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Wertvolle Moorlandschaften neu vernässen!

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Moore sind Gebiete, in denen Torf den Boden bildet. Als Torf wird abgestorbenes Pflanzenmaterial, organische Substanz, bezeichnet, das wegen Wassersättigung und damit anoxischen Verhältnissen nicht vollständig abgebaut wurde und dessen Struktur daher noch erkennbar ist. Nasse Moore zeichnen sich also durch einen flurnahen Wasserstand und eine langfristig positive Kohlenstoffbilanz aus. Es wird mehr Biomasse produziert als abgebaut, wodurch ein nasses Moor je nach Standort etwa einen Millimeter pro Jahr wächst.
Moore Klimawandel
Abb. 1: Fieberklee (Menyanthes trifoliata). Foto: Julia Mende

Grundsätzlich werden zwei Grundtypen unterschieden: Niedermoore, die ihr Wasser überwiegend aus Grund- und Oberflächenwasser erhalten und Hochmoore, die ausschließlich durch Niederschlagswasser gespeist werden. Dadurch erhalten Hochmoore weniger Nährstoffe und es herrscht ein saures Milieu, torfbildende Pflanzen sind hier unter anderen Torfmoose oder Kleinseggen. Im Gegensatz dazu sind Niedermoore nährstoffreicher und zumeist von Schilfrohr oder Großseggen bewachsen. In Deutschland sind Niedermoore vor allem im Norden – Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, aber etwa auch in Niedersachsen und Bayern, vertreten. Hochmoore sind seltener und haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in Niedersachsen.

Zustand und Entwässerung

Während sich global noch 88 Prozent der Moore in einem natürlichen Zustand befinden, sind in Deutschland 95 Prozent degradiert (Mooratlas 2023), diese sind meist nur noch an ihren organischen Böden als Moorrelikte zu erkennen. Dabei werden unterschiedliche Degradationsstufen unterschieden, je nach Beeinträchtigung der drei wesentlichen Komponenten eines Moors: Pflanzen – Wasser – Torf, die in komplexen Beziehungen voneinander abhängig sind. Meist beginnt die Degradation mit Entwässerung, aber was ist das Problem entwässerter Moore?

Erstens verursachen sie sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands. Während Moorböden nur zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ausmachen, verursachen sie 37 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen (Mooratlas 2023). Dies begründet sich in der stark geförderten Zersetzung des Torfs, welcher aus einem hohen Anteil organischen Kohlenstoffs besteht. Dadurch entstehen vor allem Kohlendioxid (CO2), aber auch Lachgas (N2O) und Methan (CH4), die in die Atmosphäre entweichen. Zweitens sackt der Boden ab – pro Jahr etwa einen Zentimeter, da der Torf abgebaut wird und sich kein neuer bilden kann. Außerdem verliert der Torf durch fehlende Wassersättigung Auftrieb und drückt stärker nach unten. Zusätzlich verändert sich die Torfbodenstruktur, verdichtet sich, wodurch wiederum die Wasserdurchlässigkeit reduziert ist. Dazu kommen Schrumpfungsrisse, die Wasser schneller ableiten.

Dies führt zu drittens, einem eingeschränkten Wasserrückhaltevermögen und damit höheren Wasserstandsschwankungen. Trocknet der degradierte Torfboden ganz aus, wird dieser hydrophob, Wasser kann also nicht mehr schnell in den Boden eindringen, insbesondere bei Starkregen nimmt der Oberflächenabfluss zu. Letztendlich werden bereits durch Entwässerung, aber noch viel schneller durch eine anschließende Nutzung der Fläche die standorttypischen Moorpflanzen verdrängt.

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Abb. 2: Sehr schwach zersetzter Torfmoostorf. Foto: Anja Kattanek
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Abb. 3: Mittel zersetzter Seggentorf. Foto: Julia Mende

Geschichte und Nutzung

In Deutschland wurden Moore vor allem seit dem 18. Jahrhundert im großen Stil entwässert. Eines der ersten großen Projekte war die Trockenlegung des Oderbruchs im Osten Brandenburgs durch den preußischen König Friedrich II. Später kam es sowohl im Ersten Weltkrieg als auch zur NS-Zeit zu großflächigen Entwässerungen, um Moorgebiete urbar zu machen. Sowohl die DDR als auch die BRD führten große Entwässerungsprojekte durch, beispielhaft sei der 1950 beschlossene Emslandplan zu nennen. Gleichzeitig wurden aus demselben Selbstverständnis überall Gräben, Rohre und Pumpen geschaffen. Eine solche tiefgreifende Hydromelioration führte zu einer weiträumigen Degradierung der Moorstandorte. Bei solchen Maßnahmen diente häufig die Niederlande als Vorbild, wo diese Maßnahmen zu wirtschaftlicher Prosperität beitrugen, was auch das Ziel in Deutschland war.

Die entwässerten Moore konnten dann zum einen zur Torfstecherei genutzt werden. So wurde Torf in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert aufgrund der Holzverknappung zu einem wichtigen Energieträger, wurde aber auch zur Bodenverbesserung oder als Streu eingesetzt. Heute spielen diese Nutzungsarten in Deutschland kaum eine Rolle mehr. Hier findet Torf seit Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich im Gartenbau oder Gemüseanbau Verwendung. Insbesondere die positiven Eigenschaften von Torfmoostorf machen ihn zu einem idealen Pflanzensubstrat. Er ist grobporenreich und kann damit gut Luft und Wasser speichern, hat eine stabile Struktur und enthält weder Nährstoffe noch Schadstoffe oder Krankheitserreger.

Zum anderen werden Moorflächen zur Landwirtschaft genutzt. In Deutschland findet auf etwa ein Fünftel aller Moorböden Ackerbau statt. Der Großteil unterliegt allerdings der Grünlandnutzung. Dabei ist zu beachten, dass jegliche Nutzung entwässerter Moore hohe Treibhausgasemissionen verursacht, Äcker jedoch noch mehr als Grünland, da diese tiefer entwässert werden müssen. Zu kleineren Anteilen gibt es auch Forstwirtschaft, erneuerbare Energien oder Infrastruktur und Siedlungen auf Moorböden. Letztere sind insbesondere mit der Herausforderung der oben beschriebenen absackenden Moorböden konfrontiert, was Küstenorte in besonderem Maße gefährdet.

Der Wert naturnaher Moore

Moore sind einzigartige Feuchtgebiete und Lebensräume für zahlreiche spezialisierte Pflanzenarten, welche die Lebensgrundlage für spezialisierte Tierarten darstellen. Je nach Wasserhaushalt, Nährstoffgehalt und Säuregehalt von Wasser und Boden gibt es unterschiedliche hydrogenetische und ökologische Moortypen, die wiederum verschiedenen Arten Habitat bieten.

Beispiele für angepasste Pflanzen sind der fleischfressende Sonnentau (Drosera spec.), Sumpfporst (Rhododendron tomentosum), Moosbeere (Vaccinium spec.), Wollgräser (Eriopherum spec.), Knabenkräuter (Dactylorhiza spec.), zahlreiche Seggen (Carex spec.) und auch oft gedrungene Gehölze wie Zwergbirken (Betula nana) oder Kiefern (Pinus sylvestris). Als Vogelart ist der Seggenrohrsänger herauszustellen, da er als die einzige global gefährdete europäische Singvogelart gilt.

Durch diese spezifische Artenvielfalt kann Mooren ein Eigenwert zugesprochen werden. Dennoch kann diese Lebensraumleistung auch als Grundlage für andere Ökosystemdienstleistungen angesehen werden. Im Folgenden werden diese instrumentellen Werte für den Menschen beschrieben.

Produktionsfunktion

Die Produktionsfunktion bezieht sich auf die Kapazität von Mooren, Ressourcen zu liefern. Torf ist wie oben bereits beschrieben eine solche Ressource. Er kann als Dünger, Substrat, Energieträger, Streu oder Filtermedium fungieren und für Textilien, als Baustoff, Naturheilmittel, Rohstoff für Aktivkohle oder zur Whiskey-Herstellung genutzt werden. Pflanzen oder Tiere aus Mooren können als Nahrung oder Medizin verwendet werden, darunter zählen auch die Produkte aus Land- und Forstwirtschaft. Nicht zuletzt sorgen Moore für Trinkwasser, indem sie als Wasserfilter dienen.

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Abb. 4: Verbreitung organischer Böden in Deutschland. Karte: Greifswald Moor Centrum-Schriftenreihe, 01/2020 Foto: Julia Mende
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Abb. 5: Eine Landschaft wird zur braunen Wüste: Torfabbaugebiet in Aukštumala, Litauen. Foto: Julia Mende

Regulationsfunktion

Die Regulationsfunktion bezieht sich auf die Kapazität von Mooren, essenzielle ökologische Prozesse zu unterstützen. So filtern Moore das durch sie hindurchdringende Wasser und fungieren als Stoffsenke für Schwermetalle, Stickstoff und Phosphor.

Außerdem tragen sie in hohem Maße zur Wasserretention in Landschaften bei. Starkregen können sie abpuffern und Hochwasserwellen abflachen, während sie in Trockenphasen als natürlicher Wasserspeicher dienen und Wasser bereitstellen können. Besonders in stark bebauten Gebieten profitieren Menschen vom Überschwemmungsschutz.

Moore erfüllen also eine Schwammfunktion in der Landschaft, die auch im Fokus des Forschungsprojekts "SpongeScapes" (Stadt Hannover 2023) steht, im Rahmen dessen der natürliche Wasserrückhalt von Landschaften gefördert werden soll, indem unter anderem Moore wiedervernässt und Drainagen generell rückgebaut werden sollen, sodass auch neue Feuchtgebiete entwickelt werden können.

Die dritte wichtige Regulationsfunktion ist die des Klimas. So sind Moore mächtige Kohlenstoff-Speicher. Sie bedecken nur drei Prozent der weltweiten Landfläche, in ihren Torfböden sind aber etwa ein Drittel des gesamten organischen Bodenkohlenstoffs gespeichert. Das ist doppelt so viel Kohlenstoff wie in der gesamten Wald-Biomasse der Welt enthalten ist.

Die Klimakühlungsleistung in den letzten 10.000 Jahren durch den Entzug und die Fixierung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre wird auf zwischen 0,6 und zwei Grad Celsius geschätzt (Mooratlas 2023, Klingenfuß et al. 2015). Wachsende, nasse Moore emittieren zwar mehr Methan als entwässerte Moore, binden dafür aber deutlich mehr Kohlendioxid, wodurch sie Netto-Kohlenstoff-Senken sind.

Moore wirken weiterhin positiv und ausgleichend auf das Lokalklima ihrer Umgebung. Durch Verdunstung kühlen sie diese vor allem bei hohen Lufttemperaturen und können die sommerliche Wärmebelastung durch Schaffung niedrigerer nächtlicher Temperaturen reduzieren. Das wirkt sich positiv sowohl auf die Menschen als auch die Vegetation in der Umgebung aus.

Dieser spürbare Kühlungseffekt besteht bis zu etwa 200 Metern Abstand zur Moorfläche. Bedeutend dafür ist ebenso das Vorhandensein von Mooren in Kaltluft-Austauschgebieten, also Freiflächen, die durch ihre Größe und Lage eine hohe stadtklimatische Relevanz haben. Zu beachten ist, dass die Verdunstungsleistung in Abhängigkeit von Pflanzenarten und Bestandsdichte variiert und sich bei abnehmendem Wasserstand reduziert.

Kulturelle, nichtmaterielle Funktion

Neben den materiellen Ökosystemdienstleistungen erfüllen Moore nicht-materielle und kulturelle Funktionen, von denen einige beispielhaft skizziert werden sollen. So werden Moorlandschaften zu Erholungszwecken genutzt – sie sind Orte zum Stressabbau, Kraftschöpfen und Kontemplation. Solch ein emotionales Naturerlebnis kann außerdem zur Umweltbildung dienen, unterstützt durch Stege mit Informationstafeln, die durch Moore führen.

Moore bieten für die sie besuchende Menschen auch ästhetische Erfahrungen, die bereits verschiedene Künstler*innen inspirierten und immer wieder als mystisch oder magisch benannt werden. Nicht zuletzt eignen sich Moore für die Rekonstruktion der Mensch- und Umweltgeschichte, da sich im wassergesättigten und dadurch kaum zersetzten Torf Makrofossilien von Pflanzen sowie Pollen und Sporen und sogar archäologische Objekte bewahren können. Man spricht dabei von der Archivfunktion.

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Abb. 6: Sonnentau. (Drosera rotundifolia) Foto: Julia Mende
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Abb. 7: Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) Foto: Julia Mende
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Abb. 8: Sumpfporst (Rhododendron tomentosum). Foto: Julia Mende

Wiedervernässung

Die oft angesprochene Wiedervernässung entwässerter Moore ist aus Natur- und Klimaschutzsicht unbedingt notwendig – neben dem Schutz der wenigen verbliebenen natürlichen Moore. Allerdings kann sie die ursprünglichen Zustände und damit Ökosystemdienstleistungen nur bedingt wiederherstellen, insbesondere bei höherer Degradationsstufe. Wiedervernässte Moore weisen weniger organische Substanz, also einen geringeren Kohlenstoff-Speicher, stärkere Wasserspiegel-Schwankungen, also ein schlechteres Wasserretentionsvermögen und damit geringeren Hochwasserschutz, sowie mehr hochwüchsige Pflanzen und weniger Artenreichtum auf.

Je nach Moortyp und Geländegegebenheiten muss für eine Wiedervernässung unterschiedlich vorgegangen werden. Im Allgemeinen stellt der Rückbau der Hydromeliorationsmaßnahmen wie Drainagerohre oder Pumpen den ersten Schritt dar. Gräben können angestaut oder verfüllt werden. In Niedermooren können Bäche genutzt werden, indem ihnen Freiraum gelassen wird. Bedeutend ist dort auch, dass ein möglicher Nährstoffeintrag bereits am Rand abgefangen wird. Es empfiehlt sich oft ebenso, Sträucher oder junge Bäume durch Entkusselung zu entfernen um die Konkurrenz zu Moorpflanzen sowie die Verdunstung zu verringern.

In Hochmooren sind Dämme oder eine senkrechte Teichfolie am Rand sinnvoll, um das Wasser in der Fläche zu halten. In jedem Fall ist ein Wasserüberschuss nötig, was einerseits einen Konflikt mit der zunehmenden Wasserknappheit darstellt. Andererseits begünstigen nasse Moore einen günstigeren Wasserhaushalt, was eben dieser Wasserknappheit auch entgegenwirken kann, indem zum Beispiel Winterniederschläge rückgehalten werden.

Paludikultur

Die Nutzung wiedervernässter Moore muss, zumindest für den Klimaschutz, nicht aufgegeben werden. Die sogenannte Paludikultur bezeichnet die nachhaltige Bewirtschaftung nasser Moore. Eine solche Nutzung orientiert sich an den natürlichen Bedingungen mit ganzjährig hohen Wasserständen. Damit können nachwachsende Rohstoffe gewonnen werden, während gleichzeitig Torfbildung möglich wird, da die unterirdische Biomasse in der Fläche verbleibt.

Auf Hochmoorböden können Torfmoose (Sphagnum spec.) kultiviert werden, die unter anderem im Gartenbau alternativ zu Torf verwendet werden können. Auf Niedermoorböden wachsen zum Beispiel Schilf (Phragmites australis) und Rohrkolben (Typha spec.), die als Baustoff für Schilfdächer oder Wanddämmung, als Brennstoff, in Biogasanlagen oder als Verpackungsmaterial verwertet werden können.

Die nutzbaren positiven Eigenschaften der Pflanzen kommen von ihrer Anpassung an ihren nassen Lebensraum. Luftführendes Gewebe macht Rohrkolben und Schilf stabil, letzteres ist durch Silizium-Einlagerungen zusätzlich wasserresistent, schwer entflammbar und resistent gegen Pilze. Torfmoose wirken wie ein Schwamm – ein Kilogramm kann bis zu 30 Liter Wasser speichern.

Gehölze wie Schwarzerle (Alnus glutinosa) und Weiden (Salix spec.) können unter anderem als Bau- oder Brennstoff genutzt werden, ebenso wie andere Pflanzen, etwa Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Sonnentau oder Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus) als Medizin, sowie Seggen in Biogasanlagen, als Brennstoff, Einstreu oder Futter. Eine Beweidung funktioniert nur extensiv mit Wasserbüffeln, die den nassen Untergrund vertragen.

Aus der Paludikultur ergibt sich im Idealfall eine doppelt positive Klimawirkung, indem nicht nur Treibhausgasemissionen verringert, sondern gleichzeitig andere fossile Rohstoffe, als solcher Torf im Übrigen auch bezeichnet werden kann, oder energieintensive Produkte ersetzt werden.

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Abb. 9: Abendstimmung am Lehrpfad Aukštumala, Litauen. Foto: Julia Mende

Umsetzungshemmnisse

Die Umsetzung von Wiedervernässungen und Paludikultur ist mit diversen Herausforderungen verbunden. Es müssen sowohl wasserwirtschaftliche, naturschutzfachliche als auch planerische Vorgaben berücksichtigt werden. In zwei Greifswalder Studien (Reichelt & Lechtape 2019, Schäfer & Yilmaz 2019) wurden Handlungsempfehlungen zusammengefasst. Demnach sollte sich frühzeitig mit allen beteiligten Akteur*innen ausgetauscht und interne Kommunikations- und Kooperationsstrukturen aufgebaut werden, außerdem Gutachten von Planungsbüros angefertigt und der örtliche Wasser- und Bodenverband einbezogen werden. Weiterhin müssen Pachtverträge beachtet und angepasst werden, da Wiedervernässungen oftmals bauliche Veränderungen erfordern.

Natürlich müssen sowohl Eigentümer*in als auch Nutzer*in einer Fläche ihr Einverständnis geben – in Fällen, in denen Städte Eigentümerin von Moorflächen sind, tragen sie eine besondere Verantwortung für die Umsetzung von Wiedervernässungsmaßnahmen, da die Umsetzung so beschleunigt stattfinden kann.

Abgesehen davon kann wasserrechtlich ein Planfeststellungsbeschluss nötig sein, wenn ein Gewässer, wie ein Graben, dauerhaft verändert werden soll.

Für die Etablierung von Paludikultur kann naturschutzrechtlich das Grünlandumbruchverbot problematisch sein, da dieses grundsätzlich eine Wiedervernässung mit anschließendem Flächenumbruch verbietet. Außerdem könnten gegebenenfalls Natura-2000-Schutzgebiete beeinträchtigt werden oder durch die Wiedervernässung erst geschützte Biotope entstehen.

Ferner ist das Rückschnittverbot von Röhrichten wegen des Artenschutzes zu beachten. Grundsätzlich prioritär vernässt werden sollten einerseits Moorflächen mit den höchsten Treibhausgasemissionen und andererseits Flächen, die aufgrund ihrer Lage besonders leicht wiedervernässt werden können. Zudem sollten bei allen Planungen für Bauvorhaben in der Nähe von Moorflächen vorausschauend die mögliche Wasserstandsanhebung einkalkuliert werden.

Für die Etablierung von Paludikultur ist es weiterhin essentiell, lokale und regionale Verwertungsmöglichkeiten und Vertriebswege zu schaffen, der Aufbau dieser sollte, neben der Bewirtschaftungsform an sich, mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Denkbar sind Produktlabel, Subventionen oder Flächenprämien. Neben der finanziellen Unterstützung ist auch eine ausreichende Information der Landwirt*innen nicht zu vergessen, um die Umstellung überhaupt anzuregen und zu erleichtern.

Auf EU-Ebene sorgt die Gemeinsame Agrarpolitik dafür, dass es in der neuen Förderperiode 2023-27 attraktiver für Agrarbetriebe ist, die Wasserstände ihrer Böden anzuheben und nass zu bewirtschaften. Außerdem wurden im Vorschlag für das EU Nature Restoration Law Vorgaben zur Wiederherstellung aller Ökosysteme unabhängig vom Schutzstatus sowie konkrete Forderungen zur Wiederherstellung von Mooren festgehalten.

Zusammenfassend lässt sich die Forderung Greifswalder Moorforscher*innen unterstützen: "Moor muss nass"– und das lieber früher als später.

B.Sc. Julia Mende
Autorin

Landschaftsnutzung und Naturschutz

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