Dargestellt am Beispiel der Bau AG Kaiserslautern

Konzept für den Umbau von innerstädtischen Baumbeständen

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Abb. 1: Übersicht der Wohnanlagen der Bau AG innerhalb des Stadtgebietes Kaiserslautern. Abbildung: Sachverständigenbüro Leitsch

Urbane Baumbestände weisen eine Vielzahl von Wohlfahrtswirkungen auf. Sie verbessern das Stadtklima und die Luftqualität, bieten Lebensraum für Tiere, entlasten die Kanalisation durch Wasserspeicherung, dienen als Wind- und Lärmschutz und tragen zur Raumgestaltung und Naherholung bei. Umso wichtiger ist es, den Bestand langfristig zu erhalten und in seinem Aufbau und Zusammensetzung zielgerecht zu entwickeln. Dafür benötigt es neben einer klaren Definition, was sich der jeweilige Baumeigentümer als Zielstellung setzt, auch eines Fahrplanes, wie er seine Zielstellungen erreicht.

Auf Grund der hohen Lebenserwartung der Bäume müssen entsprechende Konzepte langfristig aufgestellt werden. Entsprechende Pflege- und Entwicklungskonzepte liegen aktuell nur bei wenigen Baumeigentümern im urbanen Bereich vor. Meistens ersetzen die Kontrollen bezüglich der Verkehrssicherheit und die damit verbundene Ausweisung von baumpflegerischen Maßnahmen die systematische langfristige Planung. Mit den zunehmenden Anforderungen an urbane Baumbestände kommen diese Maßnahmenübersichten jedoch naturgemäß an ihre Grenzen. Letztlich sind die Ergebnisse der Baumkontrollen nur eine Übersicht für notwendige Maßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Jedoch begehen mit den Kollegen und Kolleginnen der Baumkontrolle jährlich Fachpersonal den Baumbestand und kann hier auch mittel- und langfristige Maßnahmen zur Entwicklung des Baumbestandes empfehlen und ausweisen.

Grundlage dafür sind neben technischen Lösungen wie digitale Baumkataster vor allem eine klare Beantwortung der Fragen, wohin sich der Baumbestand entwickeln soll. Dies steht auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Alters der urbanen Baumbestände, den erhöhten Ansprüchen an die Gestaltung und den Wert von Außenanlagen als auch den Herausforderungen durch die Veränderungen des Stadtklimas.

Entwicklungskonzepte für Baumbestände

  • gestalterische Wirkung/Charakter
  • Funktion der Bäume
  • Zusammensetzung der Baumarten
  • Dichte des Baumbestandes

Mit einem Entwicklungskonzept für Baumbestände in Anlehnung an die Forsteinrichtung im Kommunal- und Staatswald und die Umsetzung über die jährliche Baumkontrolle können hier aber auch neue Wege im urbanen Bereich beschritten werden. Grundsätzliches Ziel ist es, eine sinnvolle und bewusste Steuerung des urbanen Grüns aufzuzeigen und mittel- und langfristig Baumbestände zielgerecht zu entwickeln.

Im ersten Schritt werden hierbei die naturräumlichen Grundlagen am jeweiligen Standort ermittelt. In die Betrachtung fließen die Elementen Boden, Topographie, Wasser und Klima ein. Dazu zählen Parameter wie die durchschnittliche Regenmenge, Durchschnittstemperatur oder vorherrschende Bodenarten. Außerdem finden die rechtlichen Grundlagen wie spezielle Baumschutzsatzungen Berücksichtigung.

Nach der Grundlagenermittlung folgt eine Einteilung des gesamten Baumbestandes unter den Aspekten Altersstruktur, Baumartenverteilung, Vitalitätsansprache und Pflegezustand in Bestandstypen. Dafür werden alle Bäume erfasst und Bestandstypen zugeordnet. Für eine sinnvolle Unterteilung werden folgende Attribute berücksichtigt:

Für alle Bestandstypen wird eine mittelfristige Planung festgelegt, um zukünftig eine ausgewogene Baumartenzusammensetzung und Altersstruktur zu ermöglichen. Dabei soll die Baumartenzusammensetzung der Zielsetzung entsprechen. Auf das Beispiel der Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur bezogen, soll zum Beispiel der Anteil von Trockenstress toleranteren Baumarten erhöht werden. Dies kann naturgemäß nicht in einer ad-hoc Maßnahmen erreicht werden, sondern es bedarf einer nachhaltigen Planung. Als nachhaltig wird hierbei die Grundlage bezeichnet, dass stets eine vergleichbare Menge an Bäumen in allen Altersgruppen vorhanden ist. Zur Bestimmung der Möglichkeiten zum Umbau wird für jeden Bestandstyp ein Zielalter bestimmt, das der normal zu erwartenden Nutzungsdauer des Baumbestandes in Bezug auf sein Umfeld entspricht. Mit Hilfe der Baumanzahl und des Zielalters kann errechnet werden, wie viele Bäume jedes Jahr entnommen bzw. gepflanzt werden müssen, um das Zielalter des Bestandtyps zu erhalten. Wichtig ist es, an dieser Stelle zu unterstreichen, dass es sich hierbei um ein Modell handelt. Es sollen und werden keine Bäume auf Grund ihres Alters entnommen oder zur Fällung ausgewiesen. Idealerweise erfolgt der Ansatz auf einer Zehnjahresplanung. Somit können auch Sondermaßnahmen, wie nach Sturm oder größere Rodungsmaßnahmen für Baumaßnahmen o.ä., mit budgetiert werden.

Beispiel Bestandstyp x

Zielalter Baumbestand = 100 Jahre

Baumanzahl Bestandstyp x = 1 500 Stk.

1500

100 = 15 Stk./Jahr Entnahme bzw. Neupflanzung

Auch hier muss einschränkend gesagt werden, dass nicht 15 Bäume pro Jahr zwangsweise entnommen werden sollen. Mit dem Ansatz von 15 Bäumen/Jahr oder 150 Bäumen/Jahrzehnt steht der Planung ein Ansatz zur Verfügung, wie viele Bäume zum Beispiel für die Anpassung des Baumbestandes an den Klimawandel entnommen werden können ohne die Nachhaltigkeit zu verletzen. Ob und welche Bäume in der Anlage entnommen werden, richtet sich nach der Zielsetzung, dem Zustand und der Zusammensetzung des Bestandes.

Nach Zuordnung der einzelnen Baumbestände in Bestandstypen wird nun ein Werkzeug benötigt, um den einzelnen Baum nach vorgegebenen Kriterien zu bewerten. Die Bewertungskriterien werden an jeden Baum auf Grundlage der Erhaltungsfähigkeit (Vorschädigung) und Erhaltungswürdigkeit (Gestaltung, Ökologie, Standort) vergeben. In jeder Kategorie können maximal 5 Punkte vergeben werden, wobei die Punktzahl 1 den schlechtesten Wert und fünf das Optimum aufzeigt. Die Kriterien werden vor der Erfassung definiert und dann während der Kontrolle auf jeden Baum angewendet. Die Punkte sind nicht dauerhaft festgelegt und können sich im Lauf der nächsten Kontrollzyklen verschieben, da sich auch der Baum und sein Umfeld stetig verändern.

Abschließend werden beide Betrachtungen in einer Entscheidungsmatrix zusammengeführt und Maßnahmenempfehlungen ausgesprochen. Zunächst wird eine Übersicht über die Verteilung des Baumbestandes sowohl auf die Bestandstypen als auch auf die Bewertungskriterien erstellt. Anschließend wird eine Wichtung der Kriterien für die einzelnen Bestandstypen festgelegt, je nach deren Planungszielen. Mit Hilfe der Entscheidungsmatrix und der ermittelten Altersstruktur können dann die tatsächlichen konzeptionellen Fällungen für die folgenden Jahre ermittelt und gezielt Bäume für die Entnahmen beziehungsweise Neupflanzungen aufgezeigt werden. Letztere erfolgen nach einer genauen Prüfung auf Standort-, Baumarten- und Klimaeignung.

So soll mittel- und langfristig ein nachhaltiger Baumbestand entwickelt werden, der sich durch geringe Vorschäden, eine hohen Baumartendiversität und eine optimale Altersstruktur, das heißt idealerweise eine gleiche Ausstattung in jeder Altersklasse, auszeichnet. Als kurzfristige Zielsetzung gilt überall die Herstellung der Verkehrssicherheit gemäß ZTV Baumpflege inklusive der Entnahme von nicht verkehrssicheren Bäumen anhand der vorangegangenen Baumkontrollen.

Das Beispiel der Bau AG Kaiserslautern

Von rund 55 600 Wohnungen in Kaiserslautern betreibt die Bau AG einen Anteil von 5080 Einheiten. Damit wohnen von den ca. 97 660 Einwohnern rund 11.000 Bürger in Mietswohnungen der Bau AG. Das entspricht etwa 10,8 Prozent der Einwohner.¹

Die Gestaltung und Erhaltung des Wohnungsumfeldes spielen bei dem Unternehmen eine wichtige Rolle. Fast alle Wohneinheiten verfügen über eine zugehörige Grünfläche in Form von kleinen Parks, Innenhöfen, Mietergärten, Spielplätzen oder begrünten Vorgärten. Nach Angaben der Bau AG gibt es über 150.000 Quadratmeter Rasenfläche und 100.000 Quadratmeter Pflanzfläche zu pflegen. Hinzu kommt ein umfangreicher Baumbestand bestehend aus 2926 Bäumen, verteilt auf 122 Liegenschaften.

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Abb. 2: Altersstruktur Baumbestand Bau AG (Stand Feb. 2018). * Zur Idealverteilung der Altersklassen in einem Baumbestand gibt es bislang noch keine gesicherten Daten. Hier bedarf es weiterer Untersuchungen. Abbildung: Sachverständigenbüro Leitsch

Bewertung des gesamten Baumbestandes

Die Baumartenzusammensetzung ist relativ breit gefächert, wobei sich acht Hauptbaumarten hervorheben. Hierzu zählen die Hainbuche, Buche, Birke, Eiche, Amerikanische Roteiche, Winterlinde, Spitzahorn und die Platane. Mit einem Anteil von 36 Prozent (1063 Stk.) weist der Baumbestand weitere 90 Baumarten auf. Es kann demzufolge von einer großen Baumartenvielfalt gesprochen werden.

Die Vitalität des gesamten Baumbestandes kann als positiv bewertet werden. 38 Prozent (1106 Stk.) der Bäume weisen eine sehr gute Vitalität auf und befinden sich in der Explorationsphase. Weitere 54 Prozent (1587 Stk.) der Bäume zeigen erste schwache Störungen in der Vitalität und werden der Degenerationsphase zugewiesen. Lediglich ein Anteil von 8 Prozent befindet sich in der Stagnation- beziehungsweise Resignationsphase.

Die Altersspanne des Baumbestandes reicht von 1 bis 141 Jahren. Es befinden sich 11 Prozent des Baumbestandes in der Jugendphase, 73 Prozent in der Reifephase und 16 Prozent in der Alterungsphase.

Der gute Pflegezustand zeigt, dass in den vergangenen Jahren der Baumbestand regelmäßig und fachgerecht geschnitten wurde. Bei einigen Objekten ist ein sehr dichter Baumbestand vorzufinden.

Festlegung der Bestandstypen

Auf Grundlage der Aspekte gestalterische Wirkung/Charakter, Funktion der Bäume, Zusammensetzung der Baumarten und Dichte des Baumbestandes der Bau AG lässt sich der Gesamtbestand in sechs Bestandstypen für die Flächen einordnen.

  • Wohnbegleitgrün
  • Mietergärten
  • Innenhof
  • Straßenbegleitgrün
  • waldähnlich
  • geschlossene Einheit

Die Größe der einzelnen Gebiete, sowie die Baumanzahl pro Bestandstyp spielt hierbei keine Rolle, sodass gleiche Typen sich in ihrer Dimensionierung stark unterscheiden können. Den einzelnen Wohneinheiten und ihren Bäumen wurde im Kataster jeweils der entsprechende Typ zugewiesen.

Am Beispiel des Wohnbegleitgrüns, mit 65 Prozent der anteilig größte Typ, soll hier die Charakterisierung und mittelfristige Zielsetzung eines Bestandstyps verdeutlicht werden.

Das Wohnbegleitgrün umfasst aufwertende Rahmenpflanzungen rund um die Bebauung, die stark durch ihre sowohl gestalterische, repräsentative als auch abschirmende Funktion definiert ist. Die Baumbepflanzung setzt sich aus Baumreihen beziehungsweise Alleen, Solitär, Baumgruppierungen und Rahmenpflanzungen zusammen. Die Baumartenzusammensetzung besteht aus verschiedenen Laubbäumen, mit einem geringen Anteil an - im Stadtbild - seltenen Baumarten und speziellen Baumsorten. In Teilbereichen kann ein starker Dichtstand bzw. Kronenschluss vorliegen, vor allem in den abschirmenden Randbereichen. Andererseits gibt es auch Teilflächen mit lockerer Bepflanzung.

Die abwechslungsreiche Struktur aus Solitär, Reihen- und Gruppenpflanzungen kann erhalten bleiben. Die vielfältige Artenzusammensetzung soll nicht nur bestehen bleiben, sondern wenn möglich noch stärker ausgebaut werden. Um dem engen Baumbestand entgegenzuwirken, werden einzelne Bäume mit einer schlechten Gesamtbewertung entnommen. Dies bietet den angrenzenden Bäumen ausreichend Raum, um zu wachsen und einen ansprechenden Habitus zu entwickeln. Baumpflanzungen, die zu einer starken Verschattung von Mietwohnungen führen, werden sukzessive entnommen.

In den abschirmenden, dichteren Randbereichen sollen ausgewiesenen Zielbäume gefördert und der Baumbestand aufgelockert werden. Ansprechende Bäume, die den gestalterischen Aspekt unterstützen, gilt es zu erhalten. Gesamtziel ist der Aufbau und Erhalt Ortsbild prägender, sicherer, pflegearmer und für den Klimawandel angepasster Solitärbäume und Baumgruppen. Darüber hinaus ist auch bei der Baumauswahl für Nachpflanzungen der repräsentative Aspekt zu berücksichtigen.

Altersstruktur der Bestandstypen

Eines der vorrangigen Ziele dieses Konzeptes ist der Aufbau einer optimalen Altersstruktur des Baumbestandes. Nach Auswertung der Daten für den Baumbestand der Bau AG ergibt sich eine suboptimale Altersstruktur. Der Bestand setzt sich vor allem aus Bäumen der Altersklasse 21-40 zusammen und nimmt dann kontinuierlich mit höherem Alter ab. Auch die Jungbäume in der Altersklasse 0-10 weisen einen geringen Bestand auf. Wenn diese Struktur so weitergeführt wird, ergibt sich in 50 Jahren ein Bild aus Bäumen überwiegend in der Alterungsphase (Abb. 2). Bei Entnahme und Ausfall dieser Klasse weist der Bestand nur wenig jüngere Bäume auf, die den Verlust ausgleichen können.

Um die Altersstruktur zu verbessern und eine nachhaltige Entwicklung aufzubauen, kann mit Hilfe des Konzeptes in den Baumbestand eingegriffen werden. Für den Bestandstyp Wohnbegleitgrün wird eine rechnerische Altersstruktur von 100 Jahren herangezogen. Es werden im Durchschnitt befriedigende Standorte mit viel offener Fläche angeboten und der Baumbestand ist durch seine Lage weitestgehend vor Schädigungen geschützt. Durch seine vielfältige Baumartenzusammensetzung und einem hohen Anteil von Klimaxbaumarten wie zum Beispiel Eiche, kann von einem höheren Durchschnittsalter ausgegangen werden. Bei einer Anzahl von 1910 Bäumen in diesem Bereich ergibt sich eine jährliche Entnahme beziehungsweise Neupflanzung von 19 Stück zur Sicherung der Nachhaltigkeit. Welche Bäume genau entnommen werden sollten, wird in einem nächsten Schritt ermittelt.

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Abb. 3: Übersicht Bewertung Standortsituation. Abbildung: Sachverständigenbüro Leitsch

Auswertung Baumbestand nach Bewertungskriterien

Aus der Bewertung jedes Baums hinsichtlich der vier Kriterien Gestaltung, ökologische Bedeutung, Standorteignung und Vorschäden mit maximal fünf Punkten ergibt sich für den Gesamtbaumbestand ein sehr positives Bild. Bei der gestalterischen Bedeutung weisen 60 Prozent der Bäume eine Bewertung von 5 beziehungsweise 4 Punkten auf, was für Bäume mit einem ansprechenden Habitus und einer attraktiven Wirkung auf das Umfeld spricht. Lediglich knapp 300 Bäume wurden mit 1-2 Punkten bewertet. Dies liegt vor allem an Fehlentwicklungen in der Wuchsform, relevanten Vorschädigungen und/oder einer verminderten Vitalität.

Im Hinblick auf die ökologische Bedeutung können 764 Bäume den beiden höchsten Punktzahlen zugeordnet werden. Bei 179 Bäumen wurden genutzte Habitate, wie Höhlungen und Nester, vorgefunden. Mit vier Punkten wurden vor allem Bäume mit großen Ausmaßen, welche ein umfangreiches Angebot an Habitaten und Nahrung anbieten, bewertet. Der Großteil des Baumbestandes wurde durchschnittlich mit drei Punkten eingestuft. Dies begründet sich aus dem hohen Anteil an Bäumen in der Reifephase. Lediglich ein Anteil von 13 Prozent weist kaum ökologisch relevante Strukturen auf. Bei diesen Bäumen handelt es sich überwiegend um Jungbäume, die durch ihre geringe Wuchsgröße bisher wenig Nahrung bzw. Habitatstrukturen offerieren.

Bei der Bewertung der Standortsituation fällt vor allem der große Anteil im mittleren Segment auf. Da es sich um einen städtischen Baumbestand handelt, ist der hohe Anteil von 63 Prozent im Bereich 1-3 Punkte nicht überraschend. Es handelt sich hierbei um überwiegend verdichtete, verbaute Standorte mit oftmals ober- und unterirdischen Konflikten, wie zum Beispiel der Nähe zur Bebauung. Andererseits wurden immerhin 1100 Bäume auf einem guten bis sehr guten Standort (Punkte 4-5) verzeichnet.

Besonders bei Betrachtung der Vorschäden wird sichtbar, dass sich der Baumbestand der Bau AG in einem gepflegten Zustand befindet. 81 Prozent der Bäume weisen keine oder nur geringe Vorschäden auf. Nur ein geringer Anteil hat stärkere Schädigungen. Die acht Bäume mit der geringsten Punktzahl wurden auf Grund der starken Mängel bereits zu Fällung vorgeschlagen oder entsprechende Maßnahmen zur Sicherung empfohlen.

Überwiegend sind die Auswertungen der einzelnen Bestandstypen ähnlich den Ergebnissen des Gesamtbaumbestandes, die bereits im oberen Abschnitt ausführlich dargestellt wurden. Abweichend Resultate und Auffälligkeiten in den einzelnen Bestandstypen wurden ermittelt und bei der weiteren Konzeption berücksichtigt. Beim Bestandstyp Wohnbegleitgrün gab es keine Abweichungen.

Wichtung der Kriterien

Mit Hilfe der Entscheidungsmatrix und der ermittelten Altersstruktur wurden die tatsächlichen konzeptionellen Fällungen für die folgenden Jahre ermittelt. Hierfür wurde zuerst die Wichtung der Kriterien für die einzelnen Bestandstypen festgelegt und erläutert. Anschließend können die Entnahmen und Neupflanzungen errechnet und aufgezeigt werden.

Grundsätzlich kann jeder Baum bei der Bewertung in den vier Kategorien Gestaltung, ökologische Bedeutung, Standort und Vorschädigung insgesamt 20 Punkte erhalten. Werden diese vier Einheiten gleichwertig addiert, erhält man mit der Gesamtpunktanzahl eine Aufstellung der Baumeignung. Da jedoch für jeden Bestandstypen unterschiedliche Zielsetzungen festgelegt wurden (Abschnitt 6.2), muss auch die Punktevergabe in den vier Kriterien unterschiedlich gewichtet werden. Nur so können die geeigneten Bäume für die Entnahme ermittelt werden.

So spielt zum Beispiel der gestalterische Aspekt eine höhere Rolle bei Bestandstyp 1 (Wohnbegleitgrün) als bei Typ 4 (Straßenbegleitgrün).

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Tab. 1: Wichtung der Bewertungskriterien aufgrund der Zielsetzung für das Wohnbegleitgrün Tabelle: Sachverständigenbüro Leitsch
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Tab. 2: Berechnung der jährlichen Entnahme/Neupflanzung Tabelle: Sachverständigenbüro Leitsch
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Abb. 4: Abschließende Bewertung jedes Baumes im Bestandstyp Wohnbegleitgrün anhand der gewichteten Bewertungskriterien. Abbildung: Sachverständigenbüro Leitsch
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Tab. 3: Maßnahmenempfehlung nach Bestandstypen Tabelle: Sachverständigenbüro Leitsch
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Tab. 4: Zusammenfassendes Datenblatt zum Bestandstyp Wohnbegleitgrün Tabelle: Sachverständigenbüro Leitsch

Das Wohnbegleitgrün zeichnet sich vor allem durch seine repräsentative Wirkung aus und um diese Funktion zu erhalten, sollen Bäume mit einer hohen Punktzahl in der Kategorie Gestaltung erhalten bleiben. Daher wird die Punktzahl Gestaltung mit einem höheren Faktor multipliziert, um diese Bäume zu erhalten. Im Gegenzug ist der Standort für die Bäume des Typs Straßenbegleitgrün vorrangig. Ziel ist es, Bäume mit geeigneten Standorten zu fördern. Demnach wird hier die Kategorie Standort besonders hoch gewertet.

Nach dieser Vorgehensweise wurde für alle Bestandstypen (Ausnahme Typ 6) eine eigene Wichtung der vier Kriterien ermittelt. Es wurden jeweils die Faktoren 1, 1,5, 2 und 2,5 vergeben. Für das Wohnbegleitgrün ergibt sich folgendes Bild: Siehe Tabelle 1.

Die so vergebenen Punkte verteilen sich im Bestandstyp Wohnbegleitgrün auf die Bäume wir folgt: Siehe Abb. 4.

Konzeptionelle Entnahme/Neupflanzung

Tabelle 2 zeigt für jeden Bestandstyp die jährliche Entnahme bzw. Nachpflanzung auf.

Im Zuge der Ersterfassung des Baumbestandes der Bau AG wurden bereits auf Grund der Verkehrssicherheit insgesamt 37 Bäume zur Fällung vorgeschlagen. Diese Bäume fließen in die jährliche Entnahme mit ein. Tabelle 3 zeigt neben der errechneten jährlichen Entnahme die ausgewiesenen Fällungen, die sich durch die Verkehrssicherheit ergeben. Des Weiteren werden mögliche Sondernutzungen, wie zum Beispiel Sturmschäden oder Baufeldräumungen, aufgeführt. Eine weitere Zeile zeigt an, wieviel Bäume im Zuge der konzeptionellen Ausweisung entnommen und nachgepflanzt werden können. Eine erste Zwischenbilanz soll nach fünf Jahren erarbeitet werden.

Es wird ersichtlich, dass sich im ersten Jahr nach der Erfassung die Baumentnahme vor allem auf die Fällungen auf Grund von nicht verkehrssicheren Bäumen beschränkt. Im Bestandstyp 1 wurden die Fällungen für das erste Jahr bereits überschritten und es wird empfohlen für diese Typen keine weiteren konzeptionellen Fällungen mehr durchzuführen.

Um die Altersstruktur des Baumbestandes zu optimieren und eine nachhaltige Entwicklung aufzubauen, muss neben der jährlichen Entnahme auch die entsprechende Nachpflanzung erfolgen. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Nachpflanzungen nicht zwingend im gleichen Bestandstyp erfolgen müssen wie die Entnahme. Viel wichtiger ist die korrekte Baumauswahl für einen optimalen Standort. Des Weiteren muss die mittelfristige Zielsetzung des jeweiligen Bestandstyps im Auge behalten werden.

Alle Ergebnisse werden in verschiedenen Graphiken optisch verdeutlicht und zusammengetragen. So gibt es für jeden Bestandstyp ein eigenes Datenblatt mit allen relevanten Fakten.

Einbeziehung rechtlicher Vorgaben

Mit der Eingriffsreglung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sind Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Hintergrund ist ein generelles Verschlechterungsverbot für den Natur- und Landschaftsraum. Nicht vermeidbare Eingriffe müssen durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege ausgeglichen oder ersetzt werden. Als Grundlage dient hierfür §13, 14 und 15 des BNatSchG. Des Weiteren ist das jeweilige Landesnaturschutzgesetz zu beachten.

Um zukünftige Fällungen bzw. Eingriffe auszugleichen, ist nach dem aktuellen Kenntnisstand nur ein Baumverrechnungskonto möglich. Anderweitige Vorgehen widersprechen den Regelungen der örtlichen Baumschutzsatzung.

Die grundsätzlichen Vorteile der Anwendung von Kompensationsmaßnahmen bestehen im Sinne des Konzeptes in der Entwicklung einer geeigneten Bestandsdichte. Aktuell sind keine Anpassungen (Reduktionen) der Baumanzahl an die standörtlichen Gegebenheiten möglich. Über die Bevorratung von Kompensationsmaßnahmen und Ausgleich von Fällmaßnahmen mittels eines Ökokontos kann die optimale Baumdichte für die unterschiedlichen Standorte hergeleitet und mit den Kriterien des Konzeptes angeglichen werden. Dabei wären Kompensationsmaßnahmen in dicht bepflanzen Bereichen zum Beispiel über die Begrünungsmaßnahmen oder anderweitige Maßnahmen möglich. Es besteht die Möglichkeit einer räumlichen und funktionalen Entkoppelung von Kompensationen.

Hier sollte bei einer anstehenden Novellierung der Baumschutzsatzung geprüft werden, ob unter den Vorgaben einer tragbaren Bestandsdichte und gestalterischen/funktionalen Gesichtspunkten eine Einbindung von Ökokonten in die Ausgleichsmaßnahmen nach der Baumschutzsatzung umsetzbar ist.

Fazit

Die intensive Beschäftigung mit dem Baumbestand der Bau AG hat aufgezeigt, dass eine reine Regelkontrolle für den Aufbau eines nachhaltigen Bestandes nicht ausreichend ist. Die bestehende Baumsubstanz wird ohne Berücksichtigung der Altersstruktur erhalten und das "Baummanagement" erfolgt eher willkürlich nach dem Ermessen des Kontrolleurs. Es werden immense Kosten in den Erhalt von unzweckmäßigen Bäumen gesteckt, da eine bewusste Kostensteuerung nicht vorliegt.

Städtische Baumkonzepte werden hinsichtlich der steigenden gesellschaftlichen Anforderungen, Funktionalität, klimatischen Veränderungen und aus betriebswirtschaftlicher Sicht in Zukunft unabdingbar.



BÜcher und Satzungen

  • Roloff, A. (2001), Baumkronen - Verständnis und praktische Bedeutung eines komplexen Naturphänomens.
  • Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e V. (2017), ZTV-Baumpflege. Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege.
  • Peter, K. (2000), Arbolex - Das Fachwörterbuch der Baumpflege. 1. Auflage.
  • Scheffer, F., & Schachtschabel, P. (1992), Lehrbuch der Bodenkunde 13. Auflage.
  • Stadt Kaiserslautern (1991), Satzung zum Schutz des Baumbestandes innerhalb der Stadt Kaiserslautern.
  • Westenburger, G. (2011), 90 Jahre Bau AG. 1. Auflage.
  • Springer Spektrum. (2016), Landschaftsplanung. 3. Auflage.


Internet


Anmerkungen

  • ¹ 190 Jahre Bau AG, Gerhard Westenburger, S. 26.
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