Zur medizinisch-gesundheitlichen Bedeutung von Gärten und Parks

Urban Green - Urban Health

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Abb. 1: Der Aufenthalt im Garten ist gesundheitsfördern – sowohl als Therapie als auch zur Vorbeugung. Foto: M. Großmann_pixelio.de

Wohl kaum eine fachliche wie administrativ-politische Publikation hat in den letzten Jahren die Bedeutung des öffentlichen Grüns und die strategische Notwendigkeit, diese urbane Natur ins 21. Jahrhundert zu transformieren so deutlich gemacht wie im April 2017 das "Weißbuch Stadtgrün"¹ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Auf wissenschaftlicher Ebene wurde durch die Tagung und Publikation der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft (DGG) mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zum Thema "Garten&Medizin"² und durch die repräsentative forsa-Umfrage "Zum Stellenwert von Parks und Grünflächen in der Corona-Pandemie" insbesondere die Bedeutung von Gärten und Parkanlagen aus gesundheitlich-medizinischen Aspekten nachgewiesen³.

Diese Wertebetrachtung der städtischen Grünräume ist entstanden auf der Basis intensiver Dialoge und Kooperationen mit einem Kompetenzcluster aus Medizin und Digitalisierung, aus Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, aus Ökologie, Ökonomie und Kultur. Im Grundsatz stellte sich immer die gleiche Herausforderung:

Das Stadtgrün, die urbanen Garten- und Parkanlagen, die alle aus einer Zeit der vergangenen Stadt- und Gesellschaftsentwicklung stammen, die in ihrer Genese nie auf die heute anstehenden Herausforderungen von neuer Arbeitswelt, von Klimawandel und sozialem Frieden, von Integration und Inklusion konzipiert wurden - allerdings auch nicht entsprechend entwickelt werden konnten - dieses urbane Grün in das 21. Jahrhundert zu transformieren.

Gerade die Vergangenheit hat deutlich gemacht wie sehr unter den Aspekten von Klimawandel ("Was die Hitze mit uns macht"4) und Trockenheit, und unter dem Aspekt der urbanen Verdichtung mit neuen gesellschaftlichen wie demografischen Strukturen und der damit verbundenen Flächensuche in den Städten das urbane Grün geschützt und weiterentwickelt werden muss.

Zu diesem weitgehend tradierten Aspekten kommt eine ganz neue Herausforderung: es ist die aus medizinischer Sicht betonte Bedeutung und Wertigkeit des Grüns, der Gärten und Parkanlagen für die Gesundheit und für das Wohlbefinden der Menschen. Im "Weißbuch Stadtgrün" heißt es zum Themenfeld 4: Gesundheit und Lebensqualität zwar fachpolitisch sehr pauschal, aber dennoch eindeutig:

"Öffentliche Grün- und Freiflächen haben als Begegnungs- und Aufenthaltsorte eine hohe Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt und die Quartiersidentität. Als Räume für Bewegung und die tägliche Erholung tragen sie zudem maßgeblich zur Gesundheitsvorsorge bei"¹.

Und: Eine wesentliche Erkenntnis des wissenschaftlichen Kongresses "Garten und Medizin" lautet: Zwar wird die gesundheitliche und wohlfühlende Bedeutung von Park- und Gartenanalgen immer betont - meist sehr allgemein und oftmals sehr individuell -, aber in aller Regel nicht auf wissenschaftlich empirischen Forschungserkenntnissen basierend und in diesem Sinne auch von der Medizin nicht als evidenzbasierte Tatsache anerkannt.

Die tradierte, mehr oder weniger klassische Auseinandersetzung des Gestern zum Thema "Garten und Gesundheit" beruht meist auf pauschalen Aussagen, wie "schön und entspannend das Aufenthalt in Park oder Garten ist", welche "Entspannung Gartenarbeit oder das Gärtnern bringen", wie sehr "die Schattierung durch Bäume die Gesundheit fördert" und ähnliches. Mehr oder weniger pauschale Angaben, die immer einer sehr subjektiven Bewertung unterzogen sind, aber eben nicht einer Kausalisierung standhalten.

Das aktuelle Gesundheitswesen basiert in einer globalisierten und digitalisierten Wissensgesellschaft elementar auf evidenzbasierten ("evidence based medicine") Fakten und Nachweisen, das heißt der beweisgestützten Medizin. Nur dann, also kausal evidenzbasiert, wird die Bedeutung von urbanem Grün für Gesundheit und Wohlbefinden im medizinischen Sinne zum allgemeinen Erkenntnisstand, zum Standardwissen und somit zum entscheidungs- und damit auch haushaltspolitischen Obligo in der Strategie der Stadt der Zukunft.

Aber: Lassen sich die positiven Wirkungen von Natur, Garten- und Grünanlagen auch wissenschaftlich, das heißt evidenzbasiert belegen?

Von der Pathogenese zur Salutogenese oder Das Gartenbeet ist besser als das Krankenbett

Was ist der Hintergrund der aktuellen und neuen Betrachtung mit einer völlig neuen Wertschätzung zu den medizinisch-gesundheitlich Wirkungen von Gärten und Parkanlagen?

"Medicus curat, natura sanat" ("der Arzt behandelt, die Natur heilt") so die Lehre des wohl berühmtesten Arztes des Altertums, Hippokrates von Kos5. Er, der auch heute noch als "Vater der modernen Medizin" gilt, unterstellte das ärztliche Handeln nicht nur einem hohen ethischen Verantwortungsbewusstsein, sondern stellte immer wieder die Interdependenz zwischen Natur, Arzt und Patient in den Fokus seines Tuns. Im Corpus Hippocraticum wird diese Auffassung manifestiert: "Die Naturen sind die Ärzte der Krankheiten", so die Beschreibung Aufgaben und Pflichten des Arztes6.

Dieses Denken durchzog die gesamte Medizin des Mittelalters bis zur Neuzeit. Seit Urzeiten galt die unter dem Begriff "Pathogenese" (altgriechisch: pathos = Leiden/Krankheit, genese = Entstehung) vorrangige ärztlich Betrachtungsweise sowohl der Entstehung als auch die Entwicklung von körperlichen und psychischen Erkrankungen. Die "Krankheit" stand im Zentrum der Betrachtung. Dabei spielen personengebundene oder verhaltensbezogene Risikofaktoren eine wichtige Rolle. Der Begriff "Salutogenese" ist als Gegenvorstellung zur "Pathogenese" zu verstehen.

Die Salutogenese untersucht diejenigen Prozesse, welche die Gesundheit erhalten und fördern. Beiden Ansätzen liegen gegensätzliche Vorstellungen über Gesundheit und Krankheit zugrunde. In der pathogenetischen Perspektive ist Krankheit die Abweichung vom Normalfall der Gesundheit, während in der salutogenetischen Perspektive Gesundheit und Krankheit die beiden Enden eines Kontinuums darstellen7.

Das Salutogenese-Modell wurde von dem amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky in den 1970er Jahren entwickelt. Antonovsky erregte 1979 große Aufmerksamkeit mit der Veröffentlichung des Buches "Health, Stress and Coping"8. Das Konzept handelt von der dynamischen Balance von Risikofaktoren und Schutzfaktoren. Die primäre Frage ist nicht mehr: "Warum erkranken Menschen?", sondern: "Warum und wie bleiben Menschen trotz möglicherweise vorhandener Risikofaktoren/-konstellationen gesund?" Wie sind die äußeren (Umwelt-)Lebensbedingungen?

Laut WHO bezeichnet "Gesundheit" den "Zustand von vollständig körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden", und ist damit nicht nur die "bloße Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen". Das neuere Salutogenese-Modell sieht in Gesundheit eher einen Prozess. Der Club of Rome (1968) und die Studie "Grenzen des Wachstums"9 erkannten die fünf großen Herausforderungen der globalisierten Welt: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung des Lebensraumes.

Gut 50 Jahre nach diesem "Umweltaufschrei" des Club of Rome hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Naturräume, insbesondere urbane Grünräume (Stadtgrün), und Gewässer (Stadtblau) ein großes gesundheitsschützendes und -förderndes Potenzial besitzen und in vielfältiger Weise positiv auf die psychische, physische und soziale Gesundheit sowie das Wohlbefinden von Menschen einwirken können. Es ist die Transformation der medizinischen Salutogenese in die Stadt- und Freiraumplanung, wenn (!)

  1. die medizinisch-wissenschaftliche Parameter und Mindeststandards erfüllt werden,
  2. diese Erkenntnisse in den Prozess der Stadt- und Bauleitplanung integriert und umgesetzt werden und
  3. die Gesellschaft (die Kommune) bereit ist, die dafür erforderlichen personellen wie finanziellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Angesichts der großen Bedeutung des städtischen Lebensumfeldes im Zeichen von Urbanisierung und digital geprägter Arbeits- und Freizeitwelt wird der städtische Raum immer häufiger assoziiert durch die sogenannten "environmental bads" [10] mit belastenden und gesundheits-schädigenden Einwirkungen über Boden, Wasser und Luft sowie aus der baulich-technischen und der sozialen Umwelt (z. B. Lärm, Luft- und Bauschadstoffe, Altlasten, Hitzeinseln, aber auch Unfälle, soziale Isolation oder Gewalterfahrungen).

Den "environmental bads" stehen gesundheitsförderliche, salutogene Ressourcen aus der Umwelt ("environmental goods") gegenüber¹0. Diese können gesundheitliche Belastungen mildern, das allgemeine Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung erhalten, aber auch steigern.

Zu den gesundheitsförderlichen Ressourcen zählen auch soziale Unterstützung durch Familie und Nachbarschaft, Quartiersidentität, gesundheitsrelevante Einrichtungen.

Die signifikant gesundheitsvorsorgenden, gesundheitsfördernden und gesundheitsrevitalisierenden Determinanten des urbanen Grüns können sowohl durch direkte wie durch indirekte Wirkungen erzielt werden¹¹.

  • Direkte Wirkungen durch die Minderung und Moderation möglicher Risiken aus der Lebensumwelt (z. B. Lärm, Feinstaub, Hitze), durch die psychisch-physiologischen Wirkungen des Naturerlebnisses und die physischen Auswirkungen der Exposition gegenüber Naturstoffen und -elementen;
  • Indirekt wirken Park- und Gartenanalgen beispielsweise über die Anregung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen (z. B. Anreiz für mehr Bewegung), über die Nutzung als Outdoortreffpunkt sowie die Minderung von Aggressionen und daraus resultierender Effekte für das soziale Wohlbefinden und insbesondere als sozial, Integration wie Inklusion bedeutende urbane Räume

Abb. 2: Was die Hitze mit uns macht. Quelle: Statista, Infografik Oktober 2022

Gesundheitsbewusstsein im öffentlichen und privaten Raum

Obwohl die vielfältigen, gesundheitsfördernden und -erhaltenden Wirkungen des urbanen Grün - insbesondere aus ökologisch-städtebaulicher Sichtweise, in den letzten Jahren erforscht wurden und zumindest ansatzweise als evidenzbasiert, wissenschaftlich anerkannt gelten [z. B. 11, 12, 13, 14, 15, 17, 18] steht die Integration von Garten/Natur +Medizin/Gesundheit sowohl

  • als entscheidungsrelevanter Faktor der Stadtplanung wie auch
  • als gesundheitsrelevanter Faktor (und damit auch als medizinisch abzurechende Leistung im Gesundheitswesen) am Anfang.

Einige Studien und Übersichtsarbeiten haben schon um die Jahrtausendwende auf die Steigerung des allgemeinen gesundheitlichen Wohlbefindens der Bevölkerung durch die Nutzung von Naturräumen hingewiesen [16, 19, 20]. Allerdings ist dieses bisher häufig nicht systematisch und wissenschaftlich erfasst. Inzwischen gibt es aber eine Vielzahl von Studien die sich diesem Thema widmen.

Hierbei spielt auch der Typus des Naturraums (naturnah oder stark anthropogen überformt, Wald oder Park), eine wichtige Rolle. Allerdings, so die Autoren Claßen/Bunz [¹¹], stammen diese Erkenntnisse zumeist aus epidemiologischen Querschnittstudien mit teils sehr unterschiedlichen Naturraumdefinitionen und somit Assoziationen, die aber keine gesicherten Wirkungen beschreiben. In experimentellen Studien werden hingegen häufig typisch urbane Szenerien eher ländlichen, naturnahen Szenerien gegenübergestellt.

Neben dem rein existent existentiellen Vorhandensein von Park- und Gartenanlagen und der räumlichen Verteilung im System der urbanen Flächennutzung hat aber auch der qualitative Zustand eine eminente Bedeutung.

Deutlich nachgewiesen in der anfangs bereits zitierten Forsa-Untersuchung von 2021 zur Bedeutung des Grüns in Corona-Zeiten, wurde doch die schlechte Qualität und der Pflegezustand bemängelt und als abwertend für den Parkbesuch dargestellt. Auch sind deutliche Hinweise auf eine räumliche Differenzierung der Verfügbarkeit, Erreichbarkeit und Qualität sowie auf eine soziodemographische Differenzierung der Wahrnehmung und Nutzung von "Stadtgrün" und "Stadtblau" bekannt [¹²] aus denen sich stadtspezifische Empfehlungen für die weitere Freiraumentwicklung ableiten lassen.

Insbesondere Begriffe und Aspekte wie Ästhetik, Atmosphäre, Sicherheit und (sozial-)räumliche Identifikation besitzen einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung bei der Wahrnehmung und Bewertung von "Stadtgrün" und "Stadtblau" bezüglich der gesundheitlichen Wirkungen. Mittlerweile kennen wir, insbesondere bedingt durch die teilweise extremen Haushalts- und Stellenkürzungen im kommunalen Grünflächenwesen auch viele Parkanlagen in Städten, die durch zu geringe Pflege, durch Verschmutzung, durch "unkluge" Gestaltung oder starke Übernutzung eher das Gegenteil bewirken: nämlich Angst, Aggression und Furcht vor dem Parkbesuch. Grün kann daher also gesundheitsfördernd aber auch gesundheitsnachteilig sein.

Abb. 3: Anregung zur medizinisch angeleiteten Bewegung, Cardio Walk im Stadtpark von Ascona. Foto: Klaus Neumann

Abb. 4: Anregung zur medizinisch angeleiteten Bewegung, Cardio Walk im Stadtpark von Ascona. Foto: Klaus Neumann

Einige Beispiele zur nachgewiesenen gesundheitlichen Bedeutung von Park- und Gartenanlagen

  • Im Sommer 2018 hat ein Wissenschaftsteam um Caoimhe Twohig-Bennett und Prof. Dr. Andy Jones von der Norwich Medical School der University of East Anglia eine systematische Übersicht und Metaanalyse zum langfristigen Effekt des Grüns auf Menschen vorgestellt [¹³]. Danach reduzieren ein Leben nahe der Natur und viel im Freien verbrachte Zeit unter anderem die Risiken von Diabetes Typ II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vorzeitigem Tod, Frühgeburten und Stress.
  • Unter dem Titel "Gärtnern gegen Depression" berichtet die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz14 mit Prof. Dr. Andreas Fellgiebel, Chefarzt für Gerontopsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik Alzey, zur Aktivität in der Natur im Alter: "Ca. 7 % aller Menschen ab 65 Jahre haben eine Depression. Das wichtigste Rezept gegen Depression ist Aktivität in der Natur im Alter. Depression ist nämlich eine einzige Kränkung. Man verliert alles was einem wichtig ist, schafft es aber oft nicht, positive Aktivitäten aufzubauen. Deshalb sind der Garten und die Gartenarbeit das beste Mittel gegen Depression. Die sozialen Kontakte beim Gärtnern und Umgang mit der Natur sind die beste Therapie".
  • Roger S. Ulrich, Architekturprofessor von der Chalmers Universität in Göteborg/Schweden, war einer der ersten, der die heilsame Wirkung von Büschen und Bäumen in einer Studie beschrieb [15]. Bereits vor gut 30 Jahren teilte er Krankenhaus-Patienten, die sich einer Gallenblasen-Operation unterzogen hatten, in zwei Gruppen ein: Die Patienten der einen Gruppe schauten aus ihren Krankenbetten durch das Fenster ins Grüne, die Patienten der anderen Gruppe auf eine Backsteinmauer. Die Patienten, die auf Bäume und Büsche schauten, erholten sich schneller von der Operation. Sie benötigten geringere Dosen an Schmerzmitteln, und die Pflegekräfte attestierten ihnen einen optimistischeren Blick in die Zukunft. Diese Untersuchung und viele Nachfolgestudien begründen heute Konzepte einer Krankenhausarchitektur, die beispielsweise Wert darauflegt, dass Farbe und Beleuchtung das Sonnenlicht simulieren oder dass Patienten durch das Fenster in vielgestaltige Klinikgärten mit Büschen und Bäumen schauen können.

Abb. 5: Anregung zur medizinisch angeleiteten Bewegung, Venenpfad. Foto: Klaus Neumann

Abb. 6: Anregung zur inneren Entschleunigung (innere Ruhe), überdimensionale Sanduhr. Foto: Klaus Neumann

Tabelle: Klaus Neumann

Fazit

Obwohl es Grünflächen in Städten schon in der Antike gab, sind die gesundheitlichen Auswirkungen von Stadtnatur erst seit einigen Jahrzehnten Thema wissenschaftlicher Studien. Sie zeigen, dass sich selbst kleine Orte der Begrünung, Rasen und Sträucher vor allem Bäume positiv auf subjektiv und objektiv messbare gesundheitlich relevante Faktoren auswirken. Wohn- und Lebenszufriedenheit nehmen zu, die Verweildauer im Krankenhaus verkürzt sich, Bewegung, Begegnung und Erholung fördern Gesundheit und Wohlbefinden, wohingegen Stress und Blutdruck, soziale Ungleichheit und Kriminalität abnehmen.

Natur in der Stadt ist damit ein wesentlicher, die Gesundheit fördernder Faktor. Genau das ist der Gedanke der Salutogenese, das heißt von Gesunderhaltung und Förderung, die sich auf körperliche, seelische und soziale Gesundheit von Menschen bezieht und kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der Natur und den Möglichkeiten der Menschen Natur zu erleben, einen breiten Raum zu geben. Zitat von Richard Louv (Chairman des Children & Network)20: "Medikamente, Meditation, Merlot-vieles kann Sinn und Trost bieten. Wirklich nachhaltig heilt nur die Natur". Dieses Postulat gilt es zu ergänzen: Und im urbanen Raum ist es das urbane Grün!

Direktüber unmittelbare Wechselwirkungen Inhalation von Feinstaub Vegetationsstrukturenmit Individuen Lärmexposition Vegetationsdichte, Biomasse Blick ins Grüne

Indirekt Minderung von Hitzeextremen durch Stadträumliche Verteilung durch die Beeinflussung weiterer Gewässer (Stadtblau), Grünflächen und qualitative Ausstattung Umweltfaktoren (Stadtgrün) von Stadtgrün und Stadtblau

Indirekt Förderung der Bewegung Spezifische Outdoor-Angebotedurch eine mögliche Beeinflussung Anreize zu Kommunikation kommunikationsanimierende Anreize zum Gesundheitsverhalten Planung und Gestaltungvon Individuen sowie unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen

Abb. 7: Ohne Worte, "urban green ohne urban health". Foto: Klaus Neumann

Quellen

¹. BMUB: Weißbuch Stadtgrün. Grün in der Stadt - Für eine lebenswerte Zukunft. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, (BMUB). Berlin, 2017.

². BMEL: Kongress Garten und Medizin von DGGL und BMEL. Tagungsband. Hrsg. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Ref. 515, Bonn, 2018.

³. BGL: Zur Zufriedenheit der Bevölkerung mit städtischen Grünflächen. Eine repräsentative Forsa-Studie der BGL-Initiative "Grün in die Stadt". Bad Honnef 2021.

4. Statista: Was die Hitze mit uns macht. de.statista.com/infografik/14938/gesundheitliche-auswirkungen-von-hitze. Oktober 2022.

5. Hippokrates von Kos: Medicus curat, natura sanat. Deutsche Enzyklopädie. www.enzyklo.de/Begriff/Medicus_curat,_natura_sanat

6. Meyer-Steyneg, Theodor/Schonack, Wilhelm (Hrsg.): Hippokrates über Aufgaben des Arztes und Pflichten des Arztes in einer Anzahl auserlesener Stellen aus dem Corpus Hippocraticum. Verlag: Bonn. A. Marcus und E. Weber., 1913.

7. Franke A.: Salutogenetische Perspektive. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg) Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention - Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. BZgA, Köln, 2011.

8. Antonovsky Aaron: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Hrsg. Franke, A.. Forum für Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis 36, Verlag: dgvt-Verlag, 1997.

9. Meadows, Dennis L.: Die Grenzen des Wachstums: Bericht d. Club of Rome zur Lage der Menschheit. Verlag: Rowohlt Verlag, 1973.

10. Marek, L. Hobbs. M, Wiki, J u. a.: Good, the bad, and the environment: developing an area-based measure of access to health-promoting and health-constraining environments in New Zealand. International Journal of Health Geographics. Published: 06. April 2021.

¹¹. Claßen, Th. Bunz. M.: Einfluss von Naturräumen auf die Gesundheit-Evidenzlage und Konsequenzen für Wissenschaft und Praxis. Bundesgesundheitsblatt 2018 · 61:720-728. Online publiziert: 16. Mai 2018.

¹². Claßen T.; Völker S., Baumeister H. et al.: Welchen Beitrag leisten urbane Grünräume (Stadtgrün) und Gewässer (Stadtblau) für eine gesundheitsförderliche Stadtentwicklung? UMID Umwelt Mensch Information, 02/2014.

¹³. Twohig-Bennett, C; Jones, A.: The health benefits of the great outdoors: A systematic review and metaanalysis of greenspace exposure and health outcomes, Norwich Medical School, University of East Anglia, United Kingdom, Environmental Research 166 (2018) 628-637.

14. Wank, V.; Heger, H.; Schwarz, M.: Forschungsstudie zum Projekt "Natürlich sportlich: Obstwiesen- und Gartenarbeiten als Raum und Katalysator für bewegungsorientierte Landschaftspflege sowie Naturerleben. Institut für Sportwissenschaft, Arbeitsbereich Biomechanik, Bewegungs- und Trainingswissenschaft, 2011.

15. Ullrich, R. "Healing Architecture" - wie Räume heilen helfen. In: Management und Krankenhaus. 28.07.2020. www.management-krankenhaus.de/news/bauen-einrichten-versorgen

16. Takano, T., Nakamura, K. Watanabe, M. 2002. Urban residential environment and senior citizens longevity in mega-city areas: the importance of walkable green space, J. Epidemiol. Comm. Health 56 (12), 913-916.

17. Spitzer, M. "Der positive Einfluss von Stadtnatur auf unsere Gesundheit. Bund Naturschutz in Bayern. Nürnberg, 2019.

18. Hornberg, C.: Beyer, R.; Claßen, Th.: Stadtnatur fördert die Gesundheit. May 2016. In: Ökosystemleistungen in der Stadt - Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen (pp.98-124)Chapter: 4.Publisher: Naturkapital Deutschland - TEEB DE Editors: Ingo Kowarik, Robert Bartz, Miriam Brenck. Project: Green space, urbanity, and health.

19. Heusdorf, U.: Über den Zusammenhang von Grün und Gesundheit. StadtundRaum 5/2008.

20. Louv, R.: Natur und Psyche. Vitamin N: Therapie ohne Nebenwirkungen. Psychologie Heute. Belz Verlag, Dezember 2012.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Stadt+Grün 01/2023 .

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