Chinesische, japanische und koreanische Gartenkunst inspiriert Europa

Grüne Grüße aus Fernost

von:
Asiatische Gärten Landschaftsarchitektur
Zu japanischen Gärten ,wie hier in Den Haag, gehört immer ein Teehaus, neben Steinlampen, Wasserlauf und charakteristischen Gehölzen, wie dem Japanischen Fächerahorn. Foto: Thomas Herrgen

Fernöstliche Gärten beeinflussen seit Jahrzehnten, teilweise seit mehr als 100 Jahren die Gartenarchitektur Europas. Stille und Meditation bis hin zu religiösen Ritualen ist mit ihrer Entstehung und Kultur verbunden und prägt auch die Nutzung chinesischer, japanischer und koreanischer Gärten.

Pflanzen spielen traditionell in allen asiatischen Gartenkulturen nur eine nachgeordnete Rolle, auch wenn sie zum integralen Bestandteil jeder Anlage gehören. Sie sind sozusagen Staffage oder Ausschmückung und werden als Stilmittel, oft in geschnittener Form für einen ganz bestimmten Gestaltungszweck eingesetzt. Auch die Bonsai-Schnittkunst kommt aus Asien und wurde dort geradezu perfektioniert. Blüten sind im japanischen Garten nicht einmal erwünscht und werden oft sogar entfernt, weil sie nach fernöstlicher Auffassung die Proportionen verändern. Ausnahme sind einzelne Sträucher, die dann ganz besonders inszeniert werden sollen.

Die Herrschaft des Menschen über die Natur und deren miniaturisierte Nachstellung kennzeichnen den asiatischen Garten gleichermaßen; Widerspruch und sich ergänzende Idee zugleich. Asiatische Gartenkunst liegt auch in Europa immer noch im Trend. Die klassischen Bauelemente wie Pavillons, Bambusrohr, Buddhaskulpturen, Wassersteine und typische Pflanzen sind sowohl im öffentlichen Raum wie auch im Privatbereich relativ häufig anzutreffen.

Blick gen Osten

Asien faszinierte auch schon in den vergangenen Jahrhunderten die Europäer. Man denke nur an die Chinoiserien bei Porzellan und Tapeten, chinesische und japanische Pavillons in den fürstlichen Gärten und Parks des Barock und der Aufklärung oder Zeichnungen mit fernöstlichen Szenen an den Wänden von Schlössern und Museen. Korea hingegen war, ähnlich wie Japan noch länger isoliert und abgeschottet. Dieser Kulturaustausch folgte erst viel später.

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Der jüngere Asien-Trend begann in Europa vielleicht mit der Begeisterung für die asiatische Küche ab den 1980er-Jahren. Im Jahrzehnt danach folgte eine Reisewelle von West nach Fernost und in der Gegenrichtung fliegt heute unter anderem der neue chinesische Mittelstand hierher nach Europa. Der Kulturaustausch beschleunigte sich rasant, auch im Zuge der neuen Medien, sozialen Netzwerke und der rasend schnell gewordenen Kommunikation. Ein Bild, etwa eines Bonsai und das was es transportiert, in diesem Fall die Kultur der Schnittkunst, wandert heute binnen Sekunden um die halbe Welt.

Auch Städtepartnerschaften wurden geschlossen und nicht zuletzt kamen komplette Gärten als Geschenke nach Europa. Doch "den" asiatischen Garten gibt es natürlich nicht, genauso wenig wie einen einheitlichen chinesischen, japanischen oder koreanischen Stil. Das Auftragen von Kies, die Errichtung von Bogenbrücken und das Pflanzen von Bambus ergibt noch keine fernöstliche Anlage. In den Ländern rund um das Gelbe Meer gehören auch sehr viel Symbolik, Mystik und nach strengen Regeln ausgeführte Zeremonien dazu. So wird ein im Asienstil gebauter Garten erst durch seine Zutaten und die Nutzung zu dem was er sein soll: ein Ort der Ruhe und Stille, für Kontemplation, Entspannung und für die Kommunikation mit den Göttern. Der gestresste, westliche Mensch erlebt im fernöstlichen Garten, auch ohne religiösen Bezug, eine Quelle der Kraft und erschließt für sich neue Formen der Meditation.

China - Die Harmonie der Welt gestalten

Die Chinesische Gartenkultur geht auf den Taoismus zurück. Weise Einsiedler, die zur Erfüllung ihrer Pflichten in die Städte gingen imitierten große Landschaften in kleinen Gärten. Dabei sollen die "Sieben Teile" Erde, Himmel, Wasser, Steine, Gebäude, Lebewesen und Pflanzen ausgewogen sein und so die Harmonie der Welt verdeutlichen.

Einer der ersten Chinesischen Gärten in Europa war das Geschenk der Millionenmetropole Guangzhou in Süd-China an die Stadt Frankfurt am Main. Die Städtepartnerschaft war 1988 begründet worden, schon im Jahr danach wurde der "Garten des Himmlischen Friedens" innerhalb des Bethmann Parks eingeweiht. Auf einer Wandtafel steht kalligrafisch: "Ein friedlicher Platz zum Ausruhen. In der Stille findet man Kraft zu neuem Denken." Tatsächlich strahlt die Anlage eine ergreifende Ruhe inmitten fernöstlicher Atmosphäre aus. Der Garten folgt dem Vorbild der berühmten Shiukou-Gärten aus Huizhou. Die Pavillons und Architekturen sind den einfachen Wohnhäusern aus der Provinz Anhui nachempfunden. Darüber hinaus sind auch typische Elemente wie Tore, Drachenskulpturen, die "Brücke des halben Bootes", der "jaspisgrüne Teich" mit Wasserfall, der "Wasserpavillon des geläuterten Herzens" und eine traditionelle Zickzackbrücke zu sehen. Sie erzwingt Richtungsänderungen beim Gang auf ein Ziel und damit immer neue Blickperspektiven.

Pflanzen: Bambus & Co.

Die Bepflanzung in chinesischen Gärten ist traditionell zweitrangig und erfolgt daher mit nur wenigen Arten. Dies sind etwa die Trauerweide (Salix Alba 'Tristis'), die den Frühlingsbeginn anzeigt, die Winterkirsche (Prunus mume), die schon bei milden Januartemperaturen blüht oder Kiefern, oft als Bonsai gezogen, die als Männlichkeitssymbol gelten. Weiterhin gehören Paeonien (Liebe, Reichtum), Chrysanthemen (Herbst) und Lotos (Sommer) dazu. Und natürlich dürfen Bambus-Arten (etwa Phyllostachys, Pseudosasa) nie fehlen. Seine Internodien symbolisieren die "Stufen auf dem Weg zur Erleuchtung". Im Rahmen einer ersten Generalsanierung bis April 2008 wurde der Frankfurter Chinesische Garten teilweise neu bepflanzt. Eine alte Platane, die im Zuge der Bauarbeiten hatte gerodet werden müssen, wurde durch einen neuen Solitärbaum (Taxodium distichum) am Ufer des Teiches ersetzt. Als Bodendecker kamen vor allem Seggen-Arten (Carex spec.) und Inseln mit Funkien (Hosta spec.) zur Verwendung. Chinesische Gärten sind ein Gesamtkunstwerk. Weitere Anlagen gibt es zum Beispiel auch in Zürich (seit 1994), München (1983) oder Berlin-Marzahn (2000).

Japan - Gärten für die Götter

Beim Japanischen Garten werden drei Grundtypen unterschieden:

  • der Wassergarten mit Teich, Koi-Fischen und gelegentlich heißen Quellen
  • der puristische Trockenlandschaftsgarten ("Zen-Garten") mit Felsen und gerechtem Kies, der Wasser symbolisiert
  • der Teegarten als zeremonieller Ort für die äußere Waschung mit Wasser und die innere Reinigung mit grünem Tee.

Die regelkonforme Pflege der Gärten ist äußerst schwierig und aufwändig. Neben dem komplizierten Schnitt der Bonsai-Gehölze werden oft die Blüten selektiert. Sie "verfälschen" nach japanischer Ansicht die Proportionen. Nur Einzelexemplare dürfen als punktuelle Farbblitze im Gesamtbild verbleiben. Im Herbst werden Dekorationen mit bunten Blättern ausgelegt und Moosgärten mit Koniferen-Nadeln kunstvoll gespickt.

Der enge Kontakt mit dem Garten, die Inspiration durch ihn und die Meditation in ihm gehören zu den Ritualen des Shintoismus. Diese nur in Japan beheimatete Naturreligion sieht im Garten etwas Heiliges. Mit mehr als einer Million Göttern existiert sie parallel zum Buddhismus und anderen Religionen, denen die Japaner je nach Anlass und Zweck abwechselnd folgen. Doch Gärten sind darüber hinaus auch Orte des Lebens. In ihnen wird gelacht, gegessen, geliebt und getrauert.

Gartengestaltungsregeln existieren seit dem 11. Jahrhundert und sind auf langen Schriftrollen niedergeschrieben. Neben der interpretierten Natur stehen Materialqualität, Harmonie und Symbolik im Mittelpunkt, so etwa die Waschung beim Eintreten in den Garten oder ein Wunschzettelbaum mit Bitten an die Götter.

Pflanzen: Bonsai & Co.

Wichtigstes pflanzliches Hauptgestaltungselement im Japanischen Garten ist der Bonsai (jap.: ), die japanische Variante einer alten fernöstlichen Art der Gartenkunst. Dabei werden Sträucher und Bäume entweder in kleinen Gefäßen oder auch im Freiland zur Wuchsbegrenzung gezogen, durch Biegung der Äste, Einarbeitung von Drähten und vor allem Schnittmaßnahmen nach bestimmten Regeln und ästhetischer Auffassung miniaturisiert und in Form gebracht. Diese Kunst stammt sehr wahrscheinlich aus China, wo sie Penjing genannt wird.

Für Bonsai sind nahezu alle verholzenden, kleinblättrigen oder kleinnadeligen Baum- und Straucharten geeignet. Zu den traditionell in Japan verwendeten Gehölzen gehören Kiefern (bspw. Mädchen-Kiefer, Pinus parviflora), verschiedenste Ahorne (etwa der Dreispitz-Ahorn, Acer buergerianum oder der Fächer-Ahorn, Acer palmatum), Wacholder (Juniperus communis), oder asiatische Arten der Ulme, insbesondere die Chinesische Ulme (Ulmus parvifolia). Hinzu kommen Azaleen (Azalea spec.), Fruchtbäume wie Äpfel und Zieräpfel (Malus spec.) oder die Japanische Aprikose (Prunus mume).

Japanische Gärten gibt es in Europa seit dem 19. Jahrhundert, so etwa in Den Haag, wo die Anlage bis heute die guten wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zwischen den Niederlanden und Japan symbolisiert. Im Park von Schloss Wolfsgarten südlich von Frankfurt ließ Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868-1937) um 1910 einen Japanischen Garten mit Teich, Bogenbrücke aus rotem Sandstein und vielen exotischen Gehölzen anlegen. Dazu gehören etwa Sumpfzypressen (Taxodium distichum), Schirmtannen (Sciadopitys verticillata) oder Japanische Ahorne. Er gilt als einer der ersten und größten japanischen Gärten in Deutschland. Wahrscheinlich ist er der älteste hierzulande und aufgrund seiner beachtlichen Größe von 13.000 Quadratmetern (1,3 ha) zusammen mit dem etwa flächengleichen japanischen Garten in Kaiserslautern sogar einer der größten in Europa.

Dipl.-Ing.(FH) Thomas Herrgen
Autor

Landschaftsarchitekt

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