Zeitreise in die Entstehung einer internationalen Parklandschaft

Gärten der Welt

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Beim Besuch von Gärten und Parks überall auf der Welt zeigt sich, dass trotz aller Unterschiede in Kultur, Religion, Ästhetik, sozialer Tradition und wirtschaftlicher Entwicklung das Verbindende der weltweiten Gartenbilder überwiegt. Gärten in ihrer vielfältigen Gestaltung sind Idealraum und werden über alle Kulturgrenzen hinweg als Orte der Harmonie, der Ruhe und der Kontemplation empfunden. Der Garten ist und bleibt ein Zufluchtsort für Träume, prägt Generationen und wird von ihnen geprägt.
Gärten der Welt Stadtparks
Abb. 1: Chinesischer Garten mit Teehaus "Berghaus zum Osmanthussaft". Foto: Grün Berlin

Mit den "Gärten der Welt" ist in Berlin eine international renommierte, ausgezeichnete Parkanlage entstanden. Dieser Garten ist Natur, Kultur und Erlebnis zugleich. Durch seine Einzigartigkeit regt er den interkulturellen Diskurs an und ist über die Grenzen hinweg Bindeglied unterschiedlicher Kulturen, Glaubensrichtungen und Lebensweisen. Welche nachhaltigen Entwicklungen, gesellschaftlichen und städtebaulichen Veränderungen und Effekte zur Entwicklung der Gärten der Welt geführt haben und welche aus ihrer Strahlkraft resultieren, zeigt der Rückblick über drei Jahrzehnte "Gärten der Welt".

Wie alles begann

Entstanden sind die Gärten der Welt auf der Fläche der ehemaligen "Berliner Gartenschau" im Ostteil der Stadt, die 1987 zur 750-Jahrfeier Berlins eröffnet wurde. Anfänglich sehr gut besucht, ließ das Interesse mit dem Fall der Mauer merklich nach.

Das landeseigene Unternehmen Grün Berlin, das als Nachfolgegesellschaft des ursprünglichen Betreibers, dem Magistrat von Berlin, im Jahr 1991 mit dem Management und der Pflege der Parkanlage beauftragt wurde, "kämpfte" jedoch zunächst mit stetig schwindenden Besucher*innenzahlen. Eine Auflösung der Anlage war nicht auszuschließen.

Dies änderte sich im April 1994 als die Bürgermeister von Berlin und Peking den Vertrag über eine Städtepartnerschaft unterzeichneten. Der kulturelle Austausch beider Völker – ein wesentliches Ziel des Vertrages – war gleichzeitig die Geburtsstunde des Chinesischen Gartens. Expert*innen und politisch Verantwortliche stimmten überein, dass dieser Garten kein pittoreskes Schauobjekt werden sollte, keine Nachbildung, sondern eine Neuschöpfung, deren Form und Gestalt dem entspricht, was Chinas Jahrtausende alte Gartenkunst hervorgebracht hat.

Vor diesem Hintergrund wurde der "Garten des wiedergewonnenen Mondes" nach einem Plan des Pekinger Instituts für klassische Gartenarchitektur erschaffen. In drei Bauabschnitten von 1997 bis 2000 errichteten Spezialist*innen der unterschiedlichsten Fachrichtungen aus China und Deutschland gemeinsam, unter Anweisung des planenden Architekten Jin Bo Ling und des Bauleiters Yan Kai Xiang, die 2,5 Hektar große Anlage. Das entscheidende Grundprinzip, welches mittlerweile allen elf Themengärten in den Gärten der Welt zu eigen ist, ist die Authentizität und die traditionelle Bauweise.

Entstanden ist ein klassischer chinesischer Gelehrtengarten, der sich durch Schlichtheit und dezente Farben – vorrangig Grau, Weiß und Rot – auszeichnet. Ein 4500 Quadratmeter großer See, der Himmelsspiegel, bildet das Zentrum und gibt Raum für eine Zickzackbrücke, verschlungene Uferwege, Inseln und für ein Teehaus, das "Berghaus zum Osmanthussaft".

Mit der Eröffnung des "Garten des wiedergewonnenen Mondes" am 15. Oktober 2000 wurde der Grundstein für die Erfolgsstory der "Gärten der Welt" gelegt. Bereits am ersten besucheroffenen Wochenende strömten mehr als 15.000 Gäste in den Garten und zeigten ihr Interesse für die asiatische Kultur, für das Außergewöhnliche, aber auch für die angestoßene städtebauliche Entwicklung.

Japanische Lebensphilosophie in Marzahn-Hellersdorf

Das große Interesse an internationaler Gartenarchitektur und neuen Kulturen führte zu dem Entschluss, einen weiteren Garten aus dem asiatischen Kulturkreis zu errichten. Es entstand der Japanische "Garten des zusammenfließenden Wassers".

In enger Zusammenarbeit mit dem Senat von Berlin, der Partnerstadt Tokio und der japanischen Botschaft konnte 2001 der Gartendesigner und Hauptpriester des Tempels Kenkohji, Prof. Shunmyo Masuno aus Yokohama, für die Gartenidee gewonnen werden.

Im Herbst 2001 wurde mit dem Bau begonnen. Innerhalb von zwei Baujahren entstand ein Garten, dessen Grundgedanke auf einem friedlichen menschlichen Miteinander beruht. Betreten Besucher*innen den im April 2003 eröffneten Garten durch das kleine Eingangstor, ist die Harmonie, die Kraft und die Ruhe des Gartens zu spüren. Der Japanische Garten bietet einen Raum, der es ermöglicht, den Alltag für kurze Zeit zu vergessen. Wer einen Sitzplatz auf den glatt polierten Holzbänken des Chaya`s im Zentrum des Gartens findet und auf den perfekt geharkten Zen-Garten blickt, kann etwas von der japanischen Lebensphilosophie "einatmen".

Beide vorgenannten Gärten vertreten Kulturen, die durch den Glauben an Konfuzius in China und den Buddhismus in Japan geprägt sind. Die Entstehung von Gärten wird immer durch die vorherrschende Religion beeinflusst und Religion findet sich gleichzeitig immer in Gärten wieder. Mit Fertigstellung des Japanischen Gartens waren im Erholungspark Marzahn zwei große Weltkulturen und Weltreligionen vertreten. Was lag näher als ein weiteres Gartenbild aus einem dritten Kultur- und Religionskreis zu erschaffen? Dieses umso mehr, als dass die Besucher*innenzahlen dem Konzept Recht gaben: Gestartet mit knapp 80.000 Gästen nach der Berliner Gartenschau, kamen nach der Eröffnung des Japanischen Gartens rund 375.000 Gäste pro Jahr in den Berliner Randbezirk Marzahn-Hellersdorf.

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Abb. 2: Balinesischer Garten im energieeffizienten Tropenhaus. Foto: Grün Berlin
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Abb. 3: See "Spiegel des Himmels" mit Dschunke im Chinesischen Garten. Foto: Ole Bader
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Abb. 4: Harmonie im Japanischen "Garten des zusammenfließenden Wassers". Foto: Grün Berlin

Balinesische Harmonie im Tropenhaus

Damit begannen die Bauvorbereitungen zu einem Garten aus dem hinduistisch-balinesischen Kulturkreis. Einem Kulturkreis, der das, was in Europa als Garten bezeichnet wird, nicht kennt. Definiert man jedoch den Garten als Lebensraum, in dem Balinesen die für sie so bedeutende Harmonie finden, ist er gleichsam Wohn- und Arbeitsraum, Raum für Feierlichkeiten und ein Ort, an dem den Ahnen mit Respekt begegnet werden kann.

So entstand 2003 durch die Planung und die Baubegleitung des balinesischen Architekten Putu Edy Semara, der Balinesische "Garten der drei Harmonien", dessen Grundgedanke, wie der Name bereits ausdrückt, die Harmonie ist. Ein Gartenensemble, das einen Tempelbereich mit Schreinen, traditionelle Gebäude eines Wohnhofes und eine tropische Bepflanzung in sich vereint. Dieser Garten, in einem 14 Meter hohen, energieeffizienten Gewächshaus gelegen, ist mit 2000 Quadratmetern der kleinste Themengarten in den heutigen Gärten der Welt.

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Abb. 5: Orientalisch-Islamischer Garten mit 1,3 Millionen Mosaiksteinen. Foto: Grün Berlin
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Abb. 6: Paradies hinter Mauern: Orientalisch-Islamischer "Garten der vier Ströme". Foto: Konstantin Börner
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Abb. 7: Der Seouler Garten: ein Abbild koreanischen Natur. Foto: Konstantin Börner

Dialog der Kulturen

Ende 2001 entstand die Idee eines Gartens aus dem islamischen Kulturkreis: der heutige Orientalisch-Islamische "Garten der vier Ströme". Grundgedanke des Gartens war und ist ein Beitrag, der kulturelle, religiöse und zwischenmenschliche Grenzen überwindet und den Dialog der Kulturen wiederbelebt. Zur Verwirklichung der Idee konnte Kamel Louafi, ein aus Algerien stammender und in Berlin lebender Landschaftsarchitekt, gewonnen werden.

Es entstand ein typischer Riyâd, ein allseitig mit vier Meter hohen Mauern umschlossener Gartenhof, der die wesentlichen und immer wiederkehrenden Grundsätze des "Para-deiza", des Paradieses, in sich vereint. In nur zwei Jahren Bauzeit erschufen marokkanische und deutsche Spezialist*innen gemeinsam eine ganz eigene, farbenfrohe, nach den Grundsätzen der Koransuren gestaltete, Gartenwelt. Insgesamt 1,3 Millionen "Zillij", so der Name der marokkanischen Keramikfliesen, zieren die Mauern und Arkaden des Gartens.

Die Eröffnung des Gartens im Jahr 2005 leitete einen erneuten Wandel in der Ausrichtung der Parkanlage ein: Mit nunmehr vier Themengärten aus unterschiedlichen Religions- und Kulturkreisen etablierte sich der neue Name "Gärten der Welt".

Ein koreanisches Geschenk

Der Koreanische "Seouler Garten" wurde der Stadt Berlin und den "Gärten der Welt" geschenkt. Innerhalb von nur sieben Monaten errichteten die koreanischen Spezialist*innen den rund 4000 Quadratmeter großen Garten mit seiner bewegten Topografie und mehreren traditionellen Gebäuden.

Koreanische Gärten sind der Natur nachempfundene landschaftliche Räume, in denen alle prägenden Elemente wie Wasser, Steine, Gehölze, Wege und Gebäude in einem harmonischen Miteinander stehen. Dies wurde in dem im März 2006 eröffneten einzigartigen Themengarten in den Gärten der Welt strikt umgesetzt: Die abwechslungsreich gestaltete naturnahe Landschaft steht in enger Verbindung zum "Pavillon am Gebirgsfluss", den kunstvoll gestalteten Mauern und dem mit großen Felssteinen gerahmten Wasserlauf.

Mehr Gartenvielfalt

Die weitere Entwicklung der Gärten der Welt setzte sich auch in den Folgejahren ungebrochen fort: Zwischen 2007 bis 2008 folgten der Hecken-Irrgarten nach englischem und das Bodenlabyrinth nach französischem Vorbild. Der 2008 wiedereröffnete Karl-Foerster-Staudengarten spiegelt mit seinen Prachtstauden, Gräsern und Farnen das Schaffen des berühmten und namensgebenden Staudenzüchters wider. Frei nach dem Motto "es wird durchgeblüht" schafft dieser Garten mit seinen formalen und naturnahen Bereichen ganzjährig optische Besonderheiten.

Der ebenfalls 2008 eröffnete Italienische Renaissancegarten "Giardino della Bobolina" zählt mit Terrakotten, Marmorstatuen, kunstvollen Formschnitten und sprudelnden Wasserspielen zu den frühesten gartenarchitektonischen Beispielen Europas. Er spiegelt die Wiedergeburt der Antike.

Diese Gärten, die als Beispiele europäischer Gartenkunst bezeichnet werden können, verdeutlichen die Beeinflussung der Gartenkunst über alle kulturellen, sprachlichen und politischen Barrieren hinweg. Ohne das Vorbild der islamisch-maurischen Gärten hätten sich in abendländischen Renaissancegärten kaum die prächtigen Wasserspiele entwickelt und ohne den Kontakt zur Gartenwelt Chinas wären im englischen Landschaftsgarten viele Inszenierungen niemals entstanden.

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Abb. 8: Platz für viel Tradition im Englischen Garten. Foto: Grün Berlin
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Abb. 9: Im Karl-Foerster-Staudengarten wird "durchgeblüht". Foto: Grün Berlin
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Abb. 10: Wasserspiel zwischen streng angelegten Buchs- und Eibenhecken im Italienischen Renaissancegarten. Foto: Konstantin Börner
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Abb. 11: Mediterranes Flair im Italienischen Renaissancegarten. Foto: Grün Berlin
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Abb. 12: Jüdischer Garten im stetigen "Werden und nicht im Sein". Foto: Lichtschwärmer

Mit Unterstützung der Allianz Umweltstiftung, die bereits den Orientalisch-Islamischen Garten kofinanzierte, wurde ein Wettbewerb durchgeführt, aus dem der heutige "Christliche Garten" hervorging. Das Büro "relais Berlin" kreierte einen Garten, der die Ur-Form des Kreuzganges in eine moderne Zeichensprache übersetzt und der mit seinen Texten im "goldenen Wandelgang" zu einem Raum der Sprache wurde. Vier Meter hohe Buchen bilden das umschließende Gebäude und der viergeteilte Garten wird durch Heckenkörper und Wassersteine geprägt. Gestaltet als besinnlicher Ort erinnert er mit seinem Spiel aus Licht und Schatten an meditative und sakrale Orte.

Nachhaltig weiterentwickelt: Die IGA Berlin 2017

Entscheidender Meilenstein für die weitere Entwicklung der Gärten der Welt und ihres Umfelds war die Ausrichtung der Internationalen Gartenausstellung IGA Berlin 2017, in deren Rahmen die Parklandschaft umfangreich erweitert und um neue Attraktionen ergänzt wurde. Den Gästen präsentierte sich der Bezirk Marzahn-Hellersdorf und ganz Berlin als nachhaltige grüne Metropole, die innovativ die Weichen für eine lebenswerte urbane Zukunft stellt. Im Sinne der Berlin Strategie 2030 setzte die Internationale Gartenausstellung auch einen wichtigen Impuls zur Diversifizierung des Tourismus in die Randzonen der Stadt hinein.

186 Tage blickten mehr als 1,8 Millionen Gäste und die Fachwelt auf ein Gartenfestival, das über den Wandel der städtischen Peripherie in Marzahn-Hellersdorf berichtete. Der Name war Programm: "Ein MEHR aus Farben" stand für das Entstehen einer neuen internationalen Gartendestination. Das Miteinander und Mitmachen, das Lehren und Lernen, das Fördernde und Aufklärende wurden auf nahezu 100 Hektar umgesetzt und gelebt. Das Gelände der Gärten der Welt wuchs von rund 21 Hektar auf über 40 Hektar an, gleichzeitig entstand direkt angrenzend ein neuer 60 Hektar großer Volkspark, der Kienbergpark.

Beide Parkanlagen stehen gemeinsam für einen Naherholungsraum mit Leuchtkraft und eine einzigartige grüne, lebendige Stadtentwicklung, von der das Land Berlin und insbesondere der Bezirk Marzahn-Hellersdorf nachhaltig profitieren. Die Ergänzung der bestehenden internationalen Themengärten, durch den im Rahmen der IGA neu eröffneten Englischen Garten, war einer der Meilensteine. Entworfen durch das Planungsbüro "Austin-Smith:Lord" aus Manchester erwartete Besucher*innen ein traditionelles reetgedecktes Cottage, David-Austin-Rosen, prächtige Staudenpflanzungen, ein Obst-Hain sowie ein Gemüse- und Kräutergarten. Durch seine zentrale Bedeutung in der Landschafts- und Gartenarchitektur bereichert der Englische Garten die Landschaft der Gärten der Welt nachhaltig und stellt eine ideelle Verbindung der im Park vertretenen Kulturen her.

Das Nachnutzungskonzept zur IGA Berlin 2017 folgte dem Anspruch, nachhaltig und verantwortungsvoll zu handeln und für die Bürger*innen und Anwohner*innen vor Ort bleibende Werte zu schaffen. Neben dem Imagegewinn für den Bezirk und der Aufwertung als touristisches Ausflugsziel wirken die zur IGA Berlin 2017 neu geschaffenen Werte dauerhaft auf die Lebensqualität am östlichen Stadtrand von Berlin. Dazu zählen neue Beiträge wie die Wassergärten in der "Promenade Aquatica", zeitgenössische Internationale Gartenkabinette oder neu angelegte Spielareale. Die Open-Air-Arena schafft einen kulturellen Mehrwert und zieht nach wie vor als moderner Veranstaltungsort Künstler*innen und Gäste aus aller Welt nach Marzahn-Hellersdorf.

Mit Berlins einziger Seilbahn entstand zur IGA ein zusätzliches nachhaltiges Mobilitätsangebot, welches das Areal verbindet und als direkte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zur Erschließung der Gärten der Welt, des Kienbergparks und des Wuhletals bis 2033 gesichert ist. Als wichtiger Nachhaltigkeitsbaustein ist sie barrierefreie und komfortable Anreisemöglichkeit und trägt dazu bei, den individuellen Personenverkehr per Pkw vor Ort zu reduzieren. Gleichzeitig dient die Seilbahn Anwohnenden als attraktives Verkehrsmittel.

Mit der weiterentwickelten Parklandschaft hat Marzahn-Hellersdorf als Wohn- und Ausflugsort in der äußeren Stadt deutlich an Attraktivität gewonnen. Vor dem Hintergrund der schnell wachsenden Metropole Berlin, zeigt sich der Wert weitläufiger grüner Freiräume besonders deutlich.

Die Komplettierung der drei großen monotheistischen Weltreligionen

Im Oktober 2021 konnte als elfter großer Themengarten der Jüdische Garten eröffnet werden. Auf einer Fläche von rund 2000 Quadratmetern mit Blickbeziehung zum benachbarten Christlichen Garten ergänzt er die bereits vorhandenen Themengärten. Er vervollständigt als landschaftsarchitektonisch-künstlerischer Beitrag die Darstellung der großen Weltreligionen und Weltanschauungen, insbesondere die der monotheistischen Religionen.

Auf dem Weg zu diesem weltweit ersten Jüdischen Garten standen die beteiligten Institutionen, Vertreter*innen des Judentums und Landschaftsarchitekt*innen vor zahlreichen Fragen und Diskussionspunkten, denn im Gegensatz zum Islam ist für das Judentum keine spezifische Gartentradition überliefert. Die Arbeitsgemeinschaft um die Künstler Manfred Pernice, Wilfried Kühn und das Planungsbüro Atelier le balto aus Berlin knüpfen bei der Gestaltung des jüdischen Gartens an das Naturverständnis im Judentum an. Es entstand ein Garten im "Werden und nicht im Sein", welcher das jüdische Leben in Berlin widerspiegelt. Ein Garten, der kein fertiges Areal darstellt, sondern nach dem Prinzip der Fruchtfolgen immer wieder neugestaltet werden kann und muss. Die Besonderheit dieses Gartens sind die Wege. Oftmals betreten Besucher*innen den Garten, ohne es richtig realisiert zu haben. Eindeutige Grenzen fehlen. Die Parkwege durchdringen den Jüdischen Garten und führen – nur durch einen Materialwechsel sichtbar – hinein und hindurch.

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Abb. 13: Berlins einzige Seilbahn zur Anreise mit bester Aussicht auf die Gärten der Welt. Foto: Ole Bader

Die "Reise um die Welt" ist noch nicht zu Ende

Die Gärten der Welt sind Attraktion und Publikumsmagnet für die Hauptstadt und weit darüber hinaus in der Peripherie Berlins. Mehr als eine Million Besucher*innen strömen jährlich in den Park. Hier stehen zeitgenössische Gartenkunst mit tradierten Gärten im Einklang. Sie laden zu einer Weltreise in ferne Länder und zum Verweilen, Träumen, Staunen und Entdecken ein. Sie zeigen ein friedliches Miteinander und die Möglichkeit, auch auf kleinstem Raum kulturelle und sprachliche Unterschiede zu überwinden.

Gleichzeitig stehen die Gärten der Welt für ein wegweisendes Beispiel nachhaltiger Stadtentwicklung, aus der Anwohner*innen, Berliner*innen und Tourist*innen langfristig Nutzen ziehen und positive Impulse für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung von Bezirk und Land ausgehen. Wegen der begrenzten Flächenkulisse sind derzeit keine weiteren Themengärten in den Gärten der Welt vorgesehen.

Trotzdem steht die Entwicklung des Standorts nicht still: Der Bezirk prüft derzeit vor dem Hintergrund der positiven Erfahrungen mit der IGA die weitere Aufwertung als Destinationsziel mit noch größerer Strahlkraft. So ist die Entstehung eines Schwimmbads vorgesehen und ein Hotel in der Diskussion. Die Gärten der Welt und der Kienbergpark werden so zum Nukleus einer zukunftsgerichteten nachhaltigen Stadtentwicklung.

 Beate Reuber
Autorin

Parkbotschafterin

Grün Berlin

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