Mit richtiger Strategie Zeit sparen und Pflanzungen nachhaltig erhalten

Pflegestrategien: Staudenpflanzungen im öffentlichen Grün

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Pflanzenpflege Biodiversität
R-Pflegestrategie: Kurzlebige Stauden wie Sommerblumen erfordern offenen Boden und regelmäßige Pflegeeingriffe. Foto: Till Hofmann

Staudenpflanzungen erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Gerade auch im öffentlichen Grün gab und gibt es zahllose Neuanpflanzungen. Der Trend wird sicherlich stark unterstützt durch etablierte pflegereduzierte Bepflanzungskonzepte, welche nicht nur Planung und Umsetzung erleichtern, sondern auch eine Art Erfolgsgarantie vermitteln. Diese Entwicklung ist für Mensch und Kleintierwelt, einschließlich der Bienen, Schmetterlinge und anderer Insekten gleichermaßen erfreulich und hat noch großes Potenzial.

Als begrenzender Faktor zeichnet sich die Pflege ab. "Pflegereduziert" wird zu oft mit "pflegeleicht" verwechselt. Namentlich Mischpflanzungen, die ja natürliche Abläufe berücksichtigen und denen eine gewisse Selbstregulierungskraft zugesprochen wird, benötigen vergleichsweise wenig Pflege, diese muss dann dafür sehr zielführend sein! Rückschnitte müssen zur richtigen Zeit durchgeführt, Unkraut muss erkannt werden und das ist nicht trivial. Es braucht Leute mit Beobachtungsgabe, Einfühlungsvermögen und Spaß an ihrer Arbeit, um mit den unvermeidbaren mittelfristigen Veränderungsprozessen umgehen zu können. Diese müssen erkannt, bewertet und begleitet werden. Die gepflanzte Vielfalt sollte in ihrer dynamischen Entwicklung keineswegs sich selber überlassen werden. Versierte Gärtner mit guten Pflanzenkenntnissen mögen derartige Pflege mittels Intuition selbstständig und auf spielerischer Basis zeitsparend hinbekommen, alle anderen brauchen einen Plan. Im Folgenden sollen Pflegestrategien vorgestellt werden, wie sie im Weinheimer Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof entwickelt und dort viele Jahre angewendet wurden.

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Aus einer niedrigen Matrix aus Gräsern und Bodendeckerarten erheben sich durchs Jahr verschiedene Aspekte (hier Echinacea paradoxa und Penstemon barbatus), Dynamik ist eingeplant, daher dynamische Pflege. Foto: Till Hofmann
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Der hohe Anteil an Kurzlebigen und Sommerblumen in dieser Versuchsfläche im Hermannshof erfordert das aufwendige R-Pflegekonzept. Foto: Till Hofmann
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S-Pflegestrategie für stressbetonte Standorte. Halbsträucher erhalten in unserem Klima einen Formschnitt nach der Blüte um sie kompakt zu halten. Foto: Till Hofmann
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Die jahrzehntealte gruppierte Pflanzung im Sichtungsgarten Hermannshof wird per C-Pflegestrategie gepflegt. Foto: Till Hofmann

Pflegestrategien

Pflegestrategien stellen die Pflegemaßnahmen in einen langfristigen Zusammenhang. Planlose Pflege nach Schema F ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern gefährdet die Funktion einer Pflanzung und damit die gesamte Investition. Darum ist es selbstverständlich nötig, nicht nur die Pflanzung selber, sondern auch deren Unterhalt zu planen. Einflussfaktoren auf die Pflege gibt es einige, sie sollten bekannt sein:

Einflussfaktoren, welche die Pflege differenzieren

  • Der Standort/Lebensbereich der Pflanzung stellt mit seiner mehr oder weniger ausgeprägten Produktivität eine entscheidende Rahmenbedingung dar.
  • Die verwendeten Arten und Sorten und deren Ausbreitungsverhalten am Standort. Das potenzielle Konkurrenzverhalten (Strategietyp) einer Art kann an verschiedenen Standorten unterschiedlich zur Geltung kommen.
  • Der Pflanzungstyp (Pflanzanordnung): Noch nicht ausreichend bewusst sind die Konsequenzen, welche das Anordnungsmuster der Pflanzen auf der Fläche für ihren Unterhaltsaufwand nach sich ziehen. Es gibt diverse "Bepflanzungstypen", von denen einige statisch, andere dynamisch zu pflegen sind.

Statische Pflege

Konservativ bewahrende, also statische Pflege ist angebracht für jegliche Art der dekorativen Flächen- und "Flächenstrukturpflanzungen", auch für sogenannte "Block-" oder kleinräumigere "Mosaikpflanzungen", um deren Design längerfristig zu erhalten. Gestalterisch motivierte Gruppierungen und Muster müssen schließlich erkennbar bleiben. Das ist früher oder später immer nur durch Pflegeeingriffe machbar, je kleinteiliger und raffinierter die Muster, umso höher der Anspruch und der Aufwand. Für Einart- oder Monopflanzungen gilt der gleiche statische Ansatz. Sie müssen als Monofläche erhalten werden, die Pflanzen dürfen das ihnen zugedachte Areal keinesfalls verlassen, Zuwanderung ist verboten. Die wirtschaftliche Lebenserwartung statischer Pflanzungen mit Stauden ist oft begrenzt, da das Eingesperrt sein auf begrenzter Fläche der Natur der meisten Stauden nicht entspricht.

Dynamische Pflege

Anders verhält sich das bei dynamischen Bepflanzungstypen. Gerade eine "Mischpflanzung" in ihrer Reinform muss nur subtil in Form gehalten werden. Innerhalb der verwendeten Arten in ihren spezifischen Funktionen darf der freie (allerdings bereits in der Mischung eingeplante) Wettbewerb darüber entscheiden, was wo wächst. Eine Mischpflanzung darf sich viel stärker dynamisch entfalten, als eine gruppierte. Der ständige Aufwand, die sich streitenden Pflanzgruppen auseinander zu halten, fällt weg. Das Ziel ist die langfristige Weiterentwicklung einer Pflanzengemeinschaft durch Einbeziehung des Prozesshaften. Konkurrenz und Stressfaktoren werden bewusst nicht eliminiert, sondern genutzt! Dadurch ist mit deutlich reduziertem Pflegeaufwand (weniger Minuten/Quadratmeter) zu rechnen, aber es braucht dafür gut motivierte und geschulte Gärtner mit Selbstbewusstsein, denn das Resultat der Pflegeeinsätze ist bei dynamischer Pflege auf den ersten Blick weniger auffällig.

Wichtig ist Klarheit darüber, was zu tun ist

Ob nun statisch oder dynamisch gepflegt werden soll oder in einer zu definierenden Mischform, bedarf unbedingt der Klarstellung, bevor mit der Arbeit begonnen wird! Unsicherheit und Unklarheit sind die größten Motivationskiller für Pflegekräfte! Ohne erkennbare und überschaubare Aufgaben ist eine zielführende Fachpflege nicht denkbar, regelmäßige Kommunikation über Ziele und Vorgehensweisen helfen. Empfehlenswert ist ein Pflegeplan.

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Bewusst gepflanzte Gruppierungen sollten erhalten werden: Statische Pflegemethode. Foto: Till Hofmann
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C-Pflegestrategie: Dicht geschlossene Bestände aus konkurrenzstarken Hochstauden brauchen nur wenige Pflegeingriffe. Foto: Till Hofmann

Strategien für eine dynamische Pflege

Gerade noch ungeübte Gärtner sind schnell überfordert, wenn sie vor einer ihnen noch nicht vertrauten Pflanzung stehen, die sie pflegen sollen. Fragen kommen auf: "Was ist Pflanze - was ist Unkraut?" Das muss unbedingt geklärt sein, an einer soliden Pflanzenkenntnis führt kein Weg vorbei. Wie gehe ich mit Selbstaussaat um? Dürfen sich die Pflanzen gegenseitig bedrängen? Muss gewässert werden oder wie gut kommen die verwendeten Arten mit Trockenheit, Schatten und anderen Stressfaktoren zurecht? Wie reagieren sie auf Störungen, etwa auf pauschal geführte, maschinelle Rückschnitte? Kurzum, wie verhalten sich diese Pflanzen und was kann ich ihnen zumuten? All diese Fragen lassen sich natürlich mit langjähriger Erfahrung beantworten. Man kann aber auch vieles ableiten aus dem Strategietypenmodell von Grime. Dort werden Pflanzen, also auch Stauden, nach ihren genetisch festgelegten Grundverhaltensmustern zusammengefasst und in einem dreipoligen Modell dargestellt, so dass man statt vieler Arten nur noch wenige Gruppen mit vergleichbaren Verhaltensmustern betrachtet. Dieses Hintergrundwissen steckt in den im Folgenden skizzierten Pflegestrategien: R-Pflegestrategie, C-Pflegestrategie, S-Pflegestrategie und CSR-Pflegestrategie.

Diese gehen im besonderen Maße auf alters- und entwicklungsbedingte Unterschiede von Pflanzungen ein. Sie beinhalten jeweils einen Komplex an typischen Tätigkeiten, geleitet durch den Grundsatz, bestimmte Entwicklungen zu fördern oder zu hemmen. Da es stets darum geht das prozesshafte mit einzubeziehen eignen sich diese Pflegestrategien besonders für dynamisch konzipierte Pflanzungen.

Die Grundthese: Die Pflege und -Intensität dynamischer Staudenpflanzungen wird entscheidend geprägt durch die vorherrschende Konkurrenzstrategie der verwendeten Arten und deren Anteil an der Gesamtfläche.

So werden den drei Hauptstrategietypen R - C - S (nach Grime), sowie der relativ häufig zu gebrauchenden Mischform C-S-R passende Pflegekonzepte zugeordnet.

  • R- Pflegestrategie
  • C- Pflegestrategie
  • S-Pflegestrategie
  • C-S-R-Pflegestrategie

Bestimmte Entwicklungen werden jeweils gefördert beziehungsweise gehemmt.

R-Pflegestrategie für Pflanzungen mit Ruderalcharakter

Ziel: Maximale Entwicklung der Kulturpflanzen, rascher Ertrag an Grünmasse und Blüten.

Prinzip: Wachstum anregen und konsequent fördern (Stress vermeiden), Konkurrenz aktiv ausschalten.

Anwendung: Empfehlenswert an Orten, wo in erster Linie ein rasches und blumenreiches Ergebnis zählt:

  • Im Schnittblumenanbau in Analogie zum Gemüseanbau
  • Als Übergangslösung während der Fertigstellungspflege bei Neupflanzungen (Alternative zum Mulchen)
  • Bei statischen Bepflanzungstypen und in historischen Anlagen
  • Für anspruchsvolle gemischte Rabatten und "English Borders"
  • Wann immer kein Plan besteht, wird ungesagt in der Regel nach dieser "Strategie" gepflegt

Die Pflanzen werden regelmäßig vitalisiert, also mit Wasser und Nährstoffen versorgt und mittels gezielten Eingriffen (Störungen) konsequent vor Konkurrenz und Stress geschützt. Hierfür wird der Boden mit Werkzeugen gelockert und "sauber", also frei von spontanem Bewuchs gehalten. Die Unkrautbekämpfung auf offenem Boden muss häufig und regelmäßig erfolgen, da sich durch die Eingriffe (Störungen) während der Wachstumszeit immer wieder aufs Neue ruderale Unkräuter etablieren, die regelmäßig entfernt werden müssen.

Für anspruchsvolle gemischte Rabatten im Lebensbereich Beet kann diese altbewährte, aber arbeitsintensive Methode sinnvoll sein. Anders in extensiveren dynamischen Pflanzungen: hier ist der hohe regelmäßige Aufwand unwirtschaftlich und nicht zielführend.

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Das zufällige Verteilungsmuster besteht aus einem Artengemisch, das im Vorfeld nach pflanzensoziologischen Erkenntnissen sorgfältig komponiert wurde. Veränderungen sind eingeplant, die Pflege ist daher dynamisch. Abbildung: Fine Molz
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Das fleckenartige Verteilungsmuster in Gruppen muss durch die Pflege statisch erhalten werden. Abbildung: Fine Molz
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Das klassische Gestaltungsschema für Rabatten gruppiert in ein raffiniertes kleinteiliges Muster. Die Pflege muss diese ± statisch erhalten, was Zeit und Erfahrung erfordert. Abbildung: Fine Molz
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Zwei Einart-Bestände durchdringen sich. Was naturnah aussieht bedarf einer ­subtilen Pflege, die den dynamischen Prozess der Durchdringung quasi statisch erhält. Abbildung: Fine Molz

Typische R-Pflegemaßnahmen

  • Schutz der Kulturpflanzen vor Konkurrenz (konsequente Unkrautbekämpfung, Vermeidung von Konkurrenz auch innerhalb der gepflanzten Arten)
  • Offenhalten des Bodens durch regelmäßige Bodenbearbeitung (gezielte Störungen durch Lockern). Das bedeckt den Boden mit einer lockeren Krume, bekämpft Unkrautsämlinge und fördert die Nährstoffverfügbarkeit
  • Regulierung durch Rückschnittmaßnahmen während der Vegetationszeit (Störungen)
  • Regelmäßiges wässern und düngen

C-Pflegestrategie für konkurrenzstarke Pflanzungstypen

In Abgrenzung zur R-Strategie wird hier auf Störungen weitgehend verzichtet: Keine Bodenbearbeitung, kein Hacken, um Unkrautsämlingen keine Entwicklungsmöglichkeit zu verschaffen. "Offenen Boden" gibt es nicht, der Boden wird gemulcht, um das Auflaufen von unerwünschten Sämlingen einzudämmen und den Wasserhaushalt zu verbessern.

Ziel: Konstante, dichte Dauerbestände aus robusten und konkurrenzstarken Dauerstauden bei verringertem Pflegeaufwand

Prinzip: Konkurrenz nutzen und zulassen, Unkraut durch Bestandsdichte und Mulch unterdrücken, Wachstum bei Bedarf anregen, Störungen vermeiden

Anwendung: Für starkwüchsige Dauerpflanzungen auf produktiven Standorten (guten und mittleren Böden). Geeignet sind nur Standorte mit ausreichender Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit, sonst sollte an Bewässerung in Trockenperioden gedacht werden. Besonders in den Lebensbereichen frische Gehölzränder (GR2-3), frische bis feuchte Freiflächen (Fr2-3) mit den sich dort anbietenden Hochstaudenfluren und hohen Präriewiesen werden wüchsige Dauerstauden gefördert ("Ellenbogen-Pflanzen gewinnen lassen"). Die dürfen einen dichten Bestand bilden, der von alleine den Spontanaufwuchs unterdrückt.

Typische C-Pflegemaßnahmen

Beim winterlichen Räumschnitt kann das Pflanzenmaterial gehäckselt als Mulchschicht auf der Fläche verbleiben, um den Boden zu schützen und Nährstoffe zurückzuführen (Kreislaufsystem). Durch den geschlossenen Nährstoffhaushalt wird der Boden langfristig verbessert.

Ruderale Ausbreitungsstrategien (Versamung) werden durch die C-Pflegestrategie gehemmt, hingegen werden alterungsfähige, große Horste bildende und Ausläufer treibende Arten gefördert.

Da Wurzelunkräuter durch diese Pflegemethode nicht gehemmt werden, sind diese gründlich zu bekämpfen!

S-Pflegestrategie für Pflanzungen auf Extremstandorten

Neben traditionellen Beeten und kurzfristigen Einjährigenfluren mit ihrer störungsintensiven R-Pflegestrategie und den dichtwüchsigen Hochstaudenfluren mit störungsarmer C-Strategie gibt es eine Reihe von Pflanzkonzepten, die aus einem hohen Anteil stresstoleranter Arten bestehen, schon weil ihre Standorte nichts anderes zuließen.

Ziel: Konstante Dauerbepflanzungen aus überwiegend wintergrünen, schwächer wüchsigen Standortspezialisten an ihrem spezifischen Standort. Reduzierter Pflegeaufwand

Prinzip: Stresstolerante Dauerstauden werden gefördert. Entscheidend ist eine passende Standortwahl. Die gegebenen oder künstlich geschaffenen und verstärkten Wachstumsbeschränkungen des Standortes werden so genutzt, um eine glaubwürdige standortgerechte Vegetation zu erhalten. Die Pflege muss auf Dauer Spontanaufwuchs und Verdrängung durch wuchsstärkere Konkurrenten verhindern.

Anwendung: für unproduktive Sonderstandorte, gerade die Lebensbereiche, welche die "Extremstandorte" beschreiben, benötigen ein daran angepasstes Vorgehen:

  • Alpinum (A)
  • extensive Dachbegrünung
  • Felssteppen (FS)
  • Steppenheideflächen (SH)
  • Heideflächen (H)
  • besonders trockene Präriewiesen (SH /Fr1)
  • trockene Freiflächen (Fr1)
  • trockene Gehölzbereiche (G1)
  • Moorbereiche und Wasserflächen

Differenzierung ist unbedingt nach Stressfaktor nötig! Die Lebensbereiche (nach Hansen/Stahl) geben hierzu die nötigen Informationen.

Typische S-Pflegemaßnahmen

  • Ressourcenverknappung: Abmagerung des Bodens
  • Keine Wasser- und Nährstoffgaben
  • Mulchen des Bodens mit nährstoffarmem Material
  • Vermeidung von Störungen: keine Bodenbearbeitung
  • Unkrautkontrolle durch Jäten und Überschütten mit mineralischen Mulchstoffen.

Schnittgut wird, soweit es anfällt, abgerecht oder ausgeblasen und abgefahren. Es fällt wenig Biomasse an, da es sich überwiegend um kleinere, oft immergrüne Pflanzen handelt.

In Schattenflächen mit Wurzeldruck differieren einige Maßnahmen: Hier wird meist nicht ausgehagert, Falllaub etwa bleibt hier liegen und bei extremer Sommertrockenheit wird entgegengewirkt.

CSR-Pflegestrategie für störungstolerante Pflanzungen auf mäßig produktiven Standorten

Ziel: Naturnahe, wiesenähnliche und extensive Staudenvegetation, bei einfach zu delegierendem und maschinengestütztem, pflegereduziertem Aufwand.

Prinzip: Bei hoher Dynamik innerhalb des Bestandes werden die Flächenzusätzlich zum winterlichen Räumschnitt in der Regel einmal jährlich während der Vegetationszeit gemäht, was remontierfähige Stauden und flachwachsende Rosetten- und mattenbildende Stauden fördert.

Anwendung: Für mäßig produktive Daueflächen mit Blütenschwerpunkt in der ersten Jahreshälfte (Blumenwiesen und Säume).

Während C- und S- Pflegestrategie dem Ziel einer reifen, wenig gestörten Dauerpflanzengemeinschaft verpflichtet sind, zielt die "CSR-Pflegestrategie" auf mähbare Staudenwiesen oder krautreiche Säume, besonders solche auf relativ nährstoffarmen Böden.

Situationen, in denen extensive Dauerstaudenflächen mit regelmäßigen Störungen, vor allem regelmäßiger Mahd, einhergehen. Ein Beispiel sind wiesenartige Staudenpflanzungen mit Sommerschnitt (Frühsommerblüher wie Geranium (Storchschnabel), Alchemilla (Frauenmantel) oder Wild-Taglilien Hemerocallis.

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Wiesenartige Pflege (C-S-R-Strategie): Beim Räumschnitt wird hier das Mähgut abgefahren. So bleibt die Fläche artenreicher. Foto: Till Hofmann
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Quantitativer Pflegebedarf verschiedener Pflanzkonzepte Pflegestufen 1–3, (Sortierung nach Mittelwerten von 2000–2009). Abb.: Till Hofmann

Typische CSR-Pflegemaßnahmen

  • Zweimaliges Mähen, davon einmal während der Vegetationsperiode
  • bei Entnahme des Schnittgutes: Abmagerung des Bodens, Tendenz in Richtung S
  • bei Belassen und Kleinhäckseln des Mähgutes: Nährstoffanreicherung und Förderung wuchsstärkerer Arten: Tendenz Richtung C-Strategie

Die Anwendung der Pflegestrategien lässt sich auch in der Pflegeintensität ablesen, wie folgende Grafik zeigt. Sie zeigt die gemittelten Werte aus zehn Jahren Pflegeaufzeichnung (Hermannshof Weinheim). Es zeigt sich deutlich, dass R-Pflege (14,7 Min/m²/a) am zeitaufwändigsten, S-Pflege (5,2 bzw. 3,3 Min/m²/a) am passenden Standort am günstigsten und die C-S-R-Pflege mit der C-Pflege dazwischen liegt. C-S-R liegt mit 5,6 Min/m²/a etwas günstiger als die C-Pflege (9,1-11,2 Min/m²/a).

Fazit

  • Nur angepasste, differenzierte Pflege weist in die Zukunft
  • Pauschale Pflegemethoden können weder der Vielfalt noch der Dynamik gerecht werden und sie sind teuer! Wer nichts anders plant, landet ungesagt oft bei der R-Pflege
  • Differenzierter Umgang mit dynamischen Vegetationsflächen in ihren Entwicklungsphasen ist durch Pflegestrategien gut erklärbar (in Anlehnung an die pflanzlichen Konkurrenzstrategien nach Grime)
  • R-, C-, und S- und CSR-Pflegestrategie stellen Maßnahmenpakete dar, um verschiedenartigste Pflanzungen aller Altersstufen mit möglichst geringem Aufwand in die jeweils gewünschte Entwicklungsrichtung zu begleiten. Die R-Pflegestrategie ist zur Erhaltung an sich kurzlebiger Konzepte und für naturferne, statische Bepflanzungstypen angebracht, während die C- und S- Pflegestrategie vorwiegend für das Pflegemanagement extensiver Bepflanzungstypen wie Mischpflanzungen geeignet sind, deren Ausrichtung ein hohes Maß an Dynamik beinhaltet. Spezifisch für wiesenartige Bestände, die einen Sommerschnitt brauchen, ist die CSR-Pflegestrategie.
 Till Hofmann
Autor

Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof

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