Ver.di-Aktion in Marzahn-Hellersdorf

Grünflächenamtsmitarbeiter protestieren gegen Personalmangel

In Marzahn-Hellersdorf wird nach Ver.di-Daten von 142 Mitarbeitern eine Fläche etwa so groß wie Frankfurt/ Oder gepflegt. Mehr als die Hälfte der Stellen könnte bis 2020 wegfallen. Foto: Horst Schröder, pixelio.de

Mitarbeiter des Grünflächenamts von Marzahn-Hellersdorf haben im Mai eine Flugblatt- und Unterschriftenaktion gestartet, um auf den Personalmangel in der kommunalen Grünpflege im Bezirk aufmerksam machen. An insgesamt fünf Terminen wollen Ver.di-Mitglieder bis Oktober vor dem Eingang der Internationalen Gartenausstellung IGA Berlin Unterschriften für den Erhalt des Grünflächenamtes sammeln. "Wir haben grundsätzlich nichts gegen die IGA. Wir vom Bezirk haben aber nichts davon", sagt Kathrin Benke, die die Aktion mitorganisiert. Die Landschaftsgärtnerin beklagt, dass sich die Mitarbeiter des Grünflächenamtes derzeit besonders auf die Pflege der Flächen rum um das Gelände der Gartenausstellung konzentrierten. Andere Flächen im Bezirk könnten wegen des Personalmangels nur noch sporadisch sauber gehalten werden. "Wir wollen die Bürger und die Besucher der IGA darüber aufklären, warum manche Sachen im Bezirk nicht mehr geleistet werden können", erläutert sie.

Das Problem ist aus Sicht der Gewerkschafter jedoch weit größer: In Marzahn-Hellersdorf wird laut der Ver.di-Daten von 142 Mitarbeitern eine Fläche etwa so groß wie Frankfurt/Oder und 122 000 Bäume gepflegt. Hinzu kommen 45000 Straßenbäume. "Die personelle und technische Ausstattung des Straßen- und Grünflächenamtes ist für die gegenwärtige und künftige Aufgabenerfüllung vollkommen unzureichend", kritisieren die Mitarbeiter in ihrem Flugblatt. Laut Benke könnten bis 2020 insgesamt 97 Stellen in Marzahn-Hellersdorf wegfallen. Ein Grund dafür sei auch der hohe Altersdurchschnitt in der kommunalen Pflege, der in den Grünflächenämtern aktuell bei 57 Jahren liegt. Es sei völlig offen, ob die Stellen, die altersbedingt frei werden, zukünftig besetzt werden. "Wenn sich die Politik nicht für den Erhalt des Straßen- und Grün?ächenamts im Bezirk entscheidet und Stellen nicht neu besetzt werden, wird es in absehbarer Zeit in Marzahn-Hellersdorf keine Gärtnerinnen und Gärtner - und damit keine kommunale Grünflächenp?ege - mehr geben", heißt es in dem Flugblatt.

Für "extrem schwierig" hält auch der für die Grünflächen zuständige Bezirksstadtrat Johannes Martin (CDU) die aktuelle Lage. Er spricht von 58 Stellen, die bis 2020 wegfallen werden. 20 davon seien bereits abgebaut worden, 38 sollen noch folgen. Ursache dafür ist ein Stellenstreichungsplan des Berliner Senats für den Zeitraum 2013 bis 2020. Martin kritisiert, dass mit der Streichung kein höheres Sachmittelbudget beschlossen wurde, um Pflegedienste an Drittfirmen abgeben zu können. Die Arbeitsbedingungen seien sehr schwierig. "Wir werden uns für eine personelle Stärkung einsetzen", sagt Martin. Er fordert ein Ende des Stellenabbaus. Außerdem will sich der Bezirksstadtrat dafür starkmachen, dass die Abfallbeseitigung abgegeben wird, damit die Mitarbeiter wieder mehr Augenmerk auf die Grünflächenpflege legen können. Dazu werden laut Martin bereits Gespräche mit der Berliner Stadtreinigung BSR geführt.

Benke freut sich über die Unterstützung durch den Bezirksstadtrat. Sie hofft, dass die Grünflächenamtsmitarbeiter mit der Aktion ein Achtungszeichen setzen können. Die gesammelten Unterschriften sollen bei der Bezirksverordnetenversammlung im Oktober eingereicht werden. "Der Gärtner an sich ist ja ein geduldiger Mensch, aber wir sind es nicht mehr", sagt Benke.

globa

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 07/2017 .

http://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[division]=3&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=261++492++336&no_cache=1