Wolkenbruch in Kopenhagen

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Klimawandel Stadtklima
Das um die Regenwasser-Bewirtschaftung erweiterte Shared Space Konzept bietet die beste Möglichkeit, Lebensqualität, die Bewältigung von Flutwasser und Verkehrsinfrastruktur zu integrieren.
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Am 2. Juli 2011 stand die Innenstadt von Kopenhagen unter Wasser. Der Starkregen von mehr als 150 Millimeter/Quadratmeter innerhalb von zwei Stunden hat Kosten in Höhe von 1 bis 1,5 Milliarden Euro verursacht. Foto: Lisa Risager

"Skybrud" - Wolkenbruch. So bezeichnet man in Dänemark sintflutartige Regenfälle wie die vom 2. Juli 2011, als der Himmel seine Schleusen öffnete und die Stadt Kopenhagen in den Fluten versank. In der Stadtmitte stieg das Hochwasser bis zu einem Meter - eine Katastrophe für einen Stadtteil, in dem viele Büros, Läden, Lagerflächen und Wohnungen auf Kellerniveau liegen. Als die Wassermassen in der Notaufnahme des Nationalen Krankenhauses eindrangen, entschied man sich zur Evakuation. Doch dafür war es bereits zu spät, denn alle Straßen rings um das Krankenhaus standen bereits unter Wasser. Innerhalb von zwei Stunden stürzten mehr als 150 Millimeter Regenwasser nieder - nahezu 20 Prozent des Jahresniederschlags der dänischen Hauptstadt. Die tiefer liegenden Stadtteile hatten dabei nicht allein mit dem Starkregen zu kämpfen, sondern auch mit den überlasteten Abwasserkanälen: Schachtdeckel schossen heraus wie Sektkorken und die braune Soße wurde in die Flutwelle geschleudert.

Klimawandel - Schon Realität oder doch nur Wetterkapriolen

Ist der Klimawandel real, vielleicht sogar von uns selbst verursacht oder erleben wir nur Wetterkapriolen innerhalb eines ganz normalen Klimatrends? Noch vor kurzem herrschte "Land unter" in Deutschland. Gerade mal zehn Jahre nach dem Hochwasser von 2002 muss man sich ernsthaft mit den Fragen beschäftigen: Was haben die Investitionen gebracht? Wieso haben manche Menschen ihr Hab und Gut innerhalb von zehn Jahren bereits zweimal verloren? Warum sind manche Städte nun sogar noch stärker betroffen? Eine Hochrechnung für Deutschland schätzt die Klimaschäden bis zum Jahr 2050 bundesweit auf 330 Milliarden Euro.¹) In Kopenhagen hat der Wolkenbruch, ein Jahrtausendereignis, ganz klar die Karten neu gemischt. Die Schäden vom 2. Juli 2011 belaufen sich auf etwa eine Milliarde Euro. Ayfer Baykal, technische Bürgermeisterin von Kopenhagen, kann jetzt zuversichtlich sagen, dass "Making the city resilient is good sound business" - sprich - dass es ein ökonomisch sinnvolles Geschäftsvorhaben sei, die Stadt widerstandsfähiger zu machen und dass endlich etwas getan werden müsse. Es scheint beinahe grotesk, dass Weltstädte von Zürich bis London, von Riad bis Beijing, selbst nach 150 Jahren Investitionen, Betrieb und Wartung der Wasserinfrastrukturen heute nicht in der Lage sind, der Herausforderung Starkregen zu begegnen.²)

Es stellt sich die grundlegende Frage, wo die Ursache des Problems liegt. Sind es die End-of-pipe-Probleme durch zentrale Entwässerungssysteme, ändert sich das Klima schneller als wir errechnen oder ist unsere bisherige Herangehensweise falsch? Welche Probleme sind hausgemacht und wie können wir die Hochwasser-Risikovorsorge in Chancen umwandeln für mehr Sicherheit und gleichzeitig mehr Lebensqualität in unseren Städten? Der IPCC-Sonderbericht SREX 2012 kommt zu dem eindeutigen Resultat, dass immer mehr Starkregen und Dürreperioden zu erwarten sind. Das Interessante dabei: Die Risiken dafür und unsere Verwundbarkeit hängen davon ab, wie wir uns sozial und kulturell anpassen. Wir könnten Starkregen als Chance nutzen, um uns als Bürger und Stadtbewohner gemeinsam stark zu machen. Wir haben das technische Equipment, wir haben das Know-how. Nur wenn wir es schaffen, unser kreatives Potenzial in umsetzbare Strategien zu übersetzen, werden wir innovative, aber auch bezahlbare Lösungen finden, um neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.

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Der Wolkenbruch-Masterplan sieht den Gasvaerksvej als "Überflutungsboulevard". Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Straße alltagstauglicher wird - etwa durch den integrierten Fahrradweg und die Bewirtschaftung des normalen Regen über extensive Pflanzenmulden. Der Gasvaerksvej war besonders stark bestroffen, denn er bildet den Tiefpunkt der Stadt. Abbildungen: Rambøll/ Atelier Dreiseitl
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Der Strategische Hochschwasserschutz-Masterplan greift das integrierte Konzept von verbesserter Lebensqualität und der Ableitung von Jahrhundertregen auf und vollzieht so die Umwandlung Kopenhagens zur Blau-Grünen Stadt. Abbildungen: Rambøll/Atelier Dreiseitl

Realistische Vision für eine Stadt der Zukunft

Man kann gut und gerne behaupten, dass Kopenhagen die nachhaltigste Stadt der Welt ist. Daher verwundert es auch nicht, dass ihr die Auszeichnung "Grüne Hauptstadt Europas 2014" verliehen wurde. Die charmante, historische Hafenstadt ist ein Mekka für Design-Begeisterte und wartet mit einem hohen Lebensstandard auf. Der Begriff Nachhaltigkeit hat dort eine chice und coole Note. Kopenhagen wird CO2-neutral bis 2025 und Fossilienenergieunabhängig bis 2050. Den Klimawandel nimmt die Stadt schon seit Langem ernst. Das hat seinen guten Grund - denn schließlich erwartet man in den nächsten 100 Jahren 30 Prozent mehr Niederschlag und einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter. Heute landet nur zwei Prozent des Stadtmülls auf der Deponie, 60 Prozent wird recycelt, der Rest wandert in die Verbrennungsanlage der städtischen Fernheizung.

Die Konsequenzen, die man in Kopenhagen aus der Überflutungskatastrophe erzogen hat, sind beispielhaft. In 2012 wurde ein Überflutungsmasterplan erstellt.³) Die Stadt wurde - unabhängig von Kommunengrenzen - in 12 reelle Regenwassereinzugsgebiete eingeteilt. Während die dänische Ingenieure Rambøll die hydraulische Berechnungen für das metropolische Versorgungsunternehmen Hofor erstellt, führte die Firma Cowi die erste Flutrisikoanalyse unter Berücksichtigung zum einen die Auswirkungen von Starkregen, zum anderen steigende Meeresspiegel. So konnten die am stärksten betroffenen Einzugsgebiete bestimmt werden. Eine Kosten-Nutzen-Analyse half bei der Entscheidung, welche Investitionen die größtmögliche Sicherheit garantieren. Eine maximale Anstauhöhe (das sogenannte Service Level) von zehn Zentimeter Wasser auf den Straßen bei einem hundertjährigen Regenereignis (ausgelegt für das Jahr 2100, also inklusive 30 Prozent Zunahme gegenüber heute) wurde festgelegt. Die Dänen mit ihrem schwarzen Humor bezeichnen die Regenereignisse des 2. Juli 2011 als Fundraising Event. Als direkte Folge wurde die Rechtslage geändert, um die Finanzierung der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung und der Oberflächenwasserbehandlung, die zur Einhaltung der neuen Anstauhöhe notwendig ist, zu ermöglichen. Planer-Teams wurden beauftragt, um für die Stadteinzugsgebiete, die das höchste Risiko für Starkregen aufweisen, einen sogenannten "Wolkenbruch-Konkretisierungs-Masterplan" zu erstellen. Das Team Atelier Dreiseitl-Rambøll ist für insgesamt acht der zwölf hochgefährdeten Gebiete zuständig, insgesamt eine Fläche von 35 Quadratkilometer.

Das innerstädtische Einzugsgebiet

Die zusammen etwa zehn Quadratkilometer großen Einzugsgebiete Lådegåds-Åen und Vesterbro liegen im Herzen von Kopenhagen und waren vom Hochwasser stark betroffen. Das Gebiet wird im Westen durch einen Hügel, im Osten durch die Stadtseen und im Süden durch die Gleise des Hauptbahnhofs begrenzt, wodurch eine Art tiefliegendes Bassin entsteht. Da sich die Seen heute erstaunlicherweise zwei Meter oberhalb des Innenstadtniveaus befinden und die Bahngleise eine tiefe Barriere zum Hafen hin bilden, sammelt sich das Regenwasser in diesem innerstädtischen Einzugsgebiet. Dieses erstreckt sich über zwei Stadtkommunen: die Stadt Kopenhagen und die "Stadt in der Stadt" Frederiksberg. Jede Kommune verfügt über eine eigene Verwaltung mit je einem Stadtplanungs-, Abwasser-, Versorgungs-, Verkehrs-, Grünflächen- und Umweltamt und ist am Masterplan-Projekt beteiligt. Weiteres Projektmitglied ist HOFOR, das Versorgungsunternehmen der Metropolregion. Diese Projektbeteiligten haben über die reine Strömungssimulation hinaus einen elementaren - wenn auch leidvollen - Vorteil: Sie haben den "Probelauf" schon live miterlebt. Viele im Internet auffindbare Augenzeugen-Videos und Mitschnitte von Überwachungskameras lassen genau erkennen, wo und wie stark sich die Wassermassen Bahn gebrochen haben.

Im Dezember 2012 ging das Team Atelier Dreiseitl-Rambøll an die Arbeit. Zwei Masterplan-Varianten wurden entwickelt. Beide basieren auf zentralen städtebaulichen Erkenntnissen: Die Hauptverkehrsadern verlaufen sternförmig zum Kopenhagener Rathaus hin. Diese Boulevards sind durch den Verkehr stark belastet und gleichzeitig wichtige übergeordnete Einkaufsstraßen mit räumlich wenig Spielraum. Topographisch liegen sie auf einer höheren Ebene, sodass sie bei der Überflutung wenig betroffen waren. Zwischen diesen Hauptverkehrsachsen befinden sich zweitrangige Straßen von eher lokaler Bedeutung (Supermärkte, Schulen, Wohnungen). Diese Nebenstraßen weisen einen entscheidenden Vorteil auf: Sie sind viel breiter als die primären Boulevards und eignen sich bestens für die Umstrukturierung zu sogenannten Wolkenbruch-Boulevards. Das Ziel: Sie sollen das Flutwasser an der Oberfläche ableiten, während die alltäglichen Niederschlagsmengen über neu zu schaffende Grünräume zur dezentralen Bewirtschaftung gebracht werden. Dieser Plan bietet daneben vielfältige Synergie-Effekte durch die Optimierung von ökologischen und sozialen Aspekten: Grünräume sorgen für eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität und sind neben der Erholungsfunktion wichtig für Erhalt und Förderung der Biodiversität. Die Strömungsanalyse von Rambøll und die Topographie deuten darauf hin, dass diese im dänischen als "Skybrudsboulevards" bezeichneten Wolkenbruch-Boulevards den Spuren von alten Flusssystemen der Stadt folgen. Sie ziehen sich fingerartig durch das Stadtgebiet und treffen sich an den natürlichen, topographischen Tiefpunkten - sprich - an den ursprünglich tiefer liegenden Stadtseen. Von dort soll das Flutwasser durch einen Tunnel zum Hafen abgeleitet. werden.

In einer Reihe von Design-Visualisierungen hat man zehn Detailbereiche unter die Lupe genommen. Zum einen werden darin die einzelnen Funktionsmaßnahmen dargestellt, zum anderen wird realitätsnah veranschaulicht, wie sich die strategischen Lösungen städtebaulich umsetzen lassen. Auch wenn die Visualisierungen zunächst ein idealisiertes Bild der geplanten Maßnahmen darstellen, sind sie eine wichtige Entscheidungsgrundlage für beide Kommunen, die die Lösungsansätze aufgrund ihrer hohen gestalterischen Qualität, Funktionalität und Umsetzbarkeit jetzt schon sehr positiv beurteilen. Nach drei intensiven Workshops konnte die Zustimmung der kommunalen Fachgremien erlangt werden, nun kann der Masterplan in die nächste Phase gehen: Von Politikern und der Öffentlichkeit wird er bereits heiß diskutiert.

Der blau-grüne Masterplan: 2 Varianten

Die Wolkenbruch-Konkretisierungs-Masterplan-Variante 1 beabsichtigt, das Regenwasser über den Å-Boulevard, eine autobahnähnliche Hauptverkehrsstraße, teils oberflächig und teils über Tunnelabschnitte zum Sankt Jørgens Sø, dem südlichsten Stadtsee, abzuleiten. Der Wasserspiegel des Sees liegt heute auf +5,8 Meter, die Nachbarbebauung befindet sich auf +3,4 Meter. Der Wolkenbruch-Masterplan sieht vor, den See auf +2,8 Meter abzusenken, was einerseits ein großes Rückstau-Volumen von 40.000 Kubikmeter schafft, andererseits eine städtebauliche Verbindung zur Stadt ermöglicht, insbesondere was die Hauptstraße Gammel Kongsvej (Alte Königsstraße) am Südufer betrifft. Nach dem Vorbild des "Suger Beach" in Toronto soll hier ein urbaner Strandpark mit terrassenartig gestuftem Geländeverlauf zur Stadt hin entstehen. Die räumliche Großzügigkeit des Sees wird erhalten. Der westliche Teil soll in einen Bürgerpark mit Spielflächen, einem neu angelegten Deich und belebten Uferzonen umgebaut werden und fungiert gleichzeitig als zusätzliches Speicherbecken. Der Überlauf aus dem See führt in eine Tunnelverbindung mit 2,5 Meter Durchmesser, die den Tiefpunkt am südlichen Teil des Einzugsbiets mit dem Hafen verbindet.

Abbildungen: Rambøll/Atelier Dreiseitl
Jede Überflutungsmaßnahme ist eine Chance für die Stadt, den Stadtteil schöner, sicherer und lebenswerter zu machen. Die Eingriffe am ruhigen Sønderboulevard ermöglichen eine Umstrukturierung der Verkehrswege auf Grundlage von „Shared Space\" mit grundsätzlich mehr Parkfläche in der Mitte und durch ihre Doppelfunktionsleistung mit Mulden-Rigolen. Der Abwasserkanal wird sofort entlastet und bei Starkregen kann Schutz gewährleistet werden. So entwickelt sich ein Stadtpark zur Blau-Grünen Infrastruktur.
Abbildungen: Rambøll/Atelier Dreiseitl
Abbildungen: Rambøll/Atelier Dreiseitl
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Der Hochwasserschutz-Masterplan sieht vor, den innenstädtischen See Sankt Jørgens Sø von +5, 8 Meter auf 2,8 Meter abzusenken, um 40.000 Kubikmeter Rückstauvolumen und eine bessere städtebauliche Verbindung zu schaffen. Ein urbaner Strandpark und eine belebte Uferzone verbessern die Nutzungsmöglichkeiten der Anwohner, ohne in die Großzügigkeit der offenen Seefläche einzugreifen.
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Abbildungen: Rambøll/Atelier Dreiseitl

Der nördliche Bereich des innerstädtischen Einzugsgebiets wird effektiv entkoppelt, indem der Regenwasserabfluss oberflächig über den neu als Retentions-Park gestalteten Assistenzfriedhof und den angrenzenden Hans Tavsens Park erfolgt. Dieser Park soll zu einem hochleistungsfähigen Rückstau-Bereich mit einem möglichen Speichervolumen von 10.000 bis 35.000 Kubikmeter umgewandelt werden. Die Höhenlage des Hans Tavsens Parks ermöglicht die Entwässerung der kompletten nördlichen Spange im natürlichen Gefälle über die Wohnstraße Korsgade zum Peblinge Sø See als Notüberlauf.

Insgesamt sind 30 Kilometer "Wolkenbruch-Boulevards" und Straßen mit 500.000 Quadratmeter Grünflächen als Retentionsspeicher und "Green Streets" vorgesehen. So wird das Abwasser-System jährlich um 1,5 Millionen Kubikmeter entlastet. Die geschätzten Gesamtkosten für Masterplan-Variante 1 belaufen sich auf etwa 300 Millionen Euro, während die technisch aufwendigere Masterplan-Variante 2 mit der Tunnellösung etwa 400 Millionen Euro an Kosten verursachen würde. In beiden Masterplan-Varianten sind 75 Kilometer mögliche Green Streets integriert, für die zusätzlich 100 Millionen Euro veranschlagt werden. Die Umsetzungsphase ist für die kommenden 20 bis 30 Jahre geplant. Bei aller Diskussion um die Höhe der Kosten sollte man eines bedenken: Eine Risikoanalyse nach der Kapitalwertmethode (n.p.v.) berechnet die Schadenskosten auf 900 Millionen Euro allein für diesen Stadtteil. Dem gegenüber stehen mögliche Investitionen von 500 Millionen Euro, um dieses Risiko zu eliminieren und geichzeitig eine lebenswerte Stadt zu gestalten. Das Konzept der blau-grünen Stadt ist also auch wirtschaftlich äußerst smart.

Die Blau-Grüne Stadt

Beiden Masterplan-Varianten gemeinsam ist ein grundlegender Leitgedanke: Beide sehen die Chance, durch die Umbaumaßnahmen der Überflutungsstrategie so viel alltägliches Regenwasser wie möglich dezentral zu behandeln. Obwohl Kopenhagen den Beinamen "Grüne Stadt" trägt, sind die Straßen überraschend kahl und nur mit wenig Bäumen und wenig Grünflächen versehen. Ihrem Ruf kann die dänische Hauptstadt künftig noch mehr gerecht werden: mit Green Streets, die als Vorbehandlungsstufe dienen und die Wasserqualität von Vorflutern, Seen und Hafen verbessern können. Als mögliche Green Streets konnten etwa 75 Kilometer Straßen mit einer Verkehrsbelastung von weniger als 5000 Autos pro Tag bestimmt werden. Die Entkopplung und Entlastung des Abwassersystems angesichts der 30- bis 40-prozentigen Zunahme von Regenmengen, die bis 2100 prognostiziert werden, ist ein ausschlaggebender Faktor. Und nicht zuletzt geht mit der Schaffung von Green Streets eine nachhaltige Verbesserung der Stadtqualität einher: Lebenswerte urbane Räume für Menschen entstehen, das sozial-ökonomische Wohl wird gefördert und die biologische Artenvielfalt gesteigert.

Mehrwert für Menschen schaffen

Die Kommunen Frederiksberg und Kopenhagen haben sofort erkannt, dass das Wolkenbruch-Projekt neben der großen Herausforderung, die es zu stemmen gilt, auch weitreichende Chancen für eine Transformation der gesamten Stadt birgt. Der Wolkenbruch-Konkretisierungs-Plan gewährt dabei schon jetzt einen Blick in eine noch lebenswertere Zukunft.

"Wir stehen am Anfang eines Projektes, das die Stadt grundlegend verwandeln wird. Der Plan muss zum einen gewährleisten, dass wir die riesigen Mengen an Flutwasser ableiten können, ohne dass Schaden entsteht. Aber wir wollen auch, dass diese gleiche Investition die Stadt grüner macht und unseren Bürgern mehr Lebensqualität bietet. Wir werden sehr genau überlegen müssen, wie das passieren soll. Neben den Konzepten, die wir in den Kommunen erarbeitet haben, liegt mir die Meinung unserer Bürger ganz besonders am Herzen. Ich freue mich auf die politische Diskussion, die jetzt stattfinden wird", sagt der Bürgermeister der Stadt Frederiksberg, Jørgen Glenthøj (K).4)

Der Wolkenbruch-Konkretisierungs-Masterplan für das Einzugsgebiet Lådegåds-Åen und Vesterbro wurde zwischen Dezember 2012 und April 2013 erstellt. Die Kommunen haben bereits eine technische Prüfung durchgeführt, die sozial-ökonomische Umwelt-Analyse und Auswertung wird Anfang Juli 2013 vorgelegt. Eine öffentliche Ausstellung und eine Bürgeranhörung sind vorgesehen, sodass sich die Politiker bis Ende des Jahres über die Umsetzung der ersten Projektschritte entscheiden können.

Das Team Atelier Dreiseitl-Rambøll bearbeitet bis Ende September 2013 zwei weitere, hochgefährdete Einzugsgebiete: den etwa fünf Quadratkilometer großen Stadtbezirk Nørrebro, wo sich das Nationale Krankenhaus befindet, sowie die etwa 20 Quadratkilometer großen Stadtteile Valby und Vanløse.

Literatur

Anmerkung

Christian Nyerup Nielsen ist Wasseringenieur und für die Abteilung Klimaanpassung bei Rambøll in Kopenhagen zuständig. www.ramboll.com. Jessica Read ist Landschaftsarchitektin und leitet seit 12 Jahren wasserintegrierte Pilotprojekte beim Atelier Dreiseitl. www.dreiseitl.com. Das Atelier Dreiseitl arbeitet seit 30 Jahren mit einem integrierten und sozial-ökologischen Ansatz zum Thema Wasser in der Stadt. Rambøll ist das führende Engineering- und Beratungsunternehmen in Skandinavien mit derzeit rund 10.000 Mitarbeitern und knapp 200 Niederlassungen in 19 Ländern, unter anderem in Berlin und Hamburg. Seit April 2013 ist das Atelier Dreiseitl Mitglied in der Rambøll Gruppe.

¹) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 6.3.2012.

²) EAWAG May 2012.

³) Københavns Kommunes Skybrudsplan 2012, Københavns Kommune and Cowi.

4) Nationalt, 22. Mai, 2013, Steen A. Jørgenssen, Se de flotte billeder: Sådan skal København sikres mod skybrud.

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