Forschungsergebnisse zur Kombination von Stauden mit Gehölzen

Pflegeersparnis und Diversität durch Coppicing

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Seit mehr als zwei Jahrzehnten bieten Staudenmischpflanzungen in den Städten und im urbanen Umfeld die Möglichkeit Standorte attraktiv und pflegeersparend zu begrünen. In den publizierten Mischungen sind bis auf wenige Kleingehölze oder Halbsträucher, keine größeren Gehölze vorgesehen, da man die Wurzelkonkurrenz und Verschattung fürchtet. Beim Coppicing dagegen werden Gehölze bewusst mit Stauden kombiniert.
Coppicing Grünforschung
Abb. 1: Die Forschungsfläche an der TU Berlin kurz nach der Pflanzung von Stauden und Gehölzen. Im Bild wird das Auslegen der Geophyten vorbereitet. (Oktober 2018). Foto: Dominic Wachs 2018
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Abb. 2: Erscheinungsbild der Versuchsanlage in Berlin-Dahlem im Mai 2023. Frischer Austrieb der Gehölze zusammen mit blühender Geranium Sanguineum-Hybride 'Tiny Monster', Salvia nemorosa 'Heaven in Blue' und den geöffneten Rispen von Calamagrostis x acutiflora 'Waldenbuch'. Foto: Dominic Wachs 2023
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Abb. 3: Austrieb von Catalpa Ende Mai, zusammen mit der Blüte von Hesperis matronalis und Geranium Sanguineum-Hybride 'Tiny Monster', 2023. Foto: Dominic Wachs 2023

Eine Verdrängung der Stauden wird dadurch vermieden, dass man die Gehölze regelmäßig zurückschneidet. Der bodentiefe Rückschnitt im Frühjahr führt auch zu einer Umstellung der Gehölzphysiognomie. Aus den Knospen entwickeln sich starke und je nach Art auch farbintensivere Triebe mit größeren Blättern als gewöhnlich.

Ursprünglich wird der Begriff "coppicing" für die, bis ins 20. Jahrhundert betriebenen Niederwaldwirtschaft ("coppice") verwendet. Im Deutschen lässt er sich am besten mit "auf-den-Stock-setzen" übersetzten.

Dunnett hat zum ersten Mal auf die Möglichkeit hingewiesen, durch Coppicing selbstregulierende und artenreiche Pflanzengemeinschaften zu schaffen. Er versprach sich davon auch eine Verringerung des Pflegeaufwands (1995).

2000 legte er im botanischen Garten von Harlow Carr (England) einen Versuch mit drei verschiedenen Varianten an (Dunnett 2000). Zwölf Jahre später initiierte Reif eine mit der TU Dresden ausgeführte Coppicingpflanzung im Dresdner Alaunpark (Reif 2014; Hobmeier 2020). Seit 2018 testet auch der Arbeitskreis Pflanzenverwendung des BdS verschiedene Gehölz-Staudenmischungen an unterschiedlichen Standorten Deutschlands.

In Kooperation mit dem Bund deutscher Baumschulen wurden zuvor verschiedene Gehölzarten auf deren Schnitteignung getestet und die gewonnenen Erkenntnisse für die Mischungen übernommen (Reif 2014; Hobmeier 2020; BDS 2018).

Die Verknüpfung des Mischpflanzenprinzips mit der Herangehensweise des Coppicings, führt zu höchst dynamischen Pflanzengemeinschaften. Durch den Schnitt der Gehölze können sich die Stauden im Frühjahr zunächst ungehindert entwickeln.

Im Laufe des Sommers werden sie jedoch immer weiter verschattet, sodass im Herbst die Gehölze dominieren. Die Störung (Schnitt) und der Stress (Beschattung) führen dazu, dass sich keine der Pflanzengruppen optimal entwickelt, sie aber nebeneinander koexistieren können. Aus vegetationskundlichen Untersuchungen von Niederwäldern weiß man, dass durch solche alternierenden Umweltbedingungen eine hohe Diversität erreicht werden kann (Calster et al. 2008).

Dies lässt sich sehr gut mit der von Connell (1978) aufgestellte These zur mittleren Störungstoleranz (eng. intermediate disturbance hypothesis, kurz IDH) erklären. Er geht davon aus, dass in Lebensgemeinschaften, in denen es immer wieder zu Störungen kommt, die Störungshäufigkeiten und Intensitäten aber weder zu hoch noch zu gering sind, die meisten Arten zu erwarten sind.

So kann keine Art dominieren, keine wächst unter optimalen Bedingungen, aber viele können nebeneinander und miteinander koexistieren. Ob dies auch zu einer Reduktion der Pflege beiträgt und sich tatsächlich langlebige Lebensgemeinschaften entwickeln, wurde unter kontrollierten und standardisieren Methoden des Feldversuchswesens in einem bisher fünfjährigen, dreifaktoriellen Versuchsaufbau an der TU Berlin untersucht.

Forschungsaufbau

Die Versuchsfläche wurde Ende August 2018 auf dem Forschungsgelände des Fachgebiets für Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung (TU Berlin) in Dahlem (Bezirk Steglitz-Zehlendorf) angelegt.

Um störende Einflüsse zu vermindern (Kaninchen, Wühlmäuse) ist der Bereich eingezäunt. Die Pflanzdichte der krautigen Arten beläuft sich ohne Geophyten auf zwölf Stück pro Quadratmeter, mit Geophyten auf 25 Pflanzen pro Quadratmeter. Die Jungpflanzen wurden in einer Anzuchtpallette (80 Stk./Pallette, 4 cm Ballentiefe, 28 ml Substratvolumen) von einer Jungpflanzenfirma geliefert (Zillmer Jungpflanzen) und direkt ausgepflanzt.

Um die Versamung kurzlebiger Arten zu fördern, wurde zunächst auf eine Mulchschicht verzichtet. Das übermäßige Aufkommen kurzlebiger Ackerwildkräuter und die Verschlämmung des Oberbodens führte jedoch zu einem Umdenken. Die Flächen wurden Anfang Januar 2020 mit Rindenmulch (10–40 RAL gütegesichert) in einer Schichtdicke von drei bis fünf Zentimeter gemulcht.

Faktoren und Anordnung

Im Versuch soll ermittelt werden, ob Korrelationen zwischen der Gehölzdichte (2 ,4, 5 Gehölze), dem Schnittrhythmus (ein- und zweijährig), der Artenanzahl (6, 12, 18 Arten) und dem Wachstums- und Ausbreitungsverhalten der krautigen Arten bestehen. Es erfolgte eine jährliche Bestimmung der Mortalitätsrate Anfang Mai (Beginn: Mai 2019), während die restlichen Aufnahmedaten (s. Tabelle 1: Versuchsfaktoren und Versuchsaufbau) erst nach einer einjährigen Einwachsphase erhoben wurden (ab Mai 2020).

Versuchsfaktoren und Datenerhebung

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Tabelle 1: Versuchsfaktoren und Versuchsaufbau. Abbildung: Dominic Wachs 2023
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Tabelle 2: Zusammensetzung der Mischung und Erweiterung nach Strategietypen. Abbildung: Dominic Wachs 2023

Artenauswahl

Die Auswahl der Arten orientiert sich an den Berliner Standortbedingungen und der Idee des Coppicings. Daher wurden sonnen- und schattenverträgliche Arten ausgewählt, die auch längeren Trockenperioden bei schwach lehmigem Sand tolerieren (s. Tab. 2).

Allgemeinen können die ausgewählten Arten dem Lebensbereich mäßig trockener Gehölzrand oder mäßig trockene Freifläche zugeordnet werden. Um nicht zusätzlich zu verschatten und um den jährlichen Austrieb der Gehölze nicht zu stark zu behindern, sollte keine der Stauden allzu hoch sein. Höherwüchsige und an den Standort angepasste Stauden des Strategietyps der Flächenbesetzung (Gerüststauden), wie etwa Telekia speciosa, Inula helenium, Helianthus salicifolius oder Cephalaria gigantea entfallen hierdurch. Die Wahl eines für Coppicing geeigneten Gehölzes fiel auf Catalpa x erubescens 'Purpurea'. Die Sorte der Kreuzung zeichnet sich durch eine intensive, langanhaltende Laubfärbung des Austriebs aus. Daran orientieren sich die Blühaspekte der selektierten Stauden.

Zudem dient das Laub als Kontrast, zu dem eher kleinteiligen Blättern der Begleitarten. Das Austriebsverhalten und die Wuchseigenschaften des Blut-Trompetenbaums konnten bereits in einer früheren Coppicingpflanzung auf einer Schaufläche des Fachgebiets überprüft werden.

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Abb. 4: Erster Schnitt 2020 der noch jungen Gehölze zwei Augenpaare über der bodentiefen Veredelungsstelle, 2020. Foto: Dominic Wachs 2023
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Abb. 5: Schnitt der größten Exemplare unterhalb des ersten Verzweigungsansatz. Foto: Dominic Wachs 2023

Aufbau der Mischung

Die drei Mischungen basieren auf einem, sechs Arten umfassenden Grundmodul. Dieses wird in zwei Stufen um jeweils sechs Arten erhöht. Da sich die Pflanzen zu einer selbsterhaltenden Pflanzengemeinschaft zusammenfinden sollten, wurde darauf geachtet, dass die im Bereich des Gehölzrandes wesentlichen Strategietypen vertreten waren: Flächenbesetzung, Flächenbedeckung, moderate Stressanpassung, Lückenbesetzung und Stressvermeidung (Kühn 2011).

Bei der Erweiterung des Grundmoduls wurde berücksichtig, dass der jeweilige Strategietyp der Grundarten fortgeführt wird. Hierdurch soll bei gleichzeitiger Reduktion der Stückzahl je Art des Grundmoduls, ein gleichbleibendes Mengenverhältnis der Strategietypen in allen Parzellen sichergestellt werden.

Die Gesamtmenge der Individuen und der Strategietypen ist somit in allen Mischungen die gleiche. Im Versuch wurden den Strategietypen auch den bekannten Funktionstypen (Gerüst-, Begleit-, Bodendeck- und Füllstauden) einer Staudenmischpflanzung zugeordnet und dementsprechend nach dem Mischpflanzungsprinzip auf der Fläche verteilt (s. Tabelle 1).

Schnittart und Schnittrhythmus

Die Parzellen wurden entweder jährlich oder alle zwei Jahr geschnitten. Der erste Schnitt erfolgte nach einer einjährigen Anwachsphase Anfang März 2020. Der erste Rückschnitt erfolgte mindestens zwei Augen über der bodentiefen Veredelungsstelle, um einen Durchtrieb der Unterlage zu vermeiden.

Zu Beginn des 5. Standjahres erfolgte mit steigendem Alter und Dickenzuwachs bei den stärksten Exemplaren ein tieferer Schnitt unter dem ersten Verzweigungsansatz. Bei vier Exemplaren ührte dies zum Durchtrieb der Unterlage unterhalb des Bodenniveaus.

Ergebnisse

Entwicklung des optischen Erscheinungsbildes

Zu Beginn der Pflanzung dominierten visuell die Blühpflanzen. Am Ende der dritten Wachstumsperiode erweckt die Fläche zum Frühsommer durch die Zunahme des Reitgrases einen wiesenartigeren Eindruck (siehe Abbildung 6).

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Abb. 6: Veränderung der Vegetation (Vegetationsschwankung) von 2019 bis 2023. Blick über den jährlich geschnittenen Block jeweils Anfang Mai, von links nach rechts: noch ungeschnittene Gehölze 2019 (erster Schnitt 2020)/Gehölzaustrieb zusammen mit Hesperis matronalis und Geraniun x oxonianum 'Wargrave Pink' 2021/Dominanz langlebiger Arten 2023. Fotos: Dominic Wachs 2023
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Abb. 7: Wechselnde phänologische Aspekte innerhalbe eines Jahres von links nach rechts: Hauptblüte von Euphorbia epithymoides Anfang April. Gehölzaustrieb noch unterhalb des Staudenlayers/Starker durchtrieb der Gehölze bis Mitte Juli. Hauptblüte von Hemerocallis Hybride 'Crimson Pirat'/Herbstfärbung der Gehölze Anfang Oktober. Trieblänge teilweise über drei Meter. Fotos: Dominic Wachs 2023

Die Gehölze wuchsen mit fortschreitender Entwicklung schneller, höher und dichter. Die Pflanzung gleicht daher ab dem dritten Jahr bereits Mitte Juli der Sukzessionsstufe einer Gebüsch- und Vorwaldgesellschaft. Zudem fand eine Veränderung der Fülle, der visuellen Anzahl der Arten oder der gesamten Biomasseproduktion über die Jahre statt. Ab dem 3. Standjahr hat sich durch den starken Wuchs der Gehölze und ihre dichtere Bedeckung der anfängliche Charakter der Bepflanzung daher stark verändert.

Die ausgewählten Arten nischen sich mit ihren Blüten nicht nur jahreszeitlich unterschiedlich ein. Durch das zunehmende Höhenwachstum entwickelt der Bestand auch eine starke Schichtung (Layerbildung). Das regelmäßige Herabsetzen der Gehölze und ihr darauffolgendes schnelle Aufwachsen verstärkt die Dynamik, was sich in einer starken Veränderung des Vegetationsbildes innerhalb eines Jahres äußert.

Mortalitäts- und Vitalitätsbestimmung der Arten

In den ersten zwei Vegetationsperioden konnte noch kein signifikanter Konkurrenzdruck durch die Gehölze festgestellt werden. Unabhängig von der Gehölzdichte und dem Schnitt, entwickelten sich alle Arten nahezu identisch.

Während der Etablierungsphase der Gehölze ergab sich leider das Problem, dass der Neuaustrieb sowohl 2019, als auch 2020 jeweils am 22. Mai durch nachts auftretende Spätfröste zurück fror. Von den insgesamt 198 gepflanzten Exemplaren, waren sechs Ausfälle zu verzeichnen. Alle restlichen Gehölze reagierten mit einem Neuaustrieb im unteren Bereich.

Die kurzlebigen Füllpflanzen (Silene dioica, Hesperis matronalis) entwickelten sich im ersten Jahr opulent. Im zweiten Standjahr blühten auch die meisten Exemplare des Fingerhuts. Die anschließende generative Wiederbesiedelung war sehr gering. Während der Fingerhut komplett ausfiel und von Silene nach fünf Jahren nur noch wenige Exemplare vorhanden sind, konnte sich allein Hesperis dauerhaft etablieren.

Die Individuenanzahl stieg besonders in den zweijährig geschnittenen Block und Parzellen mit höherer Gehölzdichte wieder an. Hesperis matronalis profitiert von den Lücken, die die bodendeckenden Arten bei steigenden Gehölzdruck hinterlassen.

Im Laufe des Versuches zeigten sich erste Unterschiede zwischen den Parzellen, in denen die Gehölze jährlich und alle zwei Jahre auf den Stock gesetzt wurden. So sank die Deckung bei der Geranium-Sanguineum-Hybride im zweijährig geschnittenen Bereich bereits im dritten Jahr, während sie auf den anderen Parzellen stabil blieb. Auch bei Geranium oxonianum zeigt sich dieser Effekt. Zusätzlich entwickelten die Art auch mehr Symptome von Trockenstress (Vertrocknen der Blätter), bis hin zum Absterben mehrerer Exemplare.

Salvia nemorosa stellte sich als nicht sehr langlebig heraus. Sie entwickelte in den ersten zwei Standjahren ein besonders üppiges Wachstum. Der Wiederaustrieb nach dem Remontierschnitt im Juni konkurriert besonders mit der immer dominanter werdenden Geranium-Sanguineum-Hybride 'Tiny Monster'. Dadurch nahm die Anzahl der Individuen in dem jährlich geschnittenen Block schneller ab als bei seiner Langlebigkeit zu erwarten gewesen wäre. Im Nachhinein erwies sich der Remontierschnitt als kontraproduktiv, um Salvia im Bestand zu halten.

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Abb. 8: Durchschnittliche Rückschnittszeiten in Abhängigkeit der Gehölzanzahl. Getrennt nach Rückschnitt Stauden/Gehölze und Abräumzeiten je Parzelle. Abbildung: Dominic Wachs 2023
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Abb. 9: Durchschnittliche Jätezeiten in den Jahren 2020 bis 2023, in den Versuchsvarianten mit jährlichem Schnitt (SG1) und mit zweijährlichem Schnitt (SG2). Abbildung: Dominic Wachs 2023
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Abb. 10: Durchschnittliche Jätezeiten von 2020 bis 2023, getrennt nach Pflegegängen in Abhängigkeit der Schnittrhythmen der Gehölze. Abbildung: Dominic Wachs 2023

Pflegemaßnahmen und Pflegezeiten

Nach dem Rückschnitt der Stauden im zeitigen Frühjahr erfolgen auf allen Parzellen drei Pflegegänge pro Jahr (Mai, Juli, September), bei denen die Pflegezeiten, die Arten der Beikräuter und deren Anzahl ermittelt wurden.

Um eine unnötige Bodenirritation zu vermeiden, wurde nur selektiv mit einem Unkrautstecher gejätet. Unabhängig von allen anderen Versuchsfaktoren, ist der Aufwand für die Pflege der Mischungen mit drei Pflegegängen und dem Rückschnitt als gering einzustufen. Staudenmischpflanzen, wie etwa die die Mischung "Perennemix-Blütenschleier gelten mit drei Pflegegängen als "pflegearm" (Heinrich & Messer 2012).

Die Flächen wurden während der ersten Vegetationsperiode (2019) bei dringendem Bedarf gewässert. In den darauffolgenden Jahren erfolgte eine Wassergabe nur, wenn der volumetrische Wassergehalt des Bodens weniger als fünf Prozent betrug und damit der permanente Welkepunkt erreicht wurde. Insgesamt wurden die Parzellen während der letzten vier Versuchsjahre nur dreimal mit je zehn Liter pro Quadratmeter gewässert.

Mit steigendem Alter der Pflanzung verringern sich die Pflegezeiten deutlich. Durch die Mulchauflage und der zunehmenden Vegetationsbedeckung, lagen diese inklusive der letzten Aufnahme im September 2023 bei 1,8 Minuten pro Quadratmeter pro Jahr (Jahresdurchschnittszeit Gesamtfläche inkl. Rückschnitt, Beräumung und Jäten).

Die Zeiten entsprechen damit mehr den durchschnittlichen Pflegezeiten einer Unterpflanzung von Gehölzen mit "Waldstauden- und Geophyten-Flächen" (1,8 bis drei min./m² und Person) als denen einer Mischpflanzung der stressbetonten Freifläche (2,6 bis 3,5 min./m² und Person) (Schmidt 2005).

Ab 2020 wurde der Rückschnitt der Stauden von Hand auf maschinell umgestellt (Akku-Heckenschere). Die Zeiten für den Rückschnitt der Stauden erhöhen sich nur minimal mit steigender Gehölzanzahl. Hier zeigt sich, dass der Mehraufwand durch das Abräumen des Schnittguts von den jeweiligen Parzellen resultiert und nicht durch den eigentlichen Rückschnitt der Stauden.

Zu Beginn der Pflanzung konnten in den einzelnen Parzellen nur geringe Unterschiede in den Pflegezeiten festgestellt werden. Die Pflegezeiten für das Jäten waren zu Beginn der Aufnahme in den Parzellen mit höherer Gehölzanzahl geringfügig mehr. In den darauffolgenden Jahren waren sie immer dann höher, wenn auf der Parzelle die Gehölze im Frühjahr auf den Stock gesetzt wurden.

2022, in dem in den zweijährigen Parzellen kein Gehölzschnitt erfolgte, war die Pflegezeit sogar etwas geringer. Weniger Licht müsste auch die Anzahl der unerwünschten Beikräuter eigentlich reduzieren (Kolb 1981).

Bei der Ermittlung der Fremdarten konnte jedoch festgestellt werden, dass nicht die Ausschattierung durch die Gehölze, sondern die dadurch entstehenden Lücken bei den bodendeckenden Arten offensichtlich die entscheidende Rolle spielt, was sich dann auch in einer höheren Anzahl an Beikräutern äußert.

Bei der Betrachtung der Jätezeiten getrennt nach Pflegegängen fällt zudem auf, dass die Werte im Frühjahr, direkt nach dem Schnitt der Gehölze und den dadurch im Bestand offensichtlich freigewordenen Lücken am höchsten sind. Im Jahresverlauf pendelt sich dies wieder ein.

Stresstolerante Pflanzungen (Mischpflanzungen der trockenen Freifläche, niedrigwüchsige Präriepflanzungen, Unterpflanzungen von Gehölzen) werden als wenig pflegeaufwendig eingestuft. Mischpflanzungen wie der "Silbersommer" gelten mit einer jährlichen Pflegezeit von 2,6 bis 3,5 Minuten pro Quadratmeter und Person als sehr pflegeextensiv (Schmidt 2005).

Den durchschnittlichen Zeiten entsprechend handelt es sich jeweils bei allen Prüfgliedern (verschiedene Varianten der Faktorstufen) des Versuchs um Zusammenstellungen mit geringem Aufwand. Der geringe Pflegeaufwand lässt diese Art der Bepflanzung als geeignet für das öffentliche Grün erscheinen. Dies resultiert aus dem Aufbau unterschiedlicher Schichten, Funktions- und Strategietypen und den Anteil bodendeckender Arten.

Vor allem die starkwüchsige Sorte der Geranium sanguineum Hybride ('Tiny Monster') und die wüchsige und weitausladende Sorte 'Heaven in Blue' von Salvia nemorosa sorgen für eine hohe Bodenbedeckung.

Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Pflegegänge durch gut ausgebildete Gärtner erfolgen, die sowohl die nötige Erfahrung besitzen, als auch über gute Artenkenntnisse verfügen.

Fazit und Ausblick

Die Coppicingpflanzung wird durch eine starke Dynamik geprägt. Zum einen entwickelt sie sich im Laufe des Jahrs vom Lebensbereich der Freifläche zum Gehölzrand. Zum anderen nimmt die Konkurrenzkraft und damit der Einfluss der Gehölze immer weiter zu. Diese Dynamik zeigt sich verstärkt ab dem dritten Jahr und scheint weiter anzuhalten.

Die Zusammenstellung der Stauden blieb bislang erhalten, nur kurzlebige Arten fielen aus (Digitalis purpurea, Silene dioica). Allerdings veränderten sich die Dominanzverhältnisse: einzelne Arten wirkten verdrängend (Geranium 'Tiny Monster').

Anders als erwartet, nahm der Pflegeaufwand bei dichterem Gehölzstand bisher geringfügig zu. Unabhängig von dem Schnittrhythmus erweist sich diese Art der Pflanzenverwendung als sehr pflegeextensiv.

Die vielfältigen Blatt- und Blütenaspekte, die starke jahreszeitliche Veränderung und die Stabilität des Systems, machen das Coppicing zur großen Bereicherung für die Pflanzenverwendung im öffentlichen Grün. Natürlich lassen sich durch die Wahl anderer Gehölze und auch Stauden viele weitere Pflanzenbilder denken.

Von zentraler Bedeutung erscheint jedoch die Verwendung der richtigen Strategietypen und eine kontinuierliche, fachkundige Pflege.

LITERATUR

  • BDS (2018): Erfolgreiches Konzept der Staudenmischungen wird um Gehölze erweitert. Zusammenarbeit des BdS-Arbeitskreises Pflanzenverwendung mit dem BdB. Hg. v. Bund deutscher Staudengärtner. Online verfügbar unter https://www.bund-deutscher-staudengaertner.de/aktuelles/erfolgreiches-konzept-der-staudenmischungen-wird-um-gehölze-erweitert.html, zuletzt geprüft am 21.12.2021.
  • Calster, Hans; Chevalier, Richard; Wyngene, Bram; Archaux, Frédéric; Verheyen, Kris; Hermy, Martin (2008): Long-term seed bank dynamics in a temperate forest under conversion from coppice-withstandards to high forest management. In: Applied Vegetation Science 11 (2), S. 251–260. DOI: 10.3170/2008-7-18405.
  • Connell, Joseph H. (1978): Diversity in Tropical Rain Forests and Coral Reefs. In: Science 199 (4335), S. 1302–1310. DOI: 10.1126/science.199.4335.1302.
  • Dunnett, Nigel (1995): Coppice gardening. In: The Garden: journal of the Royal Horticultural Society (3), S. 144–147.
  • Dunnett, Nigel (2000): At the cutting edge. In: The Garden 125 (5), S. 388–391. Hobmeier, Sebastian (2020): Coppicing als Beitrag
    zur Biodiversitätsförderung. In: Stadt+Grün 69 (9), S. 39–45.
  • Hüttenmoser, Beate (2007): Staudenverwendung im öffentlichen Grün, Untersuchung zur Problematik ästhetischer und pflegerischer Aspekte von Staudenpflanzungen für das öffentliche Grün. Mehrjährige Untersuchung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und im öffentlichen Grün zur Wirkung von Artenanzahl und Sommerrückschnitt auf Pflegeaufwand und Ästhetik, sowie Flächendeckungsgrad, unerwünschte Beiflora, Krankheiten und Wuchsstärke. Dissertation. Technische Universität Dresden, Dresden. Institut für Landschaftsarchitektur.
  • Kolb, Walter (1981): Pflegeaufwand bei Bodendekkenden
    Stauden und Gehölzen. Dissertation. Technische Universität München, München. Landwirtschaft und Gartenbau.
  • Reif, Jonas (2014): Coppicing im öffentlichen Grün. In: Garten + Landschaft (12), S. 28–31. Schmidt, Cassian (2005): Neue Pflegekonzepte für nachhaltige Staudenpflanzungen. In: Stadt+Grün 54 (3), S. 30–35.
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen (2023): Geoportal – Daten und Dienste, Langjährige Niederschlagsverteilung 1991- 2020/Langjähriges Mittel der Lufttemperatur 1981- 2010.
Prof. Dr. Norbert Kühn
Autor

Technische Universität Berlin

Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung
M. Sc. Dominic Wachs
Autor

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, TU Berlin

Technische Universität Berlin

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