Stauden für Blütenpracht trotz Hitze und Dürre
Trockenheroes
von: Dipl. Ing. Anne RostekDamit sich Gärten und öffentliche Anlagen auch im Falle zukünftiger Hitzesommer blütenreich präsentieren, ohne dass dafür kostbares Wasser aufgewendet wird, ist die Nutzung eines angepassten Pflanzenspektrums unumgänglich. Gerade im Reich der Stauden gibt es hier glücklicherweise eine Vielzahl an attraktiven "Trockenkünstlern", die sich verschiedener Strategien bedienen, um lange Durststrecken zu überstehen.
Erkennungsmerkmale von Stauden mit geringem Wasserbedarf
Dickblättrigkeit
Ein klassisches Beispiel in dieser Gruppe sind die Fetthennen (Sedum) mit ihren fleischigen Blättern. Niedrige Sorten lassen sich perfekt für die extensive Dachbegrünung nutzen. Die höheren Arten wie Sedum spectabile und S. x telephium sind ideale Partner für gepflegte Staudenbeete, Verkehrsbegleitgrün oder Massenpflanzungen in Parkanlagen. Sie bieten vom Austrieb über die Blüte bis zum Absterben im Spätherbst attraktive Struktur, Farbe und lebenswichtigen späten Nektar für Bienen, Hummeln und Falter.
Wachs und Wolle
Trockenheitsverträgliche Pflanzen produzieren ihren ganz eigenen Sonnenschutz, indem sie ihre Blätter wahlweise mit einer kräftigen silbrigen Wachsschicht oder wolligen Haaren überziehen. Besonders hübsche Vertreter in dieser Gruppe sind der beliebte Wollziest (Stachys byzantina) und die Wollige Königskerze (Verbascum bombyciferum).
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Nadelartiges Laub
Um wenig Verdunstungsoberfläche zu bieten, besitzen viele trockenheitsverträgliche Pflanzen schmales Laub. Lavendel (Lavandula), Rosmarin (Rosmarinus), Heiligenkraut (Santolina) oder Sonnenröschen (Helianthemum) sind hier perfekte Beispiele, wie sich auf diese Weise Wasser sparen lässt.
Tiefreichende Wurzeln
Etliche mediterrane Halbsträucher wie Lavendel oder Rosmarin sowie einige Präriestauden, darunter die Rutenhirse (Panicum virgatum) haben tiefgehende Wurzeln, die sie auch bei wochenlanger Trockenheit noch mit ausreichend Feuchtigkeit versorgen. Hier sei angemerkt, dass auch viele Rosen aus dem gleichen Grund Trockenheit erstaunlich gut überstehen.
Hartes Laub
Wer ein toughes Skelett aus hartem Laub und drahtartigen Stängeln besitzt, der fällt bei Trockenheit nicht so schnell in sich zusammen wie eine Pflanze mit saftig-weichen Blättern. Wunderschöne Vertreter für diese Gruppe sind etwa die Edeldisteln, darunter Eryngium alpinum oder Eryngium planum.
Speicherorgane
So mancher Trockenkünstler behilft sich in Phasen der Wasserknappheit mit verdickten Sprossteilen oder Wurzeln. In diesen Speicherorganen lagern Pflanzen wie Bergenien (Bergenia), Bart-Iris (Iris barbata) oder Pfingstrosen (Paeonia alle Arten) Wasser und Nährstoffe ein, um sie bei Bedarf abrufen zu können. Nach diesem Prinzip verfahren u. a. auch Blumenzwiebeln.



Gestaltungsbeispiele mit trockenheitsresistenten Stauden
Beth Chattos Kiesgarten
Die Grande Dame der Pflanzenverwendung, die man beim Thema trockenheitsresistente Stauden unbedingt erwähnen muss, ist die englische Gartengestalterin Beth Chatto. Ihr meisterhaft angelegter Kiesgarten in der südostenglischen Grafschaft Essex ist international bekannt und bis heute eine nicht versiegen wollende Quelle der Inspiration für attraktive Pflanzenkombinationen, die nur einen sehr reduzierten Wasserbedarf haben. Die Idee zu diesem Gartenteil entstand nach einer Reihe sehr trockener Sommern, in denen es in Essex einen sogenannten "hosepipe-ban" gab. Dieses "Gartenschlauch-Verbot" untersagt die Bewässerung von Gartenanlagen mit Leitungswasser. Beth Chatto machte mit ihrem Wissen um trockenheitsverträgliche Pflanzengemeinschaften somit aus der Not eine Tugend.
Mineralischer Mulch als Bodenschutz
Der gesamte Gartenbereich einschließlich der Beete ist gemulcht mit einer Auflage aus sandfarbenem, mittelfeinem, rundkörnigem Kies, der für einen mediterranen Look sorgt. Hierbei muss betont werden, dass diese Art des Kiesgartens nichts mit den bereits in Verruf geratenen Schottergärten gemein hat. Der Mineralmulch dient hier als unterstützender Bodenschutz, um Verdunstung zu reduzieren. Die geringe Korngröße erlaubt es den Pflanzen, problemlos darin zu wachsen und sich im Zweifel auch zu versamen. Das Verhältnis von offener Kiesfläche zu geschlossener Pflanzendecke liegt bei Beth Chatto bei circa ein Drittel zu zwei Drittel, so dass sich selbst bei hoher Sonneneinstrahlung der Gartenbereich nicht unnötig aufheizt.
Pflanzen-Highlights des Kiesgartens
Beth Chatto wusste geschickt die Palette der Stauden zu nutzen, die einen Hitzesommer ohne menschliche Gießhilfe überstehen würde. Als architektonische Leitpflanzen dienen bei ihr u. a. Palmlilie (Yucca filamentosa) oder Wollige Königskerze (Verbascum bombyciferum). Als Begleitstauden finden sich Katzenminze (Nepeta), Steinquendel (Calamintha), Steppenwolfsmilch (Euphorbia seguieriana) und Ziersalbei (Salvia nemorosa). Zu den Beeträndern nutzt sie geschickt niedriger wachsende Stauden wie Bergenien (Bergenia), Sonnenröschen (Helianthemum) oder duftenden Teppichthymian (Thymus doerfleri). Zur Auflockerung sind hitzeverträgliche Ziergräser wie der Riesenhafer (Stipa gigantea) und Federgras (Stipa tenuissima) in die Pflanzung eingestreut.






Blütenreiches Sonnen-Eck
Manchmal bedarf es gar keiner großen Fläche, um für pflegeleichte Blütenpracht zu sorgen, die auch ohne Gartenschlauch-Betreuung auskommt. Dieses kleine, circa 2,5 Quadratmeter messende Hochbeet in der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin erfreut seit Jahren Kunden wie Mitarbeiter mit seiner üppigen Blüte. Die Pflanzenkombination lässt sich prima auf Hausgartensituationen wie beispielsweise südseitige Terrassenbeete anwenden und funktioniert in so ziemlich jeder Anordnung.
Bepflanzt ist das aus Sandsteinblöcken errichtete Hochbeet u. a. mit einer Strauchmalve (Lavatera x olbia), Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana), Ziersalbei (Salvia verticillata 'Purple Rain'), Lavendel (Lavandula 'Munstead'), Staudendost (Origanum 'Rosenkuppel'), Steinquendel (Calamintha nepeta), Bart-Iris (Iris 'Lovely Again'), Eisenkraut (Verbena bonariensis) sowie Federgras (Stipa tenuissima). Diese Kombination lässt sich dabei problemlos verdoppeln oder verdreifachen, um eine größere Beetfläche abzudecken.
Gewappnet für trockene Zeiten: Die Außenanlagen einer süddeutschen Mehrzweckhalle
Im Jahr 2018 ergab sich rund um eine neu errichtete Mehrzweckhalle in der Gemeinde Sulzburg-Laufen die Gestaltung zweier größerer Beete von insgesamt 68 Quadratmeter durch die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin. In den Vorbesprechungen mit Gemeindevertretern wurde der Wunsch nach einer repräsentativen Pflanzung geäußert, die gleichzeitig jedoch auch pflegereduziert und dem sehr warmen Klima im sonnigen Südwesten der Republik angepasst sein sollte.
Trockenheroes in Lavamulch
Alle Anforderungen ließen sich mit einer eigens zusammengestellten Staudenmischpflanzung lösen, die nach Zufallsprinzip auf den Flächen ausgestellt und gepflanzt wurde. Der Boden wurde in beiden Beeten zusätzlich mit einer circa fünf Zentimeter starken Schicht Lavamulch (0 bis 16 mm) gemulcht. Dieser sorgt für eine optimale Temperatur im Wurzelbereich der Pflanzen, reduziert Verdunstung von Bodenwasser und hat zusätzlich den Vorteil, dass man auf derart gemulchten Flächen jederzeit Pflegearbeiten ausführen kann, ohne den Boden durch die Begehung zu verdichten oder bei Regenwetter anderweitig zu schädigen.


Blütenpracht von April bis Oktober
Die Pflanzungen an der Mehrzweckhalle wurden in der Farbgebung Blaulila, Weiß, Silbergrau und Gelb gehalten, um die warmgelbe Farbe des Gebäudes widerzuspiegeln. Verwendet wurden neben bereits erwähnten trockenheitsverträglichen Stauden wie Katzenminze, Ziersalbei, Sonnenröschen und Federgras etliche prägnante Begleit- und Leitstauden, die den Beeten ihr naturnahes und gleichzeitig blütenreiches Gesicht verleihen. Im Frühling leuchtet einem etwa in limettengelbgrün die Mittelmeerwolfsmilch (Euphorbia characias) entgegen, die im Mai von den remontierenden Bart-Iris 'Lugano' und 'Lovely Again' Gesellschaft bekommt. Für Begeisterung sorgen im Hochsommer immer wieder die üppigen Büsche der Färberkamille (Anthemis tinctoria 'Sauce Hollandaise'), die sattgelben Schirmblüten der Goldgarbe (Achillea 'Parker'), das architektonische Brandkraut (Phlomis russeliana), das mit hellgelben Blütenquirlen aufwartet, blaublütige Perovskie (Perovskia x superba) oder der gelbe Scheinsonnenhut (Echinacea 'Aloha'). Ein Dauerblüher par excellence unter den Trockenheroes ist jedoch die weiße Prachtkerze (Gaura lindheimeri 'Short Form'), die von Juni bis zum Frost mit ihren schmetterlingsartigen kleinen weißen Blüten für optische Leichtigkeit in den Beeten sorgt. Transparenz und Höhe bietet zusätzlich der eingestreute Riesenhafer (Stipa gigantea), der im Hochsommer an langen Halmen haferähnliche Ähren ausbildet. Ein Genuss, wenn man die Beete vor der Halle am späten Nachmittag betrachtet, während die Sonne die wiegenden Gräserblüten in goldenes Licht taucht!
Vielseitig anwendbar
Die Zusammensetzung der Staudenmischung an der Mehrzweckhalle lässt sich auf ganz unterschiedliche Situationen anpassen, sofern die Voraussetzungen "vollsonniger Standort" und "durchlässiger Boden" gegeben sind. So wurde eine ganz ähnliche trockenheitsverträgliche Mischung etwa auch für die Vorgartenbepflanzung eines modernen Bungalows in Hartheim am Rhein genutzt. Auch hier wurde der Boden mit Lavamulch abgemulcht, um den Pflegeaufwand zu reduzieren. Bis heute bleiben immer wieder Spaziergänger an der Gartenmauer stehen und erfreuen sich an dem natürlich anmutenden Blütenmeer, in dem es kräftig summt und brummt.
Mediterraner Vorgarten
Nicht ganz eine Staudenmischpflanzung, dafür aber eine präzise Bepflanzungsplanung mit trockenheitsverträglichen Stauden und Ziergräsern im mediterranen Stil wünschte sich ein Kunde für seinen gut 55 Quadratmeter großen Vorgarten in Süddeutschland. Die Farbpalette sollte dabei von Pinkrosa über Blaulila bis Grausilber reichen.
Die Trockenheroes, die hier Einzug halten durften, entwickelten sich schon nach kurzer Zeit zu einem gut funktionierenden Pflanzenbild. Die silbergraue Fraktion hätte dabei nicht besser vertreten werden können durch flauschigen Wollziest (Stachys byzantina) und aromatischen Wermut (Artemisia arborescens). Pinkrosa wurde mit Ziersalbei (Salvia nemorosa 'Amethyst'), Prachtkerze (Gaura 'Summer Emotions'), Strauchmalve (Lavatera 'Barnsley') und Scheinsonnenhut (Echinacea 'Magnus') bedient. Lilablau strahlte es durch Lavendel (Lavandula 'Munstead'), Kugeldistel (Echinops ritro) sowie Eisenkraut (Verbena bonariensis). Die trockenheitsverträglichen Ziergräser wie Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) und Diamantgras (Calamagrostis brachytricha) hingegen geben der Pflanzung eine ungeahnte Weichheit und zieren bis in den Herbst hinein mit ihren Blüten. Einmal eingewachsen, bedurfte die neue Beetanlage kaum noch einer extra Wassergabe, sehr zur Freude ihres Besitzers.













