereinsgröße unterschiedliche Motive ausschlaggebend. Jedoch sinkt die Akzeptanz mit den Kosten für eine Zertifizierung. Bei Kosten über 100 Euro nimmt sie deutlich ab. Dies scheint vor allem darauf zurückzuführen zu sein, dass eine kostenlose Zertifizierung für die Vereine ein verhältnismäßig geringer Aufwand mit vielversprechenden Möglichkeiten ist. Hier geben die Vereine beispielsweise eine Imageverbesserung, Mitgliederzuwachs und in Zukunft mögliche Fördermöglichkeiten. Sollten künftige finanzielle Förderungen an eine Zertifizierung der Anlagen gekoppelt sein, so wird sich die Ansicht der Vereine in Bezug auf die Kosten eines Zertifikats sicherlich ändern.

Zudem ist Aufklärungsarbeit erforderlich, um den Vereinen bewusst zu machen, dass nachhaltige Sportfreianlagen nicht nur durch bauliche Veränderungen zu schaffen sind, sondern dies lediglich ein Teilaspekt ist. Falls die Förderung in Zukunft an ein Zertifikat geknüpft wird, so muss hier auch eine entsprechende Förderungspraxis eingeführt werden, um kleinen Vereinen die nötigen baulichen Veränderungen zu ermöglichen, oder es muss über Sonderregelungen in der Bewertung nachgedacht werden. Vor allem sollte die Sorge kleinerer Vereine, durch die Zertifizierung eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu erzeugen, Beachtung finden.

Ökologische Aspekte

Die direkte Umsetzung der ökologischen Aspekte in vorgeschlagene Maßnahmen zur erweiterten Nutzung der Sportfreianlage wurde von den Umfrageteilnehmern nur zum Teil positiv bewertet. Hier ist die gleiche Tendenz zu erkennen, die bei den Kosten für ein Zertifikat zu beobachten war. Solange die Maßnahmen vage formuliert sind, finden sie in den meisten Fällen deutliche Zustimmung - vergleichsweise die generelle Zustimmung zu einem Zertifikat oder Erwartung eines ökologischen Mehrwerts - sobald diese vagen Maßnahmen aber in konkrete Nutzungseinschränkungen oder erhöhte Kosten münden, sinkt die Zustimmung deutlich. Dies ist beispielsweise bei den Kosten für eine Zertifizierung bei 300 Euro erreicht sowie bei den ökologischen Fragen bei der Aufgabe bestimmter Bereiche zugunsten eines Biotops oder vermehrter Baumpflanzung. Dies bedeutet, dass Maßnahmen zu generieren sind, so dass die Akzeptanz und Attraktivität von ökologischen Punkten steigt.

Spiel- und Trainingsflächen

Die Betrachtung der Spiel- und Trainingsflächen bezieht sich in der Hauptsache auf Großspielfelder und Trainingsplätze aus Natur- und Kunststoffrasen.
Spielkomfort und eine möglichst hohe Unabhängigkeit der Plätze von der Witterung zeigen sich als zentrale Einflussfaktoren. Kann hier eine nachhaltigere Lösung als die der bestehenden Kunststoffrasenplätze gefunden werden, wird diese sich in diesem speziellen Bereich mit diesen beiden Einflussfaktoren messen müssen. Regelkonforme Anlagen werden vor allem im Fußball ihre Bedeutung behalten, sie werden allerdings durch regelfreie Anlagen ergänzt werden. Kleinspielfelder zur Ergänzung und zur Schaffung zusätzlicher Trainingskapazitäten können hier eine Möglichkeit sein. Kempkes (2015) bestätigt, dass Fußballspieler die Ergänzung um Fitnessangebote positiv finden.

Zugänglichkeit der Sportfreianlagen

Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass es weiterhin Zugangsbeschränkungen geben wird, diese erscheinen in vielen Bereichen durchaus sinnvoll. Bei vom Vereinssport schwach frequentierten Sportfreianlagen ist eine Öffnung für die Öffentlichkeit und somit die Erhöhung der Auslastung für einen ökonomisch sinnvollen Betrieb notwendig. Aus den Umfrageergebnissen lässt sich schließen, dass die Vereine generell bereit sind, ihre Flächen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Hierfür müssen sicherlich noch Detaillösungen erdacht werden, doch die grundsätzliche Bereitschaft scheint vorhanden zu sein.

Nutzergruppen

Viele Vereine haben mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen, dies wird zum einen durch die Anmerkungen der Vereine in der Umfrage klar, aber auch durch die Antworten auf die Frage nach erwarteten Vorteilen einer nachhaltigen Sportfreianlage.

Aufgrund der leeren Kassen und rückläufiger Mitgliederzahlen ist bei den Vereinen ein Umdenken erforderlich und teilweise bereits im Gange, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Ein weiteres Problem für die Sportvereine stellt die starke Nachfrage von Hallenzeiten dar. Durch eine Erweiterung des Nutzerkreises wird es zu einer weiteren Verknappung kommen. So verschärfen neue Nutzergruppen die bereits bestehenden Probleme der Vereine auf der einen Seite. Auf der anderen Seite bieten zusätzliche Mitglieder den Vereinen die Möglichkeit, auf die leeren Kassen und sinkenden Mitgliederzahlen zu reagieren. Es wird darauf ankommen, wie die Vereine auf die Veränderungen reagieren. Überdachte Sportfreianlagen (Ott 2010), können hier einen zusätzlichen Witterungsschutz bieten. Eine grundsätzliche Akzeptanz von Fußballspielern für überdachte Sportfreianlagen fand (Kempkes 2015) heraus.

Ausstattung und Anlagenkomfort

Analog zur Entwicklung bei den Nutzergruppen hat sich die Vielfalt der Sportfreianlagen deutlich erweitert. Im gleichen Zuge haben sich neue Bedarfe und Ansprüche an die Ausstattung und den Komfort der Sportfreianlagen entwickelt. Auch die befragten Vereine scheinen sich der sich ändernden Ansprüchen bewusst zu sein und zeigen eine hohe Akzeptanz für Maßnahmen zur Erweiterung der Funktionsvielfalt und damit einer Steigerung der Attraktivität ihrer Anlagen.

Größe, Gliederung und Verteilung der Sportfreianlagen

Die Akzeptanz für zusätzliche Angebote auf den Anlagen und deren erweiterte Nutzung ist hoch. Die befragten Sportvereine sind bereit, ihre Flächen durch modulare Ergänzungen einer breiteren Nutzung zu öffnen. Diese Maßnahmen sind auf relativ kleinem Raum umzusetzen, sodass keine großen zusätzlichen Flächen erschlossen werden müssen. In den meisten Fällen werden die zusätzlichen Angebote auf Ergänzungsflächen installiert werden. Aus diesem Grund werden sich bei der Größe der Sportfreianlagen kaum Änderungen ergeben. Die Gliederung der Sportfreianlagen wird sich zugunsten modularer kleinräumiger Ergänzungen zu bestehenden Spielfelder ändern.

Planung

Der von Neuerburg und Wetterich geforderte vermehrte Einsatz kooperativer Planungsmodelle wird von den Vereinen positiv aufgenommen (Neuerburg et al. 2010, S. 63; Wetterich et al. 2009, S. 289).Durch kooperative Planungsansätze können für den jeweiligen Verein optimierte Anlagen geschaffen werden. Wissen und Ortskenntnis der Vereine können so in kommende Anlagen mit einfließen. In der Umfrage gaben 93 Prozent an, bei der Planung mitwirken zu wollen. Dieser hohe Wert der Zustimmung lässt klar darauf schließen, dass von Seiten der Vereine kooperative Planungsansätze in Zukunft deutlich öfter gefordert und genutzt werden.

Die von Ott geforderte breitere Vielfalt an Bauformen und Sportanlagentypen wird sich als Folge der vermehrten kooperativen Planung mehr oder weniger von selbst einstellen(Ott 2009, S. 14). Da jeder Verein individuelle Ansprüche an seine Sportfreianlagen stellt, wird durch die Einbeziehung dieser Ansprüche in die Planung jede Anlage anders. In der Folge werden sich sinnvolle Änderungen durchsetzen und zu einer breiteren Anlagenvielfalt führen.

Mehrkosten für eine nachhaltige Anlage werden jedoch von 53 Prozent der Vereine abgelehnt. Um hier eine bessere Akzeptanz zu erreichen, sind Fördermöglichkeiten für nachhaltige Alternativen zu bisherigen Bauweisen eine sinnvolle Möglichkeit. Ebenso wäre eine entsprechende Beratung durch den jeweiligen Planer mit Darstellung der Vor- und Nachteile sowie zukünftiger Kosteneinsparungen ein weiterer notwendiger Faktor, um nachhaltige Bauweisen dauerhaft zu etablieren.

Probleme der Sportvereine

Die angespannte finanzielle Situation der Vereine zeigt sich auch in der Umfrage. Viele geben an, dass eine nachhaltige Anlage keinesfalls teurer im Unterhalt sein dürfe. Ebenfalls wird der Wunsch nach öffentlicher Förderung geäußert. Dies bestätigt die im Sportentwicklungsbericht diesbezüglich getroffenen Aussagen. Neben den finanziellen Problemen werden auch die von Breuer festgestellten Personalprobleme und deren Auswirkungen deutlich (Breuer 2015, S. 38).

Trotz dessen äußerten sich 75 Prozent der Vereine positiv zu Eigenleistungen beim Bau, 82 Prozent gaben an, bei Pflege und Instandhaltung der Anlage mitwirken zu wollen. Die geschilderten Probleme werden sich in Zukunft wahrscheinlich verstärken, da die ausschlaggebenden Faktoren - weniger Sportförderung seitens der Kommunen, Ganztagsschulen, weniger Bereitschaft sich im Ehrenamt zu einbringen - nicht verschwinden. Entscheidend für die Auswirkungen auf die Vereine wird deren Umgang mit diesen Faktoren sein. Wenn die Vereine es schaffen, sich auf die neuen Situationen einzustellen, flexibel zu reagieren und soweit möglich ihren Nutzen daraus zu ziehen, können aus den Problemen auch Chancen und neue Möglichkeiten erwachsen.

Unterhaltung der Anlagen

Wie die Umfrageergebnisse verdeutlichen, wird die Mehrzahl der Anlagen bereits von den Vereinen unterhalten. Aufgrund der Haushaltslage vieler Kommunen erscheint eine zunehmende Übernahme von Finanzierung neuer Anlagen, Sanierung und Betrieb des Bestands durch die Vereine als wahrscheinlich.

Die Einbeziehung der Lebenszykluskosten der jeweiligen Sportfreianlage wird in Zukunft unerlässlich, um mit belastbaren Zahlen planen zu können. Bei der Pflege und Unterhaltung mitwirken zu wollen, geben in der Umfrage 82 Prozent der Vereine an. Hier findet sich sicherlich ein Ansatzpunkt, Betriebskosten durch ehrenamtliches Engagement zu reduzieren. Mit Blick auf den Sportentwicklungsbericht muss diese Möglichkeit allerdings vorsichtig betrachtet werden, da immer mehr Vereine Probleme haben, ehrenamtliche Funktionsträger zu binden. 13 Prozent der Vereine geben dies als existenzbedrohendes Problem an - ein Zuwachs von 15 Prozent im Vergleich zum letzten Sportentwicklungsbericht.

Literatur

Breuer, Christoph (2015): Sportentwicklungsbericht 2013/2014. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland ; Kurzfassung. 1. Auflage. Köln: Sportverlag Strauß.

Katthage, J.; M. Thieme-Hack (2017), Stadt+Grün, H. 5, S. 36ff.

Kempkes, H. (2015): Standortgebundene funktionellen Trainingsanlagen im Freien - Möglichkeiten und Grenzen. Bachelorarbeit an der Hochschule Osnabrück, Bachelor Ingenieurwesen im Landschaftsbau.

Neuerburg, Hans-Joachim; Quardokud, Bianca; Klages, Andreas; ET. AL. (Hrsg.) (2010): Nachhaltiges Sportstättenmanagement. Dokumentation des 17. Symposiums zur Nachhaltigen Entwicklung des Sports vom 10.-11. Dezember 2009 in Bodenheim/Rhein. Unter Mitarbeit von Hans-Joachim Neuerburg. Symposium zur Nachhaltigen Entwicklung des Sports . 1. Aufl. Frankfurt, M.: DOSB (Sport bewegt!, H. 28).

Ott, Peter (2009): Zehn Thesen zur Weiterentwicklung von Sportanlagen. Unter Mitarbeit von Lüder Bach, Rudolf Behacker, Annemarie Erlenwein, Andreas Klages, Hartmuth Meyer-Buck, Niclas Stucke und Gottfried Tonhäuser, Hrsg. v. Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Bonn.

Ott, Peter (2010): Sportanlagen für eine dynamische Sportentwicklung. Unter Mitarbeit von Dipl.-Ing. Peter Ott. Hg. v. Dipl.-Ing. Peter Ott. Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Online verfügbar unter www.al.hs-osnabrueck.de/fileadmin/users/883/upload/Publikation_Ott.pdf, zuletzt geprüft am 23.02.2016.

Wetterich, Jörg; Stefan Eckl; Wolfgang Schabert (2009): Grundlagen zur Weiterentwicklung von Sportanlagen. 1. Aufl. Köln: Sportverl. Strauß.

Dr.-Ing. Jutta Katthage
Autorin

Expertin für nachhaltige und verkehrssichere Sportanlagen

M.Eng. Marcel Steffen
Autor

Management im Landschaftsbau

Prof. Dipl.-Ing. (FH) Martin Thieme-Hack
Autor

Hochschule Osnabrück, Fakultät A&L

Hochschule Osnabrück University of Applied Sciences

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