Kommentar

Wölfe zum Abschuss freigeben?

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Vor 150 Jahren wurde der Wolf in Deutschland ausgerottet. Heute lebt er längst wieder in Deutschland. Mit seiner Ausbreitung sind auch die Konflikte wieder da, verschärfen sich und es werden die Stimmen laut, die einfachere Abschüsse fordern. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Wolf erobert unaufhaltsam das Land zurück, genießt er doch den höchsten Schutzstatus.

Hoffentlich ist mittlerweile allen klar, dass von Wölfen keine Gefahr für Menschen ausgeht. Andererseits steht der strenge Schutz des Wolfes, und damit einhergehende Risse, der Nutzung von Schafen als Landschaftspfleger für den Naturschutz, aber auch für den Deichschutz entgegen. Und auch im Tierschutz besteht ein Zielkonflikt: Wolf oder Schaf, beide scheinen nicht koexistieren zu können.

Daraus kann man natürlich schließen, dass weniger Wölfe pauschal weniger Probleme verursachen und Abschüsse oder gar regelmäßige Bejagung gerechtfertigt sind. Doch so einfach kann man es sich nicht machen. Denn nicht die Anzahl der vorkommenden Wölfe ist entscheidend, sondern die Etablierung von Herdenschutzmaßnahmen (geeignete Zäune und Hunde). Sonst werden eingepferchte Kleintiere immer als leichte Beute gesehen. Um dem von vornherein vorzubeugen, empfehlen sich solche Maßnahmen auch bereits präventiv vor dem ersten Wolfsvorkommen. Es ist unabdingbar, dass die Politik deutschlandweit ausreichende Förderungen dafür bereitstellt und Nutztierhalter*innen mehr unterstützt werden.

Abgesehen davon sollte der Mensch nicht immer wieder in die Natur eingreifen. Der Wolf ist hier heimisch und ein natürlicher großer Beutegreifer, der auch das Wild in Schach hält, und damit wiederum Waldjungwuchs schützt. Eine Bejagung ist ökologisch und ethisch nicht tragbar und sowieso keine nachhaltige Lösung, der Wolf würde sich nicht so einfach dauerhaft verdrängen lassen. Außerdem ist unklar, wo ein günstiger Erhaltungszustand, also Untergrenze an Wölfen liegen sollte. Selbst wenn nur einzelne Abschüsse erleichtert werden sollen, besteht die Frage, wie ein verhaltensauffälliger "Problemwolf" einfacher identifiziert werden kann, sonst sind die Abschüsse rein willkürlich.

In jedem Fall sollten die Konflikte ernstgenommen werden, aber Tötungen das letzte Mittel bleiben, wenn Alternativen wie Vergrämungsmaßnahmen nicht wirken. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben, wir müssen lernen mit dem Wolf zu leben und mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten. Das sollte unabhängig vom Wolf gelten.

Julia Mende

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B.Sc. Julia Mende
Autorin

Landschaftsnutzung und Naturschutz

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