Effektiv und biodiversitätsfördernd Wiesen und Extensivrasen pflegen

Mähtechnik für das kommunale Grün

von:
Wiesen Kommunaltechnik
1 Doppelmesser-Schmetterlingsmähbalken als Frontanbaugerät an einem Standard-Schlepper (hier: Anbaugerät der Fa. BB-Umwelttechnik). Foto: Jonas Renk

Wiesen und Extensivrasen sind Grünflächen, die bekanntlich nur durch regelmäßige Pflege entwickelt und erhalten werden können und die ansonsten in den meisten Fällen durch Gehölzsukzession zunehmend verbuschen und schließlich als solche verschwinden würden. Bei der Mahd solcher Flächen müssen moderne Technik und Förderung von Natur und Biodiversität (biologische Vielfalt) keinen Widerspruch darstellen. Mit dem Einsatz geeigneter Technik kann bei der Mahd im öffentlichen Grün die wiesentypische Flora gefördert und Tiere geschont werden und zugleich Aspekten der Effizienz Rechnung getragen werden.

Der fachgerechte Einsatz geeigneter Maschinen und Geräte spielt also einerseits eine wichtige Rolle für eine biodiversitätsfördernde Mahd, andererseits gilt es darüber hinaus einige Grundsätze zu beachten, durch deren Einhaltung - vielfach auch mehr oder weniger unabhängig von der eingesetzten Technik - ebenfalls sehr viel für Natur und Biodiversität geleistet werden kann. In jedem Fall ist es dabei wichtig, die Lebensraumfunktionen von Mähwiesen und Extensivrasen bei der Mahd zu beachten. So kann es beispielsweise sehr entscheidend sein, abschnittsweise beziehungsweise teilflächig zu unterschiedlichen Zeitpunkten so zu mähen, dass ein möglichst durchgängiger Trachtzeitraum mit Nektar und Pollen für Bestäuber-Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst vorhanden ist und auf angrenzenden oder in der Nähe befindlichen Flächen Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere bestehen. Keinesfalls sollten in einem größeren Gebiet alle (Teil-)Flächen zum gleichen Zeitpunkt gemäht werden. Dem Fluchtverhalten von Tieren kann bei der Mahd zum Beispiel außerdem durch eher langsames Fahren und geeignete Fahrtrichtungen und Befahrmuster Rechnung getragen werden. Letzteres kann etwa auch dadurch erreicht werden, indem an Straßen und Wegen von diesen weg und nicht zu ihnen hin gemäht wird oder indem größere Flächen beginnend von der Mitte sozusagen von innen nach außen hin gemäht werden und nicht umgekehrt von außen nach innen, damit Tiere in andere Bereiche fliehen können. Die Mahd sollte zudem tendenziell eher später und seltener erfolgen. Das im konkreten Fall am besten geeignete Mähregime (d. h. Mähhäufigkeit und -zeitpunkte) ist dabei von vielen Faktoren abhängig, insbesondere von Vegetationstyp, Wüchsigkeit, Standort, Boden, Wetter, Nutzungsform und -intensität sowie Blühzeitraum und Entwicklungsziel. Grundsätzlich erscheint in vielen Fällen jedoch eine ein- bis zweischürige Mahd (d. h. ein oder zwei Mähgänge im Jahr) ungefähr ab Mitte Juli oder zum Beispiel im darauf folgenden März zielführend. Mähwiesen, in denen zum Beispiel Wiesenbrüter (d. h. in Wiesen am Boden brütende Vögel) vorkommen, sollten nach Möglichkeit erst ab September gemäht werden (vgl. hierzu auch Deutsche Wildtier Stiftung 2019). Wichtige Aspekte einer biodiversitätsfördernden Mahd sind auch, dass möglichst wenig gemulcht wird und das Mähgut nicht aufbereitet wird. Die Schnitthöhe sollte beim Mähvorgang unabhängig vom konkret eingesetzten Mähgerät erhöht eingestellt werden. Sie sollte insbesondere zur Schonung von am Boden befindlichen Tieren einerseits möglichst hoch eingestellt sein, andererseits kann es bei einem sehr weiten Bodenabstand sein, dass durch das Umbiegen des Aufwuchses beim Mähen ein effektiver Schnitt erschwert wird. Ein Kompromiss erscheint hier in vielen Fällen eine Einstellung auf möglichst mindestens 10 Zentimeter Höhe über dem Boden, damit mehr Tiere die Mahd überleben können. Diese erhöhte Einstellung kann je nach Typ des Mähwerks in der Regel beispielsweise mittels der Höhe der Gleitkufen oder der Tast-/Stützräder beziehungsweise Laufrollen vorgenommen werden. Das Mähgut sollte zudem nachträglich (möglichst frühestens einen Tag nach der Mahd) abgeräumt werden, damit möglichst viele noch darin befindliche Insekten und Kleintiere fliehen und verbleibende Samen noch auf den Boden fallen können. Zum effizienten Abräumen und insbesondere zur Heugewinnung kann der Einsatz eines Schwaders notwendig sein, bevor das Mähgut mittels Frontgabel oder -greifzange beziehungsweise Ladewagens (in der Regel mit Förderschwingen, -band oder -rotoren) geborgen wird. Beim Abräumen sollte das Mähgut zudem nicht wie bei manchen konventionellen Geräten vom Boden her abgesaugt werden, da hierbei in der Regel am Boden befindliche Insekten und Kleintiere sowie Samen mit abgesaugt werden. Zudem sollte die befahrene beziehungsweise überrollte Fläche auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt sein, um die Verluste an Tieren möglichst gering zu halten und die Wiesenkräuter besser zu schonen. Indem geeignete Bereiche besonders selten und erst zum Ende des Winters hin gemäht werden, beispielsweise alle zwei bis drei Jahre im März, können Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten und natürliche winterliche Nahrungsangebote zum Beispiel für Vögel erhalten werden. Hierfür bieten sich Altgrasstreifen an steilen Böschungen und Gehölzsaumstreifen als Übergangsbereiche zwischen Gehölzkomplexen und Wiesen oder Extensivrasen besonders an.

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2 Doppelmessermähbalken haben sich als biodiversitätsfördernde Mähtechnik etabliert. Foto: Jonas Renk 2021
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3 Zum effizienten Mähgut-Abräumen und insbesondere zur Heugewinnung kann der Einsatz eines Schwaders, wie hier als Frontanbaugerät an einem Standard-Schlepper, notwendig sein (hier: Anbaugerät der Fa. BB-Umwelttechnik). Foto: Jonas Renk
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4 Durch Spezial-Systeme zur Wildtierrettung wie diesem Frontanbaugerät am Mähwerk für Standard-Schlepper soll unmittelbar bei der Mahd verhindert werden, dass Tiere wie junge Rehkitze, Hasenjunge, Igel oder Wiesenbrüterküken durch das Mähwerk getötet beziehungsweise überfahren werden (hier: System Sensosafe der Fa. Pöttinger Landtechnik GmbH). Foto: Jonas Renk

Biodiversitätsfördernde Mäh- und Abräumtechnik

Geeignete Maschinen und Geräte für eine effektive und biodiversitätsfördernde Mäh- und Abräumtechnik im kommunalen Grün können nach Einsatzbereichen typologisch unterschieden und werden dementsprechend nachfolgend vorgestellt, wobei sich hier natürlich Überschneidungen zwischen den Verwendungsmöglichkeiten ergeben und weder für die Bandbreite kommunaler Wiesen und Extensivrasen, noch für die in Frage kommende Technik ein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen kann.

Großflächige Mähwiesen

Für großflächige kommunale Mähwiesen mit relativ gleichmäßigem und ebenem Verlauf werden häufig Schlepper (Traktoren) eingesetzt, für die sich im Sinne einer naturverträglichen Mahd bestimmte Front- und Heckanbaugeräte eignen. Als biodiversitätsfördernde Mäh-Anbaugeräte bieten sich hier insbesondere erhöht eingestellte (Doppelmesser- oder Finger-) Mähbalken an. Auf dem Markt sind solche Mähbalken-Kombinationen für Standard-Schlepper erhältlich, mit denen auch größere Arbeits- beziehungsweise Schneidwerksbreiten von zum Teil bis über 9 Meter Breite abgedeckt werden können. Die überfahrene und überrollte Fläche wird dabei dementsprechend gering gehalten, wodurch viele Insekten und andere Kleintiere geschont werden können. Einer nicht zu hohen Arbeitsgeschwindigkeit und einer hohen Aufmerksamkeit des Fahrenden kommt bei solchen Arbeitsbreiten andererseits sicherlich eine besondere Bedeutung zu, damit bei der Mahd möglichst wenig größere Tiere getötet oder verletzt werden beziehungsweise für diese genug Zeit zur Flucht bleibt oder sie rechtzeitig bemerkt werden. Viele junge Wildtiere wie etwa junge Rehkitze, Hasenjunge, Igel oder Wiesenbrüterküken fliehen bekanntlich nicht oder meist nicht schnell genug bei der Mahd, wodurch sie dabei häufig getötet oder irreversibel verletzt werden. Vor diesem Hintergrund werden inzwischen Spezial-Systeme zur Wildtierrettung entwickelt, darunter beispielsweise ein automatisiertes und auf einem optischen Infrarot-Sensor basiertes Assistenzsystem, das am Frontanbau-Mähwerk angebracht wird und durch das solche Tiere unmittelbar bei der Mahd erkannt werden sollen und deren Tötung oder Verletzung somit verhindert werden soll. Des Weiteren gibt es Frontmähwerke mit mechanischen Aufscheuch- beziehungsweise Abstreifvorrichtungen (z. B. spezielle klappbare Zinken-Bügel), mit denen Insekten vor dem eigentlichen Mähen verscheucht oder vom zu mähenden Aufwuchs abgestreift werden sollen. Insbesondere auf großflächigen Mähwiesen wird das Mähgut manchmal auch noch nach wie vor zur Heugewinnung beziehungsweise Verfütterung verwendet, wenn sich darin keine giftigen Kräuter wie Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) oder Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) befinden. Dazu ist es häufig notwendig, das Mähgut nach der Mahd zur gleichmäßigen Trocknung zunächst zu zetten (wenden) und dann zu schwaden, um es schließlich zu bergen und zu verfüttern. Zum Bergen des Mähguts werden an den Schleppern dann in der Regel Ladewagen (in der Regel mit Förderschwingen oder -rotoren) angehängt. Hilfreichen können beim Abräumen auch Greifgabeln als Frontanbaugeräte sein.

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5 Im Straßen- und Wegebegleitgrün ist es sinnvoll, zwischen Sicherheits- ( S ) und Extensivbereich ( E ) zu unterscheiden, hier schematisch dargestellt. Abbildung: Jonas Renk
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6 Beispiel-Schema für die Unterteilung von Extensivflächen (hier mit Gehölzkomplex) an einer Straße in Abschnitte: (1.) Mahd Ende Juli, (2.) Mahd im September und (3.) Mahd am Gehölzkomplex alle zwei Jahre im März. Abbildung: Jonas Renk
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7 Speziell für die Mahd im Straßenbegleitgrün sind inzwischen Geräte entwickelt worden, mit denen im Sinne der Biodiversität gezielt Tiere bei der Mahd geschont und Pflanzensamen auf der Fläche belassen werden sollen. So beispielsweise das abgebildete System, bei dem das Mähgut zwar abgesaugt wird, jedoch nicht auf konventionelle Weise vom Boden her, sondern durch gezielte Luftführung horizontal im Mähkopf, sodass nur das über dem Boden tatsächlich abgeschnittene Mähgut abgesaugt wird, wodurch es nachweislich wesentlich weniger Verluste bei den Insekten und Kleintieren gibt (Grünpflegekopf ECO 1200 plus der Fa. MULAG Fahrzeugwerk Heinz Wössner GmbH u. Co. KG). Foto: Jonas Renk
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8 Weiterer Ansatz zur Schonung von Insekten speziell für die Mahd im Straßenbegleitgrün: Hier sollen mittels eines vorgeschalteten Gebläses die auf dem Aufwuchs befindlichen Insekten vor dem eigentlichen Abmähen horizontal zur Seite hin, also gegebenenfalls in den Extensivbereich, weggeblasen werden, wodurch eine Tötung oder Verletzung der Tiere durch das Mähen reduziert werden soll (EcoCut-System der Fa. Fischer Maschinenbau GmbH & Co. KG). Foto: Jonas Renk

Straßen- und Wegebegleitgrün

Im Straßen- und Wegebegleitgrün macht es Sinn, zwischen den Bereichen zu unterscheiden, in denen unterschiedliche Spielräume für eine biodiversitätsfördernde Mahd bestehen. Insbesondere bei der Mahd im Straßenbegleitgrün sollte in diesem Zusammenhang zwischen Sicherheits- und Extensivbereich unterschieden werden. Mit Sicherheits- oder Intensivbereich sind hierbei die unmittelbar an die Fahrbahn angrenzenden Bereiche der Straßenbankette und Leitpfosten sowie andere Bereiche (etwa an Auffahrten oder Kreuzungen) gemeint, in denen der Aufwuchs aus Gründen der Verkehrssicherheit relativ niedrig gehalten werden muss. Sehr häufig umfasst das Straßenbegleitgrün neben dem Sicherheitsbereich den daran angrenzenden Extensivbereich, in dem mehr Spielraum für eine biodiversitätsfördernde Mahd besteht. Im Sinne einer abschnittsweisen beziehungsweise teilflächigen Mahd ist es insbesondere bei größeren Extensivflächen sinnvoll, diese in Teilbereiche mit jeweils unterschiedlichem Mähregime zu untergliedern. Zur Untergliederung bieten sich aus praktischen Gründen markante Stellen wie etwa Kreuzungen an. Häufig können im Extensivbereich auch Altgras- oder Gehölzsaumstreifen entwickelt werden, die über den Winter belassen und noch seltener gemäht werden. So könnte bei einer größeren Extensivfläche mit Gehölzkomplex beispielsweise eine Unterteilung in die drei Abschnitte (1.) Mahd Ende Juli, (2.) Mahd im September und (3.) Mahd am Gehölzkomplex alle zwei Jahre im März erfolgen, wobei das Mähregime im konkreten Fall eben von verschiedenen Faktoren abhängt. Analog zu Sicherheits- und Extensivbereich an Straßen kann auch an Geh- und Radwegen häufig zwischen dem unmittelbar an den Weg angrenzenden Wegsaum als Sicherheitsstreifen und den daran anschließenden Extensivbereich unterschieden werden. Hier kann es sich anbieten, unmittelbar am Weg einen beispielsweise 0,5 Meter breiten Streifen häufiger zu mähen, sofern der Aufwuchs ansonsten zu sehr in den Weg hinein wächst. Der auch an Wegen oftmals daran angrenzende Extensivbereich kann dann entsprechend seltener und später gemäht werden. Ein schmaler Streifen am Weg, der häufiger gemäht wird, kann sich nach eigener Erfahrung auch akzeptanzfördernd auswirken, um zu zeigen, dass der Extensivbereich hier bewusst später gemäht wird und das bei vielen Menschen bestehende Bedürfnis nach einer als sauber und ordentlich empfundenen Mahd am Wegesrand in einem Umfang Rechnung getragen wird, der in der Regel mit dem Ziel der Biodiversitätsförderung noch vereinbar erscheinen dürfte.

Im Straßenbegleitgrün wird im Sicherheitsbereich und bei schmaleren Extensivflächen bekanntlich meist mit Straßenbau-Schleppern und -Lkw gemäht, die dann meist auf der Straße fahrend mit Auslegerarmen arbeiten, an denen der Mähkopf befestigt ist. Auch diese Mähköpfe sollten möglichst erhöht eingestellt sein und die gegebenenfalls von ihnen überrollte Fläche sollte beispielsweise mittels Tastrollen oder Gleitkufen anstatt langen Abrollwalzen möglichst gering sein. Neben den bereits genannten mechanischen Aufscheuch- beziehungsweise Abstreifvorrichtungen am Mähgerät, sind inzwischen noch verschiedene weitere technische Ansätze speziell für den Einsatz im Straßen- und Wegebegleitgrün auf dem Markt, mit denen im Sinne der Biodiversität gezielt Tiere geschont und Pflanzensamen auf der Fläche belassen werden sollen. So gibt es beispielsweise ein spezielles System, bei dem das Mähgut zwar abgesaugt wird, jedoch nicht auf konventionelle Weise vom Boden her, wodurch eben Insekten und Samen vom Boden mit abgesaugt werden würden, sondern bei dem durch gezielte horizontale Luftführung im Mähkopf nur das über dem Boden tatsächlich abgeschnittene Mähgut abgesaugt wird und dadurch wesentlich weniger Insekten getötet oder verletzt werden. Ein weiteres System in diesem Kontext basiert zum Beispiel auf dem Ansatz, mittels eines vorgeschalteten Gebläses die auf dem Aufwuchs befindlichen Insekten vor dem eigentlichen Abmähen horizontal zur Seite hin, also gegebenenfalls in den Extensivbereich oder jedenfalls vom Weg oder von der Straße weg, abzublasen und dadurch eine Tötung oder Verletzung der Tiere durch das Mähen zu verhindern.

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9 Vollelektrischer Einachser-Geräteträger mit Doppelmesser-Mähbalken. Über Gleitkufen lässt sich der Abstand zwischen Mähbalken und Boden erhöhen (hier: Einachser-Modell URI und Anbaugerät der Fa. Rapid Technic AG). Foto: Jonas Renk
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10 Einachser-Geräteträger mit Stachelwalzen und Breitspur-Mähbalken (hier: Einachser-Modell der Serie Monta und Anbaugerät der Fa. Rapid Technic AG). Foto: Jonas Renk
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11 Einachser-Geräteträger mit einer Reifen-Stachelwalzen-Kombination und einem Anbau zum Schieben oder Schwaden von Mähgut (hier: Einachser-Modell der Serie Taurus und Anbaugerät der Fa. Köppl GmbH). Foto: Jonas Renk
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12 Ferngesteuerter Raupen-Geräteträger mit Portal-Mähbalken (hier: Raupen-Geräteträger Crawler 23 und Anbaugerät der Fa. Köppl GmbH). Foto: Jonas Renk

Grünanlagen

Im Straßen- und Wegebegleitgrün, aber auch auf kommunalen Grünanlagen wie Parks kann es sich insbesondere in schwierigerem Gelände auch anbieten, handgeführte oder ferngesteuerte Geräte einzusetzen. Häufig handelt es sich hierbei um Einachser oder Maschinen mit Raupenfahrwerk. Als biodiversitätsfördernde Mäh- und Abräumtechnik bieten sich hierbei leichtere Balkenmäher als Einachser mit erhöht einstellbarem (Doppelmesser- oder Finger-) Mähbalken oder Geräteträger an, an die flexibel Anbaugeräte zum schonenden Mähen - speziell beziehungsweise entsprechende Portalmähbalken, nötigenfalls zum Schwaden - zum Beispiel mittels Bandschwader - und Bergen - beispielsweise mittels Heuschieber oder Greifgabeln - einfach und schnell montiert werden können. Geräteträger mit flexiblen Anbaumöglichkeiten können auch den Vorteil haben, dass häufig eine große Bandbreite an möglichen Anbaugeräten für den kommunalen Bereich zur Verfügung steht, auch über den Bereich des biodiversitätsfördernden Mähens und Mähgut-Abräumens hinaus (z. B. zum Schneeräumen oder Kehren). Inzwischen sind auch solche Geräteträger verfügbar, die sowohl per Hand geführt, als auch ferngesteuert arbeiten können, teilweise kann sich die bedienende Person auch noch zusätzlich auf den Geräteträger hinten aufstellen. Zudem gibt es hand- und fernsteuerbare Einachser-Geräteträger, die mit Mähbalken ferngesteuert miteinander kombiniert werden können, wodurch sie eine doppelte Arbeitsbreite im gleichen Zeitraum mähen können. Bei den Mähwerken von Balkenmähern und an Einachsern ist jedenfalls - wie bei anderen Mähgeräten auch - wichtig, dass diese wie schon erwähnt erhöht, zum Beispiel mindestens 10 Zentimeter über dem Boden, mähen. Dies kann bei entsprechenden Balkenmähern und Geräteträgern mit Mähbalken häufig mittels der Gleitkufen oder Tast-/Stützrädern eingestellt werden. Zur Aufnahme des Mähguts von kleineren Flächen oder schmaleren Bereichen oder in schwierigerem Gelände kann sich der Einsatz von Ladewagen-Anbauten für Schmalspur-Geräteträger anbieten, auch hierfür gibt es entsprechende technische Lösungen auf dem Markt.

Kleinräumige Mahd

Für die Mahd auf besonders kleinem Raum oder an besonders schwierigen Stellen, kann auch der Einsatz von Motorsensen notwendig sein. Zur Schonung von Insekten bieten sich hier Kreiselscherenköpfe (vgl. hierzu auch Andres et al. 2020) und ähnliche schneidende Systeme ohne Sogwirkung wie entsprechende Grasschneideblätter an. Um beispielsweise die Rinde von zu erhaltenden Bäumen dabei nicht versehentlich zu beschädigen, kann es zudem sinnvoll sein, einen (klappbaren) Rindenschutz an der Motorsense anzubringen.

Fazit und Ausblick

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die technischen Voraussetzungen für eine biodiversitätsfördernde und zugleich effektive Mahd öffentlicher Wiesen und Extensivrasen mit unterschiedlichen Ausprägungen und Rahmenbedingungen verfügbar sind, wobei die hier aufgezeigte Technik nur beispielhaft für ein noch weitaus größeres Spektrum geeigneter Maschinen und Geräte verschiedenster Hersteller steht. Viele Unternehmen in dem Bereich haben die Herausforderung und den Trend hin zu einer naturverträglicheren Pflege erfreulicherweise erkannt und sich darauf eingestellt oder sind aktuell dabei, ihre Produkte dahingehend anzupassen oder zu erweitern. In der Praxis der kommunalen Mahd sollte jedoch unbedingt bedacht werden, dass die fachgerechte und zielführende Anwendung geeigneter Technik zwar ein wesentlicher Baustein ist, es aber darüber hinaus viele weitere wichtige Aspekte wie beispielsweise ein entsprechendes Mähregime, eine abschnittsweise beziehungsweise teilflächige Abfolge oder ein geeignetes Befahrmuster gibt, die eine biodiversitätsfördernde Mahd ausmachen.

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13 Ferngesteuerter Raupen-Geräteträger mit Anbau zum Laden, Schieben oder Schwaden von Mähgut (hier: Raupen-Geräteträger RoboFlail Vario 25 und Anbaugerät der Fa. Rapid Technic AG). Foto: Jonas Renk
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14 Heuschieber als Anbaumöglichkeit (hier: Anbaugerät der Fa. Köppl GmbH). Foto: Jonas Renk
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15 Motorsense mit Kreiselscherenkopf mit klappbarem Rindenschutz (hier: klappbarer Rindenschutz der Fa. Schmitt GmbH). Foto: Jonas Renk

10 allgemeine Tipps für eine biodiversitätsfördernde Mahd:

  • Lebensraumfunktionen beachten
  • abschnittsweise bzw. teilflächige Mahd zu unterschiedlichen Zeitpunkten, nicht alles auf einmal mähen
  • tendenziell eher später und seltener mähen (grundsätzlich 1- bis 2-schürig ab frühestens etwa Mitte Juli), geeignetes Mähregime wählen
  • Fluchtverhalten von Tieren beachten
  • Mähgut nachträglich schonend abräumen
  • kein Mulchen, keine Mähgut-Aufbereitung, kein konventionelles Absaugen des Mähguts vom Boden
  • erhöhter Schnitt (wenn möglich mind. ca. 10 cm über dem Boden)
  • befahrene beziehungsweise überrollte Fläche möglichst gering halten
  • Altgras- oder Gehölzsaumstreifen über den Winter belassen und seltener mähen
  • fachgerechter Einsatz geeigneter Maschinen und Geräten

Beispiele für Maschinen und Geräte für eine biodiversitätsfördernde Mahd im kommunalen Grün:

großflächige Mähwiesen:
Anbaugeräte für Schlepper:

  • erhöhter (Doppelmesser- oder Finger-) Mähbalken, evtl. mit Aufscheuch- bzw. Abstreifvorrichtung (z. B. spezielle klappbare Zinken-Bügel); keine Mulcher und eher keine Rotationsmähwerke
  • Frontgabel oder -greifzange
  • nötigenfalls Kamm- oder Bandschwader
  • hänger für Schlepper:
  • Ladewagen (i. d. R. mit Förderschwingen, -band oder -rotoren)

Straßen- und Wegebegleitgrün:
Spezialsysteme für Mähköpfe an den Auslegerarmen an Schleppern und Klein-Lkw im Sicherheits- und Extensivbereich, zum Beispiel

  • schonende Spezial-Absaugvorrichtung,
  • vorgeschaltetes Gebläse

Grünanlagen:

  • Balkenmäher mit erhöhtem (Doppelmesser- oder Finger-) Mähbalken
  • handgeführte und ferngesteuerte Geräteträger mit flexiblen Anbaugeräten
  • erhöhtem (Doppelmesser- oder Finger- bzw. Portal-) Mähbalken,
  • ggf. Bandschwader,
  • Heuschieber,
  • Greifgabeln
  • Ladewagen-Anbau für Schmalspur-Geräteträger

kleinräumige Mahd:
Motorsense mit

  • Kreiselscherenkopf und
  • klappbarem Rindenschutz

Literaturhinweise

Die Empfehlungen für biodiversitätsfördernde Mahd in diesem Beitrag beruhen auf folgender Fachliteratur:

Andres, C. et al. (2020): Straßenbegleitgrün. Wirtschaftlich, ökologisch und verkehrssicher. Merching.

Deutsche Wildtier Stiftung (2019): Praxisratgeber Mähtod. Ein Ratgeber zum Schutz von Jungwild und Wiesenvögeln. Hamburg:

Humbert, J.-Y. (2010): Low input meadow harvesting process and its impact on field invertebrates. A dissertation submitted to ETH Zurich for the degree of Doctor of Sciences. Zürich.

Liczner, Y. (1999): Auswirkungen unterschiedlicher Mäh- und Heubearbeitungsmethoden auf die Amphibienfauna in der Narewniederung (Nordostpolen). In: RANA Sonderheft 3, 67-79. Rangsdorf.

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Oppermann, R. und Krismann, A. (2003): Schonende Bewirtschaftungstechnik für artenreiches Grünland. In: Oppermann, R. und Gujer, H. U.: Artenreiches Grünland bewerten und fördern. Ulmer-Verlag. Stuttgart. 110-116.

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M.Sc. (TUM) Jonas Renk
Autor

Umweltplaner und Ingenieurökologe, freiberuflicher Fachautor und Berater für Naturschutz und Biodiversität

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