Mainz

Gespendeter Garten für Flüchtlinge wurde von der Stadt zubetoniert

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Gepflasterter Schulhof auf dem ehemaligen Interkulturellen Garten, September 2017. Foto: Andreas Paul

Gemeinsam haben verschiedene Beteiligte aus Ehrenamt und privaten Firmen den Interkulturellen Garten an der Flüchtlingsunterkunft Elly-Beinhorn-Straße in Mainz gebaut. Die Planung und Ausführung des Interkulturellen Gartens fand im Rahmen einer experimentellen Bachelorarbeit von Viola Refghi im Studiengang Landschaftsarchitektur an der Hochschule Geisenheim University unter dem betreuenden Prof. Andreas Paul statt. Der Garten wurde im Zeitraum November 2015 - Januar 2016 realisiert (s. Stadt + Grün Nr. 2, 2016, S. 7).

Bei mehreren Koordinierungsgesprächen wurde das Konzept der Malteser Flüchtlingshilfe und den Mitarbeitern des Sozialdezernates vorgestellt. Nur durch die Beharrlichkeit von Viola Refghi konnte der Garten entstehen. Schon damals wurde sie durch die Malteser Flüchtlingshilfe und das Sozialdezernat nur widerwillig unterstützt.

Bewohner der Flüchtlingsunterkunft bauen am Interkulturellen Garten, Januar 2016. Foto: Andreas Paul

Viola Refghi gewann hingegen bei Unternehmen viele Unterstützer. Die Garten- und Landschaftsbaufirma, bei der sie schon arbeitete, spendete die gesamte bauliche Ausführung durch Mitarbeiter und Maschinen. Die Materialien für die Umbaumaßnahmen wurden bei verschiedenen Firmen angefragt und größtenteils gespendet sowie geliefert. Im Rahmen der Bachelorarbeit wurden Sachwerte von 50 000 Euro organisiert und in die Anlage gesteckt. Vom Baudezernat, dem Liegenschaftsamt, der Grundstücksverwaltungsgesellschaft der Stadt Mainz (GVG) und von der Wohnbau Mainz kam dann nach langem Verhandeln die Zustimmung zum Bau des Freiraums. Entstanden sind Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, ein kleines Beachvolleyballfeld, ein von Flüchtlingskindern bemalter Holzzaun als Einfriedung des Nutzgartens, der zum Teil von den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft eigenständig gebaut wurde.

Nach gut einem Jahr wurde die Unterkunft bestehend aus grauen Stahlcontainern, die von 250 Bewohnern genutzt wurde, geräumt und dem benachbarten Gymnasium Mainz Oberstadt zugeordnet. Es entstehen Unterrichtsräume und im gleichen Gebäude soll zusätzlich eine Kindertagesstätte untergebracht werden.

Bei dieser Maßnahme sind das Beachvolleyballfeld und der Nutzgarten zerstört und als Schulhof zugepflastert worden. Die Stadt Mainz ist nicht auf die Idee gekommen, die Einrichtungen in das Konzept der Schule oder der Kindertagesstätte zu integrieren, wo Umwelterfahrung zu moderner Bildung gehört. Offenbar haben die zuständigen Dezernenten für Bau, Bildungseinrichtungen und Umweltfragen nicht einmal das Gespräch mit ihren Fachleuten in den Ämtern und in der Schule gesucht. Es fehlt an Sensibilität, Kultur in der Kommunikation und Wertschätzung gegenüber engagierten Bürgern und Bürgerinnen. Die Stadt Mainz hat vermutlich schon damals gewusst, dass die Flüchtlingsunterkunft nicht lange bestehen wird. Die Spende über 50 000 Euro hätte sicherlich an anderer Stelle eine bessere Verwendung finden können.

Prof. Andreas Paul

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 11/2017 .

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