Eine Biotopumwandlung im Gartendenkmal

Wiedergewinnung der Englischen Partie im Rheinsberger Lustgarten

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Gartengestaltung
Nach Beseitigung der hohen Schilfbarriere ist die Fläche wieder in das Parkgefüge integriert. Foto: SPSG Klaus Blume, 10.08.2015

Auch im friderizianischen Preußen der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es moderne landschaftliche Gartenbereiche, so genannte Englische Partien. Solche Partien mit kleinen geschwungenen Wegen, Brücken, unregelmäßig geformten Gewässern und fremdländischen Gehölzen entstanden zunächst an den Rändern der barocken Lustgärten oder aber in Niederungen, die zuvor wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht in die Gestaltung einbezogen worden waren.1 Selten haben sich Englische Partien in Niederungen nach dem Ableben ihrer Schöpfer lange erhalten. Zu hoch war die biologische Dynamik der grundwassernahen Bereiche und allzu ephemer und wenig solide der einfache Wegebau und die hölzernen Brücken.

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Die Englische Partie um 1773, ein System schmaler Wege, Brücken und Inseln an den Rändern einer Niederung (C. F. Ekel, 1773, Ausschnitt). Abb.: SPSG Plansammlung 9160
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Die Englische Partie um 1800, nur ein Teil der Wege und Inseln sind noch erhalten. Der westliche Bereich um die Egeria Grotte wurde mit in die Gestaltung einbezogen (G. W. Steinert, 1800, Ausschnitt). Abb.: SPSG Plansammlung 9162
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Auf dem Plan von 1816 ist eine von Gräben durchzogene Niederung beidseitig der Querallee dargestellt. Die kleinen Wege und Inseln sind überwiegend verschwunden (Müller, 1816, Ausschnitt nicht genordet). Abb.: BLHA 37 Königs Wusterhausen K3A
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Ende des 19. und im 20. Jahrhundert war die Fläche größtenteils mit Gehölzen bewachsen (Postkarte um 1900, Ausschnitt). Abb.: Kunst- und Kulturverein Rheinsberg e. V.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg hat in den letzten Jahren nach Möglichkeiten gesucht, die Englische Partie im Rheinsberger Lustgarten wieder besser in die Raumstruktur des Lustgartens einzubinden. Es war bis dahin nicht gelungen, den Röhricht- und Gehölzaufwuchs wirksam zu unterbinden, so dass dieser mehrere Monate jährlich inmitten der barocken Achsenstruktur des Rheinsberger Lustgartens eine Sichtbarriere bildete. Auch wenn die spärliche Befund- und Quellenlage eine umfassende Rekonstruktion des Bereiches unwahrscheinlich machte, so sollte doch dieser störenden Wirkung des Röhrichtaufwuchses durch geeignete gärtnerische Pflegemaßnahmen entgegengewirkt werden.

Entwicklung der Englischen Partie im Rheinsberger Lustgarten

Die Grundstruktur des Rheinsberger Lustgartens entstand zwischen 1734 und 1740 unter dem Kronprinzen Friedrich, dem späteren preußischen König Friedrich II. und seinem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. In wenigen Jahren wurden die wichtigsten Achsen des barocken Gartens festgelegt: Die breite mehrreihige Hauptallee führte vom Gartenportal nach Norden auf die Schlossinsel und traf dort auf den Südflügel des Schlosses. Sie wurde im rechten Winkel durch die Große Querallee geschnitten, welche die Längsausdehnung des Lustgartens durchmaß und an ihrem westlichen Ende in einem Sumpfgebiet auslief.

Nach 1752 übernahm der Bruder des preußischen Königs, Prinz Heinrich, die weitere Entwicklung des Rheinsberger Gartens. Fast ein halbes Jahrhundert ließ dieser den Lustgarten erweitern, verband ihn durch Alleen und Achsen mit der umgebenden Landschaft und gestaltete viele Bereiche im Sinne des neuen landschaftlichen Gartengeschmacks um. Das Grundgerüst der barocken Achsen blieb dabei unangetastet. Die mehrreihige Hauptallee hatte Bestand, ebenso die lange Querallee, die aber nun an ihrem westlichen Ende nicht mehr an dem Sumpfgebiet endete, sondern dort als aufgeschütteter "Großer Damm" die neu angelegte "Englische Partie" durchquerte.

Der nördliche Teil der Niederung wurde etwa ab 1770 zum gärtnerischen Experimentierraum für den Prinzen Heinrich und seinen Bauintendanten Carl Wilhelm Hennert. Ausgehend vom unregelmäßigen Ufer des angrenzenden Grienericksees ließ Hennert kleine Wasserläufe und Seen in der Niederung graben und zahlreiche geschwungene Wege anlegen, die mit Brücken auf kleine Inseln führten. Am Seeufer errichtete man 1771 einen gotisierenden Leuchtturm, den "Pharus", nebst einem für Gondeln bestimmten Bootshaus. Etwas entfernt am Seeufer und über die Niederung mit einem "Kleinen Damm" verbunden, befand sich das "Chinesische Cabinett" mit seinen acht Säulen, die mit Schilf umwunden waren und somit Palmen gleichen sollten. Den exotischen Charakter des Gartenbereiches steigerten fremdländische Gehölzpflanzungen. Diese zeugten nicht nur von gartenkünstlerischer Experimentierlust, sondern auch vom forstwissenschaftlichen Interesse des Bauintendanten Hennert, der später Karriere in der neuen preußischen Forstadmininstration machen sollte.

Auch südlich der Querallee wurden die Randbereiche der Niederung in ähnlicher Weise "englisch" gestaltet, diesmal vom Rheinsberger Hofgärtner Müller. Geschwungene Wasserläufe und ein buchtenreicher kleiner See speisten sich aus den vorhandenen Abzugsgräben des Luchs nördlich der Lehmberge. Auch hier inszenierten vielfach gewundene Wege entlang exotischer "Gebüsche" den Rand der offenen Niederung. Um 1790 erfuhr der Bereich mit dem Bau der Egeriagrotte eine Veränderung, als für den vorgelagerten Grottensee der von Süden kommende Abzugsgraben umgeleitet wurde. Für die Reinigung der Wege und die Reinhaltung der Abzugsgräben war zu dieser Zeit der Küchengärtner Lücking zuständig, wie seiner Aufgabenbeschreibung von 1781 zu entnehmen ist.2

Auf dem kurz vor dem Tod des Prinzen Heinrich 1802 gezeichneten Steinertschen Gartenplan sind die zierlichen Strukturen der Englischen Partie noch erkennbar. Ein kaum anderthalb Jahrzehnte später gezeichneter Plan von Müller zeigt indes nur noch wenige geschwungene Wege und Wasserläufe beidseitig der Niederung. Im folgenden Jahrhundert sollte sich auf der vorher offenen Sumpffläche sukzessive ein Bruchwald entwickeln. Der gartengeschichtlich bedeutsame Experimentierraum der "Englischen Partie" war damit Vergangenheit. Für den Gesamtzusammenhang des Lustgartens erwies sich die biologische Dynamik der Niederung als nachteilig. Die räumliche Offenheit der vormaligen Feuchtwiese war durch den Aufwuchs bald nicht mehr erlebbar. Der Bruchwald bildete nun eine optische Barriere im Herzen des Rheinsberger Lustgartens.

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Mahd Ende Juli. Abb.: SPSG Mathias Gebauer
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Mahd Ende September. Abb.: SPSG Mathias Gebauer

Veränderungen des großräumigen Wasserregimes und gut gemeinte Aufschüttungen in der Nachkriegszeit zur "Trockenlegung" veränderten zusätzlich die naturräumlichen Bedingungen der Flächen. Erst in den 1970er Jahren wurde der Erlenbruchwald auf Initiative des Instituts für Denkmalpflege der DDR nachhaltig gerodet. Durch gärtnerische Pflege versuchte man seitdem, die Barrierewirkung der Großröhrichte zu mildern, den Gehölzaufwuchs zu unterbinden und die Wasserflächen offen zu halten. Damit erzielte man jedoch immer nur kurzzeitig den gewünschten Effekt.

Anlass

Um den immer wiederkehrenden Gehölzaufwuchs zurückzudrängen und zumindest zweitweise die räumliche Wirkung herzustellen, wurden die Großröhrichte jährlich in den Wintermonaten mit Freischneidern geschnitten. Diese Arbeiten konnten nur bei ausreichend Frost durchgeführt werden. In manchen Wintern verhinderten zu hohe Temperaturen die vollständige Mahd der Schilfflächen. Die aus der ehemaligen Gartengestaltung erhaltenen Gräben wurden zumindest in den letzten 25 Jahren nicht geräumt und nur sporadisch entkrautet. Dies führte insgesamt zu einer unbefriedigenden Situation. Diese zu ändern hieß aber auch, die ökologische Bedeutung der Flächen zu beachten. An den weniger mit Röhricht bestandenen Rändern der Wiese hatten sich beispielsweise Bestände der Schlüsselblume (Primula veris), der Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) und des Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis) etabliert. Zwar stammen diese von Ansiedlungen aus den 1980er und 1990er Jahren, doch galt es trotzdem, die geschützten Arten zu erhalten. Die konkurrenzstarken Großröhrichte drängten die gesamte Artenvielfalt zurück. Die geschilderten denkmalpflegerischen und ökologischen Missstände gaben den Anlass für die Suche nach einem besseren, alle Belange berücksichtigenden Pflegeregime. Dieses fand sich in der Praxis der Naturschutzarbeit. Hier ist die Mahd von Schilfflächen ein adäquates Mittel zum Erhalt bestimmter Biotope und geschützter Arten.

So erfolgten 2011 erste Gespräche mit den Naturschutz- und Denkmalbehörden. Um ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten wurden die denkmalpflegerischen und naturschutzfachlichen Grundlagen ermittelt und die jeweilige Zielstellung klar dargestellt.

Denkmalpflegerische Bewertung und Zielsetzung

Der Englischen Partie im Rheinsberger Lustgarten kommt ein besonders hoher gartengeschichtlicher Wert zu. Zu einem im Kontext der europäischen Gartengeschichte sehr frühen Zeitpunkt wurde in Rheinsberg unter dem Prinzen Heinrich der landschaftliche Gartenstil innerhalb des barocken Lustgartens erprobt. Die herausfordernde Lage der Partie in einer Niederung wurde durch die Einbindung der Gewässer in die Gestaltung zu einem Vorteil umgewandelt. Der Intendant Hennert nutzte die Englische Partie für Experimente mit fremdländischen Gehölzen. Von diesen Erfahrungen profitierte mit Hennerts folgender Karriere in der preußischen Forstadministration später das preußische Forstwesen. Auch wenn sich die bedeutsamen kleinteiligen Wege-, Gehölz- und Wasserstrukturen nicht erhalten haben und eine umfassende Rekonstruktion bei der schlechten Quellenlage kaum angezeigt sein wird, so ist doch der Fortbestand einer offenen Fläche im Kontext des Gartendenkmals von hoher Bedeutung. Insofern muss Aufwuchs von Großröhricht und Bruchwald nachhaltig unterbunden und vorhandene Gewässer erhalten und sichtbar gemacht werden. Aufschüttungen der Niederung verbieten sich in Zukunft ebenfalls.

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Die Barrierewirkung des hohen Schilfaufwuchses ist beseitigt. Blick von der Brücke des Kleinen Dammes nach Osten Richtung Lustgarten am 27.06.2011 und 01.10.2014. Foto: SPSG Mathias Gebauer
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Blick vom Großen Damm nach Norden in Richtung Grienericksee am 19.7.2011 und 8.12.2015. Foto: SPSG Mathias Gebauer

Biotopkartierung

Ein vom Sommer 2011 bis Frühjahr 2012 durchgeführtes naturschutzfachliches Gutachten3 beinhaltete botanische und faunistische Untersuchungen sowie eine Kartierung der Biotoptypen. Weiterhin wurden konkrete Pflegeempfehlungen und deren Auswirkungen aufgezeigt und beschrieben.

Die Wiese mit den Englischen Partien erwies sich bereits als vielfältiger und artenreicher Lebensraum mit überwiegend geschützten Biotopen (12 von 23). Bemerkenswert war die Existenz zweier nördlich des Kleinen Dammes liegender hochmoorartiger "Inseln" mit oligotropher Moorvegetation. Im Rahmen der Kartierungen konnten 320 Pflanzenarten erfasst werden, neben den oben genannten weitere geschützte Arten wie die Faden Segge (Carex lasiocarpa), die Krebsschere (Stratoides aloides) und der Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia). Bei den ebenfalls kartierten Stinzenpflanzen, wie dem Kriechenden Gemswurz (Doronicum paradaliaches) war vor allem die aus Nordamerika stammende Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinum macrocarpon) auffällig. Diese hatte sich auf den "Moorinseln" ausgebreitet und etabliert. Sie ist 1760 in England eingeführt worden.4 Wie und wann sie Deutschland erreichte ist noch nicht erforscht. Es ist aber denkbar, dass sie mit Lieferungen anderer Nordamerikanischer Gehölze gezielt oder zufällig nach Rheinsberg kam.

In Bezug auf die Avifauna konnten vor allem schilfbrütende Arten wie etwa der streng geschützte Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) und der Teichrohrsänger (A. scirpaceus) aufgenommen werden. An Amphibien kamen nur der Teichfrosch (Triturus vulgaris) und der streng geschützte Moorfrosch (Rana arvalis) in geringer Individuenzahl vor. Von größter Bedeutung war der Nachweis des Großen Feuerfalters (Lycaena dispar), ein nach den FFH-Richtlinien geschützter Tagfalter.

Grundsätzlich wurde das denkmalpflegerische Maßnahmenziel, das Zurückdrängen des konkurrenzstarken Schilfes, auch naturschutzfachlich begrüßt und erwartet, dass sich die Vielfalt an Pflanzen dadurch weiter erhöhen könnte. Die Lebens- und Laichräume für Moor- und Teichfrosch würden optimiert und auch für andere Lurche bestünde anschließend ein höheres Ansiedlungspotenzial. Da sich mit der Maßnahme das Angebot an Nektarpflanzen erweitert, war von einer Verbesserung der Bedingungen für den Feuerfalter auszugehen. Vorausgesetzt, dass die einzige Futterpflanze der Larven, der Flussampfer (Rumex hydrolapathum) bei den Mahdarbeiten belassen würde.

Leichte negative Auswirkungen hätten die Arbeiten für einige Brutvögel. Da aber in unmittelbarer Nähe am Ufer des Grienericksees ausreichend Schilfflächen existieren, wurde eine Beeinträchtigung der lokalen Populationen ausgeschlossen.

Als Ergebnis stand ein sehr differenziertes Konzept, das auf sehr kleinen Flächen unterschiedliche pflegerische Maßnahmen zu verschiedenen Zeiten vorsah. So sollte ein Zurückdrängen der dominanten Schilfröhrichte zugunsten von Feuchtwiesen gelingen.

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Nach Beseitigung der hohen Schilfbarriere ist die Fläche wieder in das Parkgefüge integriert. Foto: SPSG Mathias Gebauer, 29.09.2015

Maßnahmen

Nun erfolgte eine Konkretisierung der Konzepte. Hierbei stand vor allem eine Zusammenfassung einzelner kleiner Flächen und eine Vereinheitlichung der Mahdtermine im Vordergrund. Eine Umsetzung mit einer externen Fachfirma wäre sonst kaum möglich gewesen. So wurde eine dreistufige Mahd von innen nach außen festgelegt. Die stark mit Großröhrichten bewachsenen Flächen sollten dreimal in der Vegetationszeit und die am Rand liegenden Staudenfluren nur einmal im Herbst geschnitten werden.

Die Abstimmung weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Gegebenheiten und des Artenschutzes brachte folgende Auflagen:

  • Im ersten Jahr sollte eine zusätzliche Mahd im Februar die Ansiedlung von schilfbrütigen Vögeln verhindern.
  • Motorgeführte Mahdmaschinen durften nicht mit rotierenden Mähwerken arbeiten, um so die Verluste an Insekten und Amphibien zu minimieren.
  • Das Schnittgut war aus der Fläche zu entfernen, um die Nährstoffanreicherung zu verringern.
  • Der Flussampfer musste bei der Sommermahd stehen gelassen werden, um die einzige Futterpflanze der Larven des Großen Feuerfalters zu erhalten.
  • Die Grundräumung der Gräben erfolgt in den zwei Jahren in Abschnitten zur Schonung der Fischfauna und der Vegetation.
  • Die bei der Grundräumung entnommen Muscheln sollten zurückgesetzt werden.
  • Ein etwa fünf Meter breiter Schilfstreifen sollte am Ufer des Grienericksees belassen werden. Hiervon ausgenommen sind die Mündungen der beiden Abzugsgräben.
  • Auch die "Moorinseln" sind von einer Mahd auszunehmen. Gehölzaufwuchs muss aber entfernt werden.

Um die Umwandlung eines geschützten Biotops in ein anderes rechtlich korrekt zu vollziehen, wurden die Maßnahmen abschließend von der unteren Naturschutzbehörde mit einer "Naturschutzrechtlichen Anordnung"5 festgelegt.

Bereits im Sommer des ersten Jahres zeigten sich die positiven Auswirkungen der Mahd. Die räumliche Wirkung veränderte sich erheblich und einzelne Sichtbeziehungen wurden wieder deutlich. Im zweiten Jahr verringerte sich der neue Schilfaufwuchs in einigen Bereichen schon deutlich. Während der Maßnahme erfolgte ein ständiger Austausch zwischen Naturschutzbehörde und Gartenverwaltung mit gemeinsamen Begehungen. So konnte immer schnell auf Veränderungen und neue Erkenntnisse reagiert werden. Zum Beispiel stellte sich heraus, dass es kein nennenswertes Vorkommen an Muscheln in den Gräben gab. Die zu räumenden Grabenabschnitte konnten daraufhin größer bemessen werden. Mit der Räumung der letzten Grabenabschnitte am 03.12.2015 konnte diese "Ersteinrichtende Pflegemaßnahme" abgeschlossen werden. Das Schilf ist zurückgedrängt und die räumliche Wirkung erheblich verbessert.

Ausblick

Im Laufe der Arbeiten wurde deutlich, dass die angrenzenden Gehölzflächen, die Reste der ehemaligen Englischen Partien, nach Rückdrängung der als Barriere wirkenden Großröhrichte nun einer gestaltenden und entwickelnden Pflege bedürfen. So fehlt vor allem eine strukturreiche Unterpflanzung zur Rahmung der Fläche. Weiterhin können jetzt auch ehemalig mit Gehölzen gegliederte Bereiche, wie zum Beispiel der Kleine Damm, bepflanzt werden. Hierfür werden Konzepte erarbeitet und umgesetzt. Am wichtigsten ist aber eine Sicherung des erreichten Bildes durch kontinuierliche Pflege. Eine zweistufige Mahd der Fläche im Sommer und Herbst soll dafür etabliert werden.

Auch über die Wiedergewinnung einzelner Wege könnte in den nächsten Jahren nachgedacht werden, um dann wie Gottgetreu 1899 vom Kirschgarten aus schauend feststellen zu können: "Zur Linken genießen wir einen hübschen Blick über die große Bullenwiese, mit Fernsicht über die große Klingelbrücke und den See."6

Anmerkung

1 vgl. Schröder, K: "Englische Parthien" und fremdländische Gehölze; in Preußische Gärten in Europa, hrsg. von SPSG, Potsdam 2007 und Köhler, M.: Frühe Landschaftsgärten in Russland und Deutschland, Berlin 2003.

2 GStAPK I.HA Rep.100 Ministerium des Königlichen Hauses Nr. 2180.

3 Biotopkartierung durch planland Planungsgruppe Landschaftsentwicklung GbR, Berlin; Faunistische Untersuchung durch alnus GbR Linge & Hoffmann, Berlin.

4 Schriftliche Mitteilung von Prof. Dr. Marcus Köhler vom 03.12.2012.

5 Nach § 5 Abs. 1 Nr. 10 Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Ruppiner Wald- und Seengebiet".

6 Wie Anm. 1.

Dipl.-Ing. (FH) Mathias Gebauer
Autor

Fachbereichsleiter der Schlossgärten Rheinsberg und Schönhausen, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Dipl.-Ing. Katrin Schröder
Autorin

Kustodin für Gartendenkmalpflege, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

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