Ein Gespräch mit Petra Holtappel, Leiterin Grünflächenamt Kiel

GALK-Tagung in Kiel

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Fachtagungen und Kongresse
Abb. 1: Petra Holtappel, Leiterin des Grünflächenamtes Kiel und diesjährige Gastgeberin des GALK-Jahreskongresses und des Gemeinsamen Bundeskongresses. Foto: Nicole Wardin

Die GALK-Mitgliederversammlung sowie der Gemeinsame Bundeskongress der grünen Verbände tagt in diesem Jahr in Kiel - die 2020 vorgesehene Tagung war wegen Corona ausgefallen. Wie sind Sie denn durch die Pandemie gekommen?

Petra Holtappel: Ich freue mich sehr, dass die Pandemie es zulässt, den Kongress in diesem Jahr in Kiel nachholen zu können. Gleichzeitig wird die Veranstaltung von einer neuen Krise überschattet, dem Angriff auf die Ukraine und dessen Folgen. Einen Kongress durchzuführen ist aber immer ein Zeichen des Miteinanders und des Austausches und in diesem Sinne wünsche ich der Veranstaltung und allen Teilnehmenden ein gutes Gelingen.

Die Corona-Pandemie hat uns vor einige Herausforderungen gestellt, aber auch eine große Aufmerksamkeit auf die Grün- und Freiflächen gelenkt. Ich möchte auf zwei Aspekte näher eingehen: Den Dienstbetrieb zum einen, zum anderen die intensive Nutzung und die gewachsene gesellschaftliche Rolle des wohnortnahen Stadtgrüns.

Der Betrieb des Grünflächenamtes konnte durchgehend aufrechterhalten werden. Die Stadt Kiel hat für die Arbeit der gesamten Verwaltung ein Ampel-System definiert, das für die jeweilige Corona-Situation das Verhalten am Arbeitsplatz und die Besuche im Rathaus geregelt hat. So wurden zum Beispiel Rahmenbedingungen für Termine und Besprechungen aufgestellt, Hygienemaßnahmen definiert und das homeoffice geregelt. Im Hinblick auf die digitale Arbeitswelt haben wir große Schritte nach vorne gemacht - nicht zuletzt durch eine verbesserte technische Ausstattung und die Flexibilisierung der Arbeitsmöglichkeiten. Doch aus meiner Sicht sind die technischen Weiterentwicklungen der Arbeitswelt zwar eine gute Ergänzung, die wirklichen Begegnungen unter Kolleg*innen können sie aber nicht ersetzten.

Für Ämter mit großen operativen Bereichen gab es zudem einige spezielle Regelungen: Maskenpflicht im Dienstwagen, die Bildung kleinerer Arbeitsgruppen, versetzte Pausen- und teilweise auch Anfangszeiten zum Beispiel haben die Arbeiten zwar eingeschränkt, aber weiterhin alle Tätigkeiten ermöglicht. Die Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass es wenig coronabedingte Ausfälle gab und die schwere Zeit gut überstanden werden konnte. Erst in den letzten Wochen verzeichnen wir einen leichten Anstieg der Fallzahlen, dies jedoch in der Situation, wo die Auswirkungen überwiegend nicht mehr so dramatisch sind.

Da die Grünflächen im ersten und zweiten Corona-Sommer teilweise die einzigen Möglichkeiten für die Kielerinnen und Kieler boten, sich zu treffen, war uns von Anfang an die besondere Bedeutung der Anlagen bewusst. Während Spielplätze kurzzeitig gesperrt werden mussten, konnten die Grünflächen geöffnet bleiben. Sie wurden intensiv besucht und auch in der Presse sehr beworben. Besonders deutlich wurde die Bedeutung der wohnungsnahen Grünflächen. Auch - und insbesondere, weil viele Familien nicht in Urlaub gefahren sind und die Erholung vor Ort gesucht haben. Grünflächen erfüllten all ihre sozialen Funktionen noch intensiver als sonst - als Bewegungsort für Sport in allen Facetten, als Treffpunkt und Begegnungsstätte. Auch als Naturerlebnis- und Entdeckungsraum waren sie gefragt: Die fünf Kieler Tiergehege, die jederzeit öffentlich zugänglich sind, waren an warmen Tagen so gut besucht, dass wir absichtlich auf eigene Berichterstattungen verzichtet haben, um nicht noch mehr Menschen dorthin zu locken. Darüber hinaus haben die fünf großen Friedhöfe als Orte der Erholung und Begegnung in der Wahrnehmung der Bevölkerung gewonnen.

Auch die Sportplätze wurden von Beginn an weiter wie gewohnt gepflegt, obwohl der Sportbetrieb längere Zeit eingeschränkt war. Die zeitweise reduzierte Benutzung durch den festen Auftritt der Stollenschuhe hat vor allem dem Maulwurf Freude gemacht. Für dieses Problem suchen wir noch eine gute Lösung.

Was waren die Stressfaktoren?

Besonders die zentralen Parkanlagen wurden in der Pandemie extrem in Anspruch genommen. Insbesondere durch die Schließung der Clubs und Kneipen fehlte den Menschen, ganz besonders den Jugendlichen, ein Ventil und eine Möglichkeit, sich zu treffen, zu feiern und ausgelassen zu sein. Da die üblichen Orte verschlossen waren, traf man sich kurzerhand im Park - auch spät nachts. Dies rief in der Bevölkerung eine heftige Debatte zwischen denjenigen hervor, die der Jugend diesen Freiraum vollständig lassen wollten und denjenigen, die gar kein Verständnis aufbringen konnten und die Parkanlagen mit allerlei Verboten ausstatten wollten, vom Alkoholverbot bis hin zur Einzäunung. Tatsächlich sind Müllaufkommen, Vandalismus und Ruhestörungen enorm angestiegen - nicht zuletzt durch erhöhten Alkoholkonsum und das Bedürfnis nach Ausgelassenheit.

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Abb. 2: Zur Kieler Woche verwandelt sich das große Nordmarksportfeld in eine Eventfläche. Foto: Landeshauptstadt Kiel, Horst Nimtz

Einige Male wurde ein zentraler Park durch den Großeinsatz von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst nachts geräumt. Zwischen Bürger*innen, Anlieger*innen, Verwaltung, Jugendvertretungen und Politik entspann sich die Diskussion darüber, was zu regeln sei, immer weiter. Runde Tische wurden einberufen und debattiert.

Da wir als Grünflächenamt ohnehin begonnen hatten die Grünflächensatzung zu überarbeiten, waren wir schon vor Corona mit der Frage befasst, wie man auf neuartige Nutzungen und Überbeanspruchungen von Anlagen in der Satzung eingehen könnte. Auch fehlte uns eine einheitliche Grundlage zur Handhabung von Sondernutzungsanträgen, die immer zahlreicher gestellt wurden - Wie viel Nutzung verträgt ein Park? Wie weit kann Multicodierung gehen, ohne dass die Anlage Schaden nimmt - diese Fragen stellten sich uns - unter anderem. Dass sich die Situation durch eine Pandemie derartig zuspitzen würde, ahnten wir zu Beginn der Arbeit noch nicht.

Was war die Lösung?

Gemündet sind die Regelungen in einer neuen Satzung, die im März 2022 beschlossen wurde. Sie soll die Grünanlagen schützen und deren Nutzung regeln. Neuerungen sind unter anderem der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme, die Ahndungsmöglichkeiten für Müllablagerungen, Kriterien für die Erlaubnis von Sondernutzungen sowie eine Gebührensatzung. Der Schutz der Anlieger*innen vor Lärm und vor der Verschmutzung der Vorgärten von Anlieger*innen allerdings kann in einer Grünflächensatzung zwar erwähnt werden und dadurch eine Grundlage für weitere Verordnungen bilden. Die Satzung kann diese aber nicht endgültig rechtssicher regeln. Es wird daher zusätzlich eine Stadtverordnung für Bereiche in der Stadt geben, in denen die genannten Problematiken verstärkt aufgetreten sind. Regelugen zu Lärm insbesondere können darin nach dem Landesimmissionsschutzgesetz sicher geregelt werden. Vorteil dieser Verordnungen ist, dass sie auch auf Flächen außerhalb von Grünflächen gelten. Denn die Störenden sind häufig weitergezogen, wenn sie aus der Grünfläche vergrämt wurden.

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Abb. 3: Für Spielplätze wurden Schilder mit Abstandsregeln entwickelt. Foto: Petra Holtappel
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Abb. 4: Reventlouwiese an der Kiellinie: Verhaltensregeln waren erforderlich, um das Miteinander möglich zu machen. Foto: Petra Holtappel
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Abb. 5: Tomatenernte. Foto: Petra Holtappel

Wichtig ist, dass bei jeglicher Vorschrift gut überlegt wird, welche Mittel und Regelungen verhältnismäßig sind und was man wirklich später kontrollieren und ahnden kann. Nur solche Reglungen sollten getroffen werden. Ein Alkohol- oder Glasflaschenverbot zum Beispiel wurde hier als wenig kontrollierbar und nicht verhältnismäßig eingeschätzt und daher nicht aufgenommen. Die Politik hat beschlossen, die neue Satzung regelmäßig evaluieren zu lassen. Daher werden wir die Wirkung und die Ergebnisse im Auge behalten.

Der Kieler Grüngürtel feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Was waren die wichtigsten Stationen bis dorthin?

1922 entwickelten Stadtbaurat Willy Hahn (1887-1930) und Landschaftsarchitekt Leberecht Migge (1881-1935) den "Grünflächen- und Siedlungsplan der Stadt Kiel". Sie entwarfen damit eine grundlegend neue städtebauliche Vision für Kiel. Kernelement war die Anlage eines Grüngürtels rund um die heutige Innenstadt. Bestehend aus Kleingartenanlagen, Sport- und Spielmöglichkeiten für alle Altersgruppensowie Parkanlagen und Friedhöfen sollte der Grüngürtel der Erholung und der Gesunderhaltung der Bevölkerung dienen und zugleich in der Not der Nachkriegsjahre des Ersten Weltkriegs eine Selbstversorgung mit Lebensmitteln gewährleisten.

Das soziale Grün spielte bei Migge eine besondere Rolle?

Leberecht Migge erhielt zunächst den Auftrag, ein künstlerisches Konzept für die städtischen Gartenanlagen zu erstellen. Als Vertreter der sozialorientierten Grünplanung betrachtete Migge die Grünplanung vor allem unter sozialen Aspekten.

Die ausreichende Versorgung von Großstädten mit Grünanlagen war aus seiner Sicht elementar für die Gesunderhaltung der Bevölkerung. An diesen Gedanken knüpften seine Vorstellungen von der Funktionalität und Gestaltung öffentlicher Grünanlagen an. An den Landschaftsparks der Kaiserzeit kritisierte er vor allem die stark eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Städtische Parks sollten nicht nur dem gesitteten Spaziergehen dienen, sondern auch über aktiv nutzbare Bewegungsmöglichkeiten verfügen.

Die Planungen Migges sahen daher zum Beispiel begehbare Rasenflächen, sogenannte "Tummelwiesen" für die Bewegung sowie vielfältige Spiel- und Sportmöglichkeiten vor. Exemplarisch umgesetzt sind seine Vorstellungen vom sozialen Grün in dem ab 1923 zum Volkspark umgestalteten Werftpark in Gaarden.

Migge schlug im Kieler Grüngürtel ein Selbstversorgungskonzept vor. In Pachtgärten und genossenschaftlich verwalteten Siedlungen sollte die Bevölkerung sich eigenständig mit Lebensmitteln versorgen. Er entwarf darüber hinaus ein ganzheitliches, neues Abfall- und Kompostierungssystem, durch das die Gärten mit Naturdünger versorgt werden sollten.

Was ist heute aus dem Grüngürtel geworden?

In den vergangenen 100 Jahren wurden viele Flächen des Grüngürtels bebaut. In seiner Grundstruktur ist er aber erhalten geblieben. Noch heute ist er geprägt durch Kleingartenanlagen, Wälder, Sportanlagen und Friedhöfe. Zudem liegen einige Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Grüngürtel. Er ist daher heute noch ein bedeutender Erholungsraum für die Kieler Bevölkerung. Insbesondere die Funktionen für das Klima in der Stadt sowie für den Natur- und Artenschutz gewinnen vor dem Hintergrund des Artensterbens und des Klimawandels weiter an Bedeutung.

Stadt+Grün hat im Mai 2020 zu Stadtgartenwanderweg, Schützenpark und Kiellinie berichtet, wie ist es weiter gegangen mit diesen Projekten?

Der Stadtgartenweg ist als begehbares Band durch den Grüngürtel zentraler Bestandteil der Aktionen zum 100. Jubiläum: Über den Stadtgartenwanderweg wird der Grüngürtel in seiner Gesamtheit erschlossen. Häufig sind den Bewohner*innen einer Stadt die Schönheiten vor der Haustür gar nicht bekannt. Daher haben wir den sogenannten Rundwanderweg 2, der bereits im Landschaftsplan vorhanden war, in zweierlei Hinsicht weiterentwickelt: er dient als kurze Verbindung aus den Wohnquartieren in das Kieler Grün und stellt damit eine fußläufig erreichbare Möglichkeit zur Naherholung dar. Weiterhin verbindet er die vielfältigen Grünräume des Grüngürtels zu einem 42 Kilometer langen Rundweg durch die Stadt - daher der Name Stadtgartenwanderweg - und kann so auch eine sportliche Herausforderung für geübte Wanderbegeisterte bieten.

In diesem Jahr werden zahlreiche Wanderungen und Führungen angeboten. Außerdem wird der Weg durch über 100 Blumenkübel markiert. Die Kübel weisen auf wichtige 'Pforten', die als Eintritts-Tore in den Grüngürtel dienen, hin. Sie werden mit Informationen rund um die Geschichte und über interessante Orte bestückt sein. Außerdem möchten sie zum Nachahmen der insektenfreundlichen Bepflanzung, die sich in den Kübeln befindet, anregen. All diese Informationen werden auf QR Codes zu finden sein, die am Objekt befestigt werden.

Parallel arbeiten wir mit einem Kommunikationsdesign-Büro ein langfristiges Leitsystem für den Stadtgartenweg aus. Dies reicht von kleinen Wegeführungs-Hinweisen bis zu größeren Stelen an markanten Orten und wird begleitet durch ein spezifisches Mobiliar. Bei der Entwicklung der Ausstattungselemente wurde viel Wert daraufgelegt, dass die spätere Unterhaltung dauerhaft gelingen kann. So ist die Ausprägung des neuer Banktyps 'Kieler Bank Plus', der auf dem Modell der Kieler Standartbank basiert und durch spezielle Extras ergänzt wird, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Holz und Metall des Grünflächenamtes entwickelt worden. Gleiches gilt für die Hinweise, die vor Ort angebracht werden sollen. Stadtgartenwanderweg wird ebenso im Internet der Stadt Kiel und auf gängigen Wanderapplikationen zu finden sein.

Auch im Schützenpark hat es Fortschritte gegeben. Nach der Fertigstellung der ersten beiden Bauabschnitte haben wir zunächst die Gelegenheit ergriffen, den ehemaligen Verkehrsübungsplatz, der das östliche Ende des langgezogenen Parks markierte, als Grünfläche zu sichern. Das Grünflächenamt hat daher die Anlage geöffnet und zwei 'Pop-Up-Spielcontainer' aufgestellt, die nach der endgültigen Umgestaltung der Fläche an anderen Orten wieder benutzt werden können.

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Abb. 6: Im Schützenpark wurde erstmals die Jugendbeteiligung als Graffiti-Projekt durchgeführt. Die Ergebnisse werden im Park ausgestellt. Foto: Petra Holtappel
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Abb. 7: Durch Spielcontainer konnte der ehemalige Verkehrsübungsplatz schnell zu einem bespielbaren Parkteil umgewandelt werden. Sie bleiben bis zur endgültigen Gestaltung. Foto: Petra Holtappel

Nach dem schulpolitischen Beschluss, den Platz als Übungsfläche endgültig aufzugeben, waren die Interessierten Jugendlichen und Kinder gefragt, ihre Ideen für die Fläche zu konkretisieren. Dies haben sie mit viel Kreativität unter künstlerischer Anleitung erstmals in Form eines Graffitti-Workshops vor Ort getan. Das Ergebnis hängt noch heute als Plakatwand im Park und kann bestaunt werden. Die Planung wird in diesem Jahr an ein Büro vergeben und die Bauarbeiten können hoffentlich in 2023 starten.

Für die Kiellinie, die längste Promenade Kiels an der Förde entlang, wird in diesem Jahr der städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerb durchgeführt. Das Ergebnis wird im Herbst erwartet. Nach umfangreichen Bürgerbeteiligungsveranstaltungen und intensiver Diskussion in den politischen Gremien wurden die Voruntersuchungen abgeschlossen.

Die Umgestaltung der Kiellinie wird für den Kieler Freiraum ein wegweisendes Projekt für aktuelle Freiraumplanungen werden. Verglichen mit anderen Großstädten an der Ostsee steckt die circa 3,5 Kilometer lange 'Schokoladenseite' der Stadt gestalterisch im Dornröschenschlaf. Die letzte Umgestaltung erfolgte in den 70er Jahren, als Kiel Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe war. Wir erwarten daher innovative Lösungen von den Wettbewerbsteilnehmer*innen.

Mit dem ersten Bauabschnitt wurde allerdings bereits begonnen: Dem Berthold-Beitz-Ufer. Hier war die Spundwand dringend sanierungsbedürftig, weshalb die Sanierungsarbeiten bereits vorzogen wurden und zurzeit noch stattfinden.

Weiterhin gilt es, eine Lösung für die Reventlouwiese zu finden, die einen Ursprung für die bekannte Kieler Woche darstellt, hier hat der Segelwettbewerb begonnen, sich zu einem Volksfest zu erweitern. Mit dem vorherrschenden, extrem hohen Nutzungsdruck steht die Reventlouwiese im besonderen Interesse des Grünflächenamtes. Wir erwarten einen Entwurf, der das Wort Multicodierung in die Tat umsetzt und die Anlage als grün geprägten Freiraum dabei erhält.

Besonderer Knackpunkt in der vorbereitenden, öffentlichen Debatte ist der nördliche Teil der Kiellinie. Für diesen Abschnitt entlang des Düsternbrooker Fördehanges mit seinen Landschaftsschutzgebieten und zusammenhängenden, historischen Wald- und Parkanlagen werden im Wettbewerb zwei Alternativen entwickelt werden: die erste behält den motorisierten Individualverkehr bei, die zweite verzichtet darauf zugunsten einer Veloroute und viel Platz für öffentliche Freiraumnutzungen.

Der Wettbewerb wird als nicht offener freiraumplanerischer und städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit Ideenteilen für bis zu 15 Planungsteams ausgelobt.

Planung und Umgestaltung werden aus dem Förderprogramm "Lebendige Zentren" finanziert. Das Projekt wurde 2018 in das Förder-Programm 'Zukunft Stadtgrün' aufgenommen und 2021 in das neue Programm überführt.

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Abb. 8: Die zentralen Parkanlagen wurden durch Corona besonders beansprucht, aber auch besonders geschätzt: Das Wasserspiel ,Changing invisibility\' von Jeppe Hein im Hiroshimapark. Foto: Petra Holtappel
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Abb. 9: Das ‚Holstenfleet‘ als zentrale Freifläche in der Kieler Innenstadt ist fertiggestellt. Es wurde mit dem Deutschen Ingenieurpreis ausgezeichnet und hat eine Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitekturpreis erhalten Foto: Petra Holtappel

Gibt es neue spannende Projekte in Kiel?

Hier möchte ich beispielhaft die Alte Gleisharfe nennen. Im eng bebauten Stadtteil Ravensberg bietet sich die seltene Gelegenheit, eine ganz neue Grünfläche zu schaffen. Über viele Jahre hat die Natur das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes nahe der Universität erobert. Auf einem der ehemaligen Gleise wurde die erste Radroute der Landeshauptstadt Kiel eingerichtet, die Veloroute 10. Für Studierende und Menschen aus den angrenzenden Wohn- und Gewerbegebieten soll die kleine Grünfläche zu einem zentralen, attraktiven Ort werden.

Erstmals wurde aufgrund der Corona-Pandemie ein rein digitales Beteiligungsverfahren durchgeführt. Aus der Vielzahl der Ideen und Anregungen aus der Online-Beteiligung wurde ein Gestaltungskonzept abgleitet.

Auf dem schotterigen, trockenen Standort hatte sich ein Birkenwald angesiedelt. Er prägt gemeinsam mit einigen Relikten aus der Zeit als Güterbahnhof den Charakter des Ortes und soll erhalten bleiben. Neu geschaffen werden übergeordnete Fußwege sowie verschiedene behutsam eingefügte Aktions- und Erlebnisräume. Großzügige Sitzelemente, die auf den Gleisen wie abgestellte Bahnwaggons anmuten, bieten viel Platz zum Sitzen.

Die neue Grünanlage an der Veloroute 10 wird künftig ein naturnahes Erholungsangebot mit gezielten Aufenthalts und Bewegungsangeboten für Anwohner*innen, aktive und ruhebedürftige Menschen, inmitten einer besonderen Atmosphäre - zwischen Natur und alten Bahnrelikten bieten.

Frau Holtappel, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Fragen von Mechthild Klett

M. A. Mechthild Klett
Autorin

Stadt+Grün, Redaktionsleiterin

Patzer Verlag GmbH & Co. KG

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