Würzburger Stadtklima

Warum die Stadt nachts heiß bleibt

Am 30.07.2018 war es gegen 22.00 Uhr am grünen Ortsrand rund 5,4 Grad Celsius kühler als in der Würzburger Innenstadt. Foto: Pegasus2, eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Drei Jahre lang werden das Würzburger Stadtklima und die Lebensbedingungen der Stadtbäume genau unter die Lupe genommen: Im Forschungsprojekt "Klimaerlebnis Würzburg" kooperiert die Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit der TU München im Rahmen des Zentrums für Stadtnatur und Klimaanpassung. Bei dem Projekt wird unter anderem gemessen, ob die Stadtbäume über genug Wasser verfügen oder wie viel CO2 sie speichern. Alle Interessierten können die Messwerte in Echtzeit über das Internet abrufen unter www.klimaerlebnis.de.

Dort lässt sich zum Beispiel sehen, dass es einer Linde, die im Ringpark nahe der Residenz steht, in Sachen Wasserversorgung aktuell nicht so gut geht. Oder dass sie seit Jahresbeginn 3,9 Kilogramm CO2 gespeichert hat. Auch wie viel Wasser sie pro Stunde verdunstet und um wie viel kühler es direkt unter dem Baum ist als in der Umgebung, lässt sich von der Website ablesen.

Der Juli 2018 ist sehr heiß verlaufen; vielerorts wurden die Monatsrekorde gebrochen. Spitzenreiter war am Dienstag, 31. Juli, die Kreisstadt Bernburg in Sachsen-Anhalt mit 39,5 Grad Celsius. Aber auch in Unterfranken war Schwitzen angesagt: In Kitzingen zum Beispiel zeigte das Thermometer 39 Grad Celsius an.

Auch in Würzburg war es in den vergangenen Tagen sehr heiß. Hier haben die acht Messstationen des Forschungsprojekts "Klimaerlebnis Würzburg" Daten gesammelt. "In der Würzburger Innenstadt haben wir am 30. Juli und am Tag danach Spitzenwerte von 36,6 und 37,0 Grad Celsius gemessen", sagt Paeths Doktorand Christian Hartmann. "Das ist zwar bei weitem nicht auf dem Niveau des Rekords mit 39,4 Grad vom 7. August 2015, für einen Sommertag jedoch schon sehr beachtlich." In der Hitze fiebern viele Menschen den Abendstunden entgegen, wenn die Luft langsam wieder abkühlt und sie die Wohnung noch einmal richtig durchlüften können.

Dann aber stellt so mancher enttäuscht fest, dass die Luft draußen bei weitem wärmer ist als gedacht. Besonders in den frühen Nachtstunden geben Asphalt, Steine und Beton die gespeicherte Wärme wieder ab. Deutlich zeigte sich das beispielsweise am Montag (30. Juli 2018): Gegen 22.00 Uhr war es am grünen Ortsrand der stadtnahen Gemeinde Gerbrunn rund 5,4 Grad Celsius kühler als in der Würzburger Innenstadt. Dabei liegen die beiden Messstationen nur etwa vier Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Robert Emmerich, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 09/2018 .

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